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	<description>Eine Radreise für Kinder in Not.</description>
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		<title>Ein Jahr nach der Rückkehr &#8211; Ein Blick zurück.</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Jan 2011 20:52:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joern</dc:creator>
				<category><![CDATA[Etappe 14 Nach der Rückkehr]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute (16.01.2011) ist es nun ein Jahr her, dass wir auf dem Prinzipalmarkt in Münster von unseren Verwandten und Freunden bei der Rückkehr von der Radreise empfangen worden sind. Und auch ein Jahr nach der Wiederankunft stellen wir fest: Zu Ende ist die Radreise noch nicht. Zwar haben wir die Radreise nicht mehr so präsent [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute (16.01.2011) ist es nun ein Jahr her, dass wir auf dem Prinzipalmarkt in Münster von unseren Verwandten und <a href="http://ammanu.de/wp-content/uploads/2011/01/IMG_0669.jpg"><img class="alignright size-large wp-image-1475" title="Fahrrad." src="http://ammanu.de/wp-content/uploads/2011/01/IMG_0669-1024x768.jpg" alt="" width="264" height="198" /></a>Freunden bei der Rückkehr von der Radreise empfangen worden sind. Und auch ein Jahr nach der Wiederankunft stellen wir fest: Zu Ende ist die Radreise noch nicht. Zwar haben wir die Radreise nicht mehr so präsent vor Augen, wie unmittelbar nach unserer Rückkehr. Denn längst haben wir unseren Alltag wieder gefunden. Klaus arbeitet als stellvertretender Gruppenleiter in einer Wohngruppe für Jugendliche und Jörn hat wie geplant sein Studium beendet. Aber auch, wenn wir zurück im Alltag sind, ist ein teilweise schon fast unruhiges Gefühl vorhanden, das die Radreise noch nicht zu Ende ist. Sie scheint nicht abgeschlossen zu sein. Irgendetwas fehlt noch…<span id="more-1413"></span></p>
<p><strong>Verblassen die Erinnerungen?</strong></p>
<p>Und was genau fehlt, ist gar nicht so einfach festzustellen. Vielleicht ist es ein kritischer Rückblick auf die Radreise, ein Wiedersehen mit den neuen Freunden von unterwegs, eine akkurate Aufbereitung der ca. 8.000 von uns gemachten Fotos oder das Abschreiben der Tagebuchkrizeleien, um die Erlebnisse auch noch in 10 Jahren nachlesen zu können. Dabei fällt auf, dass diese Dinge im Kern alle dasselbe Ziel haben: Es ist der Versuch, die Erlebnisse der Radreise zu bewahren, damit sie im Alltag nicht allzu schnell verblassen. Und wahrscheinlich ist es genau dass, was für uns die Radreise noch nicht zum Abschluss gebracht hat und daher auch niemals zum Abschluss gebracht werden kann. An diesem Versuch können wir nur scheitern. Dies hat sich auch schon darin gezeigt, dass wir beispielsweise den Jahrestag der Ankunft in Wladiwostok total vergessen hatten und von Eva, Jörns Freundin, daran erinnert werden mussten. Dennoch haben wir uns bisher bemüht, die Radreise für uns zu bewahren. Wir haben einen Großteil der Fotos sortiert, haben weiterhin regelmäßigen Kontakt zu einigen unseren neuen Freunden, wie Muratbek aus Kirgisien oder konnten sogar einige, wie Olga aus Russland oder Si Lei aus China, wiedersehen. Trotzdem bleibt beim Nachdenken ein unruhiges Gefühl. Denn eigentlich müsste man ja noch dies und könnte man ja noch das machen…</p>
<p><strong>Wiedereinstieg leicht gemacht!</strong></p>
<p>Dabei sah es zuerst überhaupt nicht danach aus, als könnten solche Überlegungen aufkommen, da das Wiedereinleben zuhause absolut problemlos verlief. So hat Klaus drei Tage nach der Wiederankunft eine Wohnung gefunden und ist mit seiner Freundin zusammen gezogen. Und Jörn ist nach 3 Wochen bei seinen Eltern zu seiner Freundin nach Berlin gegangen und hat mit dem Schreiben seiner Abschlussarbeit begonnen. Diese unproblematische Anschlussfähigkeit ist wohl in mehreren Dingen begründet. Es war sehr sinnvoll die Rückreise von Wladiwostok nach Münster über einen Zeitraum von 50 Tagen zu strecken, um so die Veränderungen langsam auch sich zukommen zu lassen. Zudem sind wir in alte, und damit bekannte Strukturen zurück gekehrt, in denen wir uns auch vor dem Start der Radreise sehr wohl gefühlt haben. Dahin geht jeder gerne zurück. Und da wir nur 295 Tage unterwegs waren, hatte sich zuhause auch nicht viel verändert. Darüber hinaus sollte die „Problematik des Wiedereinlebens“ auch grundsätzlich nicht überbewertet werden. Aber dennoch gab es kleine Gewohnheiten der Radreise, die es nach der Wiederankunft abzulegen galt. War es bei der Radreise üblich, Socken auch mal länger als einen Tag zu tragen, rettete sich diese Lässigkeit anfänglich rüber in die Zeit nach der Radreise.  Jeder von uns erwischte sich dann irgendwann im Laufe der Woche bei dem Gedanken: Oh Mist, die Socken hab ich seit mindestens drei Tagen an. Mittlerweile wechseln wir aber wieder täglich…</p>
<p><strong>Schön, dass ihr an uns gedacht habt!</strong></p>
<p>Ganz spannend und ergreifend war es für uns während der Reise und nach der Wiederankunft davon zu erfahren, wie viele Leute unsere Reise aktiv verfolgt haben oder täglich an uns dachten. So erzählte Sr. Hermine, Clemensschwester aus Münster, der Mutter von Jörn bei der Rückkehr auf dem Prinzipalmarkt, dass sie jeden Abend, wenn sie im Bett lag an uns denken musste, wo wir uns denn wohl gerade „zur Ruhe legen würden“ und schloss uns in ihr Gebet mit ein. Oder das Interesse von Herrn Horn, der in einer Seniorenresidenz in Bad Rothenfelde lebt, und mehrmals monatlich die blog Einträge von uns den anderen Bewohnern vorgelesen hat. Besorgt hatte er sich die Berichte von Jörns Mutter, die in ihrer Änderungsschneiderei einen Ordner mit den Blog &#8211; Einträgen angelegt hatte. Diesen konnte sich die Kundschaft auch „über Nacht“ ausleihen. Sehr gefreut haben wir uns auch darüber, dass verschiedene unserer Freunde und Bekannten von unsere Radreise animiert worden sind, wieder selber Rad zu fahren oder es wieder öfter zu benutzen, wie wir im Gästebuch lesen konnten: „Hallo ihr beiden, mein Mann und ich haben uns &#8211; von euch animiert &#8211; am Sonntag Mountainbikes gekauft. Die haben wir dann auch schon mal ausprobiert. Radfahren ist klasse! Habe ich seit etwa 15 Jahren nicht mehr gemacht. Weiterhin gute Fahrt! Julia“. Viel an uns gedacht haben auch diejenigen, die sich an der Postkartenaktion beteiligt haben. Insgesamt haben 63 Personen oder Gruppen die Radreise und ihre Idee durch die Postkartenaktion unterstützt: Danke! Und auch nach der Radreise werden wir verschiedentlich von Radreisenden kontaktiert, die über unsere Homepage auf uns aufmerksam geworden sind und im Vorfeld ihrer eigenen Reise verschiedene Fragen an uns haben. So auch Andrej, der aus Belm bei Osnabrück gestartet ist, um bis nach Omsk in Russland zu fahren – und das mit über 65 Jahren…</p>
<p><strong>Die Radreise und die Aktion Kleiner Prinz.</strong></p>
<p>Neben diesen positiven Rückmeldungen zur Radreise hoffen wir auch, mit dem Interesse an der Radreise den Bekanntheitsgrad von der Aktion kleiner Prinz aus Warendorf gesteigert zu haben. Denn das war, geknüpft an das geplante Wiedersehen mit Ammanu, ein erklärtes Ziel der Radreise. Es ist sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, den Effekt unserer Bemühungen zweifelsfrei darzustellen. Dennoch glauben wir, mit den ca. 70 Berichten in Tageszeitungen und Radiosendungen über unsere Radreise, in die die Aktion Kleiner Prinz mit eingebunden worden ist sowie unserer Homepage, die von knapp 10.000 unterschiedlichen Usern besucht wurde, dieses Ziel im Rahmen unserer Möglichkeiten ganz gut erreicht zu haben. Nebenbei, denn um die Akquise von Spendengeldern haben wir uns nicht direkt bemüht, konnten wir zudem einen vierstelligen Geldbetrag zur Unterstützung der Aktion Kleiner Prinz zusammentragen.</p>
<p><strong>Gab es einen Nutzen für die Aktion Kleiner Prinz?</strong></p>
<p>Trotz dieser im Nachhinein feststellbaren positiven Nachrichten ist die grundsätzliche Verknüpfung der Radreise mit einem „guten Zweck“ auch oftmals kritisch beäugt worden. Mehrfach wurde an uns herangetragen, dass wir die Zusammenarbeit mit der Aktion Kleiner Prinz primär dafür nutzen, unsere Radreise inhaltlich aufwerten zu wollen, um sie beispielsweise für die Medien oder etwaige Sponsoren attraktiver zu gestalten. Und es stimmt. Die Verknüpfung der Radreise mit dem Wiedersehen mit Ammanu hat das Interesse der Medien und Sponsoren sicherlich gesteigert. In welchem Umfang lässt sich jedoch auch hier nicht zweifelsfrei bestimmen. Denn nach wie vor war es für uns sehr aufwendig überhaupt Sponsoren für die Radreise zu gewinnen. Die Sponsoren haben uns mit ihren Produkten aus ihrer eigenen Produktion, teilweise mit 2. Wahl Produkten, unterstützt. Geldleistungen sind nicht geflossen. Stellt man den von uns betriebenen zeitlichen und finanziellen Aufwand zur Akquise der Sponsoren, wie die Erstellung von Informationsmaterialien oder die teilweise sehr zeitaufwendige Kontaktaufnahme, dem Geldwert der erhaltenen Sachleistungen gegenüber, war die Sponsorensuche nicht lohnenswert. Hätten wir alleine die investierte Zeit in einer Fabrik am Fließband gearbeitet, hätten wir mehr Geld erarbeitet, als wir an Sponsorenleistungen erhalten haben. Trotzdem würden wir es wieder so machen, denn es ist viel interessanter sich um Sponsoren zu bemühen und mit den Herstellern in Kontakt zu treten, als die Produkte einfach nur zu kaufen. So war es schon ein tolles Gefühl, als die Firmen wie Rohloff oder Ortlieb bei uns anriefen und uns ihre Unterstützung zusagten…</p>
<p><strong>Oder lag der Nutzen nur bei den Radreisenden?</strong></p>
<p>Auch gegenüber den Medien ist es schwer nachzuvollziehen, inwieweit die Verknüpfung der Radreise mit der Aktion Kleiner Prinz zu einer vermehrten Berichterstattung geführt hat. Nach wie vor haben wir es anfänglich als recht kompliziert und aufwendig gefunden, die Zeitungen für unser Vorhaben zu gewinnen. Das über die Radreise dann doch relativ viel berichtet worden ist, liegt wahrscheinlich auch daran, dass wir regelmäßig eigene Presseartikel und Pressemitteilungen geschrieben und über frei zugängliche Presseverteiler an die Redaktionen in unserer Heimat verschickt haben. So hat Klaus während der Reise insgesamt sechst Presseberichte und zwei Pressemitteilungen erstellt. Dabei kann der erste Presseartikel noch als Übungstext verstanden werden, wurde der Text doch von den Zeitungsredakteuren teilweise massiv umgestellt. Alle weiteren Artikel wurden jedoch oftmals ohne irgendwelche Änderungen übernommen und abgedruckt – inklusive kleiner Verschreiber…</p>
<p><strong>Grundsätzliches als Fazit.</strong></p>
<p>Zurück zur grundsätzlichen Verknüpfung der Radreise mit einem guten Zweck. Die letztendliche Bewertung sollte jeder für sich vornehmen und begründen. Wir für unseren Teil bewerten die Verknüpfung der Radreise mit der Aktion Kleiner Prinz positiv. Zum einen haben wir uns die Aktion Kleiner Prinz nicht aus den verschiedenen Hilfsorganisationen herausgesucht. Vielmehr ist die Unterstützung von Ammanu durch die Aktion Kleiner Prinz im Jahr 2004, entstanden aus der Initiative von Klaus und im Hinblick auf das geplante Wiedersehen mit Ammanu, das Verbindungsstück zwischen der Radreise und der Hilfsorganisation. Zum anderen bewerten wir die Verknüpfung auch dahingehend positiv, als dass wir den Bekanntheitsgrad der Aktion Kleiner Prinz auch faktisch ausweiten konnten. Trotz dieses positiven Fazits sollte nicht vergessen werden, dass eine solche Verknüpfung grundsätzlich kritisch zu hinterfragen ist. Denn wäre uns während der Radreise ein Schaden entstanden, z.B. durch Raub oder Unfall, wäre dies auch negativ auf die Aktion Kleiner Prinz zurückgefallen. Diese hätte sich wahrscheinlich rechtfertigen müssen, warum sie eine solch, dann „als riskante einzustufende Reise“ unterstützt hat…</p>
<p><strong>Einer der wichtigsten Aspekte der Reise: Die Reisephilosophie.</strong></p>
<p>Viel diskutiert und nachgedacht haben wir schon während der Reise und auch noch nach unserer Rückkehr über eine der wichtigsten Aspekte der Radreise: Die Reisephilosophie. Letztendlich verbirgt sich dahinter nur die Idee und die Umsetzung, wie man durch die jeweiligen Länder reist, also mit welchem Ziel man unterwegs ist. Wir hatten uns vor dem Start der Radreise nie wirklich hingesetzt und darüber nachgedacht. Mit den Erfahrungen und Vorstellungen früherer kürzerer Radreisen sind wir einfach losgefahren. Mit dem Ergebnis, dass wir erst wieder lernen mussten, zu reisen, und unseren Rhythmus zu finden. War es anfänglich unser Ziel oder unsere Philosophie so schnell wir möglich voran zu kommen und unbedingt jeden Kilometer mit dem Rad fahren zu wollen, stellten wir fest, dass diese Philosophie unserer Reise nicht gerecht wurde. Denn umso schneller – auch auf dem Fahrrad – ein Land bereist wird, umso weniger Zeit bleibt, das Land kennen zu lernen und Zeit zu haben, sich mit dem Erlebten zu beschäftigen und beispielsweise ausgiebig Tagebuch zu schreiben. Es bleibt zu wenig Zeit, um an einem Ort länger zu verharren. Trotz der Freiheit wird man zu einem gehetzten, rastlosen Radfahrer, dem es schwer fällt den Augenblick zu genießen. Sei es, weil man von dem intensiven Radfahren zu müde ist oder weil eine innere Unruhe einen weitertreibt. Nach anfänglichen 150 km Tagesetappen pendelten sich die Tageskilometer im Verlauf der Reise im Durchschnitt bei ca. 95 km ein. Unter Berücksichtigung der Ruhe- und Aufenthaltstage reduziert sich der im Durchschnitt täglich gefahrenen Kilometer sogar auf ca. 45 km.</p>
<p><strong> Jeder kann eine Radreise machen!</strong></p>
<p>Angesicht solcher durchschnittlichen Tageskilometer als Ergebnis einer veränderten Reisephilosophie, relativiert sich auch die sportliche Herausforderung der Radreise. Denn um im Durchschnitt 45 km pro Tag zu radeln, muss man kein Extremsportler sein. Das Radfahren ist somit nicht die größte Herausforderung. Für jeden halbwegs Gesunden ist eine solche Radreise somit möglich. Das Gelingen ist eben nur sehr stark von der Reisephilosophie abhängig. Wer kontinuierlich 150 km pro Tag radeln möchte, der muss wahrlich ein Extremsportler sein – verpasst aber nach unserer Ansicht das eigentliche Ziel einer Radreise. Denn letztendlich ist das Rad nur das Transportmittel und somit ein Mittel zum Zweck…</p>
<p><strong>Kopfkino beim Zelten?</strong></p>
<p>Neben angemessenen Tageskilometern gehörte es auch zu unserer Reisephilosophie, nicht bis zur möglichen Belastungsgrenze, wie z.B. mehr als 15 Nächte hinter einander oder bei Temperaturen weit unter Null Grad, zu zelten, sondern die verschiedenen Übernachtungsmöglichkeiten zu mixen. Neben dem Zelten waren das bezahlte Übernachtungen in Pensionen oder Raststätten sowie kostenlose Übernachtungen als couchsurfer oder auf Einladungen von Fremden. Dies hatte u.a. den Vorteil, dass wir in den Unterkünften mal wieder unsere Kleidung durchwaschen konnten und über das couchsurfing engen Kontakt zu den Menschen im Land hatten. Auch war es für uns so, dass der Schlaf im Zelt oft nicht so tief und erholsam war, wie die in einem festen Gebäude. Es liegt wohl daran, dass der Körper bei der Übernachtung im Zelt aufgrund imaginärer Gefahren wesentlich wacher und sensibler für Umgebungsgeräusche ist. Oder anders ausgedrückt: Irgendwo in Russland, unweit einer kleinen Siedlung liegst du hinter einer Hecke im Zelt. Vereinzelt hörst du Hundegebell. Das einzige, was dich von der Außenwelt trennt ist die dünne Zeltplane. Vom Radfahren bist zu zwar kaputt, kannst aber irgendwie nicht einschlafen. Draußen raschelt es. Erst ganz leise, dann immer lauter werdend. Was könnte das sein? Du überlegst. Deine Gedanken kreisen. Das Kopfkino beginnt. Mit dem Einschlafen ist es dann erstmal vorbei…</p>
<p><strong>Die Visa-Beschaffung. Die Hürde der Radreise.</strong></p>
<p>Doch was waren für uns die großen Hürden der Radreise, wenn nicht das Radfahen an sich? Als sehr anstrengend, nervig und zeitraubend haben wir die Organisation der Visa empfunden. Und das obwohl wir hierbei mit einem Reisebüro zusammengearbeitet haben. Zum einen gelten für die unterschiedlichen Länder verschiedene Visa &#8211; Bestimmungen, und zum anderen ist es gerade bei einer Radreise nicht immer ganz so einfach, den genauen Zeitraum der Ein- und Ausreise für ein Land langfristig im Vorhinein festzulegen. Gerade dann, wenn nur ein 30 Tage und kein 90 Tage Visum ausgestellt werden kann. Um die ungefähren Daten der Grenzübertritte dennoch genauer bestimmen zu können, haben wir eine Excel &#8211; Planung erstellt, bei der sich unter Berücksichtigung verschiedener Annahmen das Ein- und Ausreisedatum für die jeweiligen Länder errechnet. Dennoch waren es letztendlich die Visa &#8211; Bestimmungen, die es für uns trotz aller Excel &#8211; Planungen erforderlich machten, China von Kashi bis Erduosi mit dem Zug bereisen zu müssen und nicht mit dem Fahrrad. Im Hinblick auf das zuvor beschriebene Gefühl, die Radreise sei noch nicht zu Ende, resultiert diese Gefühlslage interessanterweise nicht aus dem Wunsch heraus, das „noch fehlende Stück“ von Kashi bis Erduosi mit dem Rad nachholen zu müssen…</p>
<p><strong>Und sonstige Hürden?</strong></p>
<p>Neben der Organisation der Visa gab es darüber hinaus keine wesentlichen Hürden. Vielmehr waren es immer wieder temporär kleine Hürden, die wir nehmen mussten oder die die Radreise haben anstrengend erscheinen lassen. Zwar hatten wir glücklicherweise keine größeren Erkrankungen während der Reise. Trotzdem hat der Körper uns ab und zu doch mitgeteilt, dass er nicht alles mit sich machen lässt. Manchmal dachte man schon, dass man beim Ausziehen der Radlerhose die obersten vier Hautschichten des Sitzfleisches direkt mit abzieht. Zudem hatte jeder von uns immer mal wieder schwer begründbare körperliche Leiden. Auf einmal „zog die Schulter“ bei Jörn oder das Sprunggelenk von Klaus schwoll an.  Anstrengend war es auch manchmal in dichter besiedelten Gebieten einen geeigneten Zeltplatz zu finden. In Kasachstan war das natürlich kein Problem. Hier war es dann aber auch nicht immer ganz so einfach, genügend Gelegenheiten zu haben, Lebensmittel zu kaufen. Vielleicht nicht ganz  nachvollziehbar, aber dennoch anstrengend, konnte auch die uns entgegengebrachte Gastfreundschaft sein. Z.B., wenn es nicht möglich war, eine Einladung abzulehnen oder wenn wir genötigt worden sind, mehr als zehn Wodkas oder Reisschnäpse mittringen zu müssen. Auch im Hinblick auf die Gastfreundschaft ist die Sprachbarriere nicht zu unterschätzen. Es kann ganz schön anstrengend sein, sich immer mit „Händen, Füßen und einem Lächeln“ verständigen zu müssen -  für uns und für die Gastgeber. Sehr kompliziert war es aufgrund der hohen Sprachbarriere auch, sich in China zu orientieren oder mit den Menschen in Kontakt zu treten. Die Sprachhürde war für uns so hoch, dass wir es nicht mal richtig geschafft haben, Ortsnamen für die Chinesen verständlich auszusprechen. Durch China sind wir daher wie gefühlte Analphabeten gereist. Und natürlich war auch das ständige Zusammensein von uns beiden nicht immer ganz so einfach. So hat ein jeder an dem anderen, obwohl wir uns schon mehr als 10 Jahre kennen, während der Reise Facetten kennen gelernt, auf die man hätte gut verzichten können. Aber, was wir vor einem Jahr geschrieben haben stimmt auch heute noch: Gesund und als Freunde sind wir losgefahren und gesund und als Freunde sind wir auch wieder zuhause angekommen…</p>
<p><strong>Reisevorträge und Reiseberichte.</strong></p>
<p>Seit der Zeit unserer Rückkehr haben wir angefangen einen Reisevortrag zu erstellen. Erstmalig haben wir beim ADFC &#8211; Clubabend in Münster am 07.042010 unsere Bilder gezeigt. Mittlerweile haben wir ca. 20 Vorträge gehalten. Dabei hat es sich so ergeben, dass wir von interessierten Freunden, Vereinen und Schulen angefragt worden sind, über die Reise zu berichten. Thematisch haben wir bisher drei verschiedene Vorträge zusammengestellt: Zentralasien, China sowie Transsibirische Eisenbahn. Gerade für den Erdkundeunterricht in Schulen scheinen die Bilder unserer Reise eine interessante Abwechslung und Bereicherung zu sein, wenn wir beispielsweise Fotos aus dem ausgetrockneten Hafenbecken der ehemaligen Hafenstadt Aral aus Kasachstan zeigen und einige Ursachen der Umweltkatastrophe am Aralsee umreißen. Wir freuen uns über weitere Vortragsanfragen: 0176 2400 3891 oder <a href="mailto:info@ammanu.de"><a href="mailto:in&#102;o%40%61%6d&#109;&#97;%6eu%2ed&#101;">info&#64;am&#109;an&#117;&#46;&#100;e</a></a> .</p>
<p><strong>ZDF: Zahlen &#8211; Daten &#8211; Fakten</strong></p>
<p>Oftmals interessieren bei den Vorträgen die konkreten Zahlen der Radreise „Was kostet denn so eine Radreise?“, „Wie viel Kilometer seid ihre denn so am Tag gefahren?“ oder „Wie oft habt ihr gezeltet“. Nachdem wir bereits kurz nach unserer Rückkehr eine Reisestatistik erstellt haben, können wir einige dieser Frage relativ gut beantworten. Die gesamte Reisestatistik kann zudem von der Homepage runtergeladen werden.</p>
<p><strong>Reisestatistik I</strong></p>
<p>So haben wir für unsere 295 Tage dauernde Reise während der Reise pro Tag und Nase ca. 22 Euro ausgegeben. Das sind insgesamt etwas mehr als 6400 Euro. Darin enthalten ist auch unsere 3 wöchige Chinarundreise währenddessen wir die Fahrräder haben stehenlassen und die alleine schon 1400 Euro kostete. Ebenso sind darin die Zugkosten für alle Zugstrecken während der Reise enthalten. Also die Visa-Beschaffungsreise von Peking nach Hong Kong und zurück sowie die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn. Ebenso sind auch die Hotelkosten, wenn wir uns in Städten aufgehalten haben, bereits in diesem Betrag berücksichtigt.</p>
<p>Darin nicht enthalten sind alle Kosten, die wir für die Planung und Organisation sowie für unsere Ausrüstung aufbringen mussten. Diese Kosten zählen wir zu unseren Ausgaben vor Reisebeginn. Hierzu zählen beispielsweise Krankenversicherung und Visa-Gebühren ebenso wie ein neuer Schlafsack, unser Zelt oder die Kosten für unsere Fahrräder. Dieser gesamte Teil beträgt insgesamt etwas mehr als 4900 Euro. Insgesamt hat die Radreise pro Nase somit knapp 11.500 Euro gekostet. Rechnet man diesen Gesamtbetrag, also die Kosten während der Reise und die Kosten vor Beginn der Reise, auf die Dauer der Reise runter, ergibt sich ein Betrag von ca. 37 Euro pro Tag und Nase. Hochgerechnet auf einen Monat sind das ungefähr 1100 Euro pro Nase…</p>
<p><strong>Reisestatistik II</strong></p>
<p>Insgesamt haben wir 13.355 km mit dem Fahrrad zurück gelegt. Dabei war die kürzeste Tagesetappe 16 km und die längste 217 km lang. Im Durchschnitt sind wir pro Radeltag, wie bereits erwähnt, 97 km gefahren. Unter Berücksichtigung aller 295 Reisetage haben wir täglich im Durchschnitt 45 km zurückgelegt. Dabei war unsere Durchschnittsgeschwindigkeit während der gesamten Strecke bei 18,2 km/h. Am schnellsten sind wir mit durchschnittlich 20,8 km/h durch Russland gefahren. Am langsamsten waren wir mit durchschnittlich 12,1 km/h in Kirgisien. Insgesamt haben wir während der Reise 751 Stunden im Sattel gesessen, das sind umgerechnet fast 31 ganze Tage.</p>
<p>Im Zelt haben wir 66 Nächte verbracht. Bei Freunden oder couchsurfern haben 74 Nächte geschlafen. In bezahlten Unterkünften waren wir in 144 Nächten. Der höchste Punkt der Radreise befand sich mit 3.600 m in  Krigisien. Der niedrigste mit einigen Metern unter N.N. in Kasachstan, nördlich vom Kaspischen Meer. In Kasachstan hatten wir auch die höchste Temperatur mit ca. 42 Grad Celsius. Die niedrigste Temperatur, bei der wir noch Fahrrad gefahren sind, haben wir in Russland mit &#8211; 15 Grad Celsius gemessen. Nahezu endlos könnten wir weitere Zahlen nennen…</p>
<p><strong>Und was bleibt zurück?</strong></p>
<p>Doch was bleibt neben diesen ganzen Zahlen, Bildern und Erfahrungen sonst noch zurück? Gar nicht so einfach, dass für einen selbst auf den Punkt zu bringen. Denn es ist ja beispielsweise nicht so, dass wir für jeden erkennbar unsere Grundcharaktere verändert hätten oder wir während der Reise ein absolutes Aha-Erlebnis gehabt haben, was uns zu einem neuen Bewusstsein geführt hat. So spektakulär ist eine Radreise auch nicht. Es ist vielmehr so, dass uns in dem Jahr nach unserer Rückkehr verschiedenes aufgefallen ist:</p>
<p><strong>Situationen der Reise.</strong></p>
<p>So haben wir in der Zeit nach der Radreise erfahren, wie intensiv die Radreise für uns gewesen sein muss. Zwar vergessen wir schon mal den Jahrestag unserer Ankunft in Wladiwostok. Doch ganz erstaunlich ist es, wie detailliert wir uns an einzelne Tage der Radreise, ja sogar an einzelne Situationen während der Radreise erinnern können, sobald wir auch nur den kleinsten Hinweis dazu bekommen. Dies kann ebenso wie das Lesen von zwei Sätzen aus dem Tagebuch oder aus einem Blog-Bericht, ein kurzer Blick auf eines der ca. 8000 Fotos von der Radreise, die wir alle direkt zu ordnen können oder auch nur ein paar Informationen zu einer Begebenheit sein, die wir uns am Telefon erzählen. Sofort ist einem die Situation vollständig bewusst. Es bleibt spannend, wie lange wir dieses Phänomen noch feststellen können…</p>
<p><strong>Gepäck zu haben ist kein Ziel!</strong></p>
<p>Darüber hinaus haben wir für uns festgestellt, bzw. hat die Radreise für uns nochmal bestätigt, welche Bedeutung wir materiellen Dingen beimessen. Es geht dabei nicht darum, die Anzahl an T-Shirts im Kleiderschrank zu hinterfragen, auch, wenn die Reise zeigt, mit wie wenig es möglich ist, auszukommen. Es geht vielmehr darum, zu hinterfragen und zu erkennen, was die persönlichen Ziele sind. Für uns ist eben das Anhäufen von materiellen Dingen kein primäres Ziel. Wie im wirklichen Leben belastet ein Überfluss an Materiellen einen auch während der Radreise. Auf der Radreise sind die Radtaschen einfach zu voll, und es nervt, Dinge zu transportieren, nur, um sie vielleicht ein paar Mal nutzen zu können. Oder sie nur zu nutzen, weil man sie jetzt schon bis Kasachstan geschleppt hat. Dabei stellt der, der sein Gepäck reduziert, verschiedenes fest: Das Radfahren geht viel leichter, das Gepäck zieht einen am Berg nicht nach unten. Gleichzeitig treten Verschleißerscheinungen, wie beispielsweise Speichenbrüche, wesentlich seltener oder gar nicht auf, und vor allem hat man weniger Mühen sein Gepäck zusammenzuhalten. Das ist eine der größten Erleichterungen überhaupt. Gleichzeitig wird einem auch bewusst, dass das Gepäck nur ein Mittel ist, um sein eigentliches Ziel zu erreichen. Und auf dem Weg zum Ziel ist zu viel Gepäck einfach nur belastend…</p>
<p><strong>Die Länder im Rückblick.</strong></p>
<p>Zudem fiel uns in der Nachbereitung auf, dass sich in nahezu allen Ländern, die wir bereist haben, im letzten Jahr Naturkatastrophen oder politische Unruhen ereigneten, Menschenrechte verletzt wurden oder sonstiges passierte, was in das kollektive Bewusstsein der Menschen vordrang. So brachen im Juni in Kirgisien heftige Unruhen zwischen Kirgisen und Usbeken aus. Mehrere hundert Menschen starben, mehrere Tausend flohen ins benachbarte Usbekistan. Krisenherd war die Stadt Osh, die Stadt, die wir auf unserer Reise durchquert hatten. In Russland wüteten im August verheerende Waldbrände, die ganze Landstriche verwüsteten und wovon auch Rjasan, die Partnerstadt Münsters betroffen war. Oder in China. Dort wurde der jetzige Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo u.a. aufgrund seiner Forderungen für freie Wahlen bereits im Jahr 2009 zu einer 11 &#8211; jährigen Haftstrafe verurteilt. Im Nachgang unserer Reise, werden solche Ereignisse von uns wesentlich bewusster aufgenommen. Wir verbinden die Ereignisse mit betroffenen Personen. Rjasan mit Olga. Osh mit Muratbek oder China mit Yuanyuan. Und gleichzeitig erkennen wir, mit welchen „Problemchen“ wir uns hier in Deutschland herumschlagen…</p>
<p><strong>Das wichtigste zum Schluss!</strong></p>
<p>Aber um all diese Erfahrungen, Erkenntnisse und Erlebnisse machen zu können, ist die wichtigste Erkenntnis von allem gleichzeitig auch die größte Herausforderung am ganzen: Das wichtigste ist, für den, der den Wunsch hat, eine solche Reise zu machen, überhaupt loszufahren. Egal wie lange, egal wie weit, egal mit wem, egal in welchem Alter und egal wohin. Fast alles andere ergibt sich unterwegs. Hauptsache man fährt los. Das ist die größte Herausforderung überhaupt…</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
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		<title>的帮助! Спасибо! Danke! Dziekuje!</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 20:42:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joern</dc:creator>
				<category><![CDATA[Etappe 14 Nach der Rückkehr]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Radreise war für uns ein unglaubliches Projekt. Wir haben zusammen mit Freunden und neuen Freunden viel vorbereitet, sind viel radgefahren, haben vieles erlebt und in allen von uns bereisten Ländern sehr viel Gastfreundschaft erfahren. Was wir vor dem Start gehofft hatten, hat sich für uns auf der Radreise eindruckvoll bestätigt: 99,5 % aller Menschen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Radreise war für uns ein unglaubliches Projekt. Wir haben zusammen mit Freunden und neuen Freunden viel vorbereitet, sind viel radgefahren, haben vieles erlebt und in allen von uns bereisten Ländern sehr <strong><a href="http://ammanu.de/wp-content/uploads/2010/02/Dankeskarte..jpg"><img class="alignright size-medium  wp-image-1360" title="Photo als &quot;Dankeschön&quot;." src="http://ammanu.de/wp-content/uploads/2010/02/Dankeskarte.-300x208.jpg" alt="" width="300" height="208" /></a></strong>viel Gastfreundschaft erfahren. Was wir vor dem Start gehofft hatten, hat sich für uns auf der Radreise eindruckvoll bestätigt: 99,5 % aller Menschen sind nett &#8211; und die anderen 0,5 % haben wir so gut wie nicht getroffen. Keine der schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten: Während der gesamten Reise haben wir uns nie an Leib und Leben bedroht gefühlt, sind nicht überfallen oder ausgeraubt worden und mussten kein Schmiergeld an Grenzbeamte oder Polizisten bezahlen. Im Gegenteil: oftmals wurden wir spontan eingeladen &#8211; zum Quatschen, zum Trinken und Essen oder gar zum Übernachten. Egal ob Polen, Russland, Kirgisien, China und so weiter &#8211; in allen Ländern haben wir bleibende Erfahrungen aufrichtiger Gastfreundschaft, gepaart mit einem ehrlichen Interesse an uns und unserer Reise, gemacht&#8230;<span id="more-1326"></span></p>
<p><strong>Photo in 9 x 13 als &#8220;Dankeschön&#8221;</strong></p>
<p>Und was konnten wir den Gastgebern schon zurückgeben?  Ein von zuhause mitgebrachtes Photo von uns beiden auf dem in Chinesisch, Russisch, Polnisch und Deutsch &#8220;Danke!&#8221; geschrieben stand. Gerne denken wir daher z.B. an Kamalden, dem Kleinbauern aus Usbekistan zurück, der uns in seinen Betten schlafen lies. Oder an Anara, die Englischlehrerin aus Kasachstan, die uns zum traditionellen Beschbarmark essen eingeladen hat.</p>
<p><strong>&#8220;Angst vor dem Nachbarn&#8221;</strong></p>
<p>Diese Erlebnisse sind um so bedeutungsvoller, da wir vor jedem Grenzübertritt mehrfach von Einheimischen über den jeweils östlichen Nachbarn gewarnt worden sind: Die Deutschen machten ihr Späße über die Fahrraddiebstähle von Polen, die Polen erinnerten uns, dass mit dem Verlassen der EU bei der Einreise in die Ukraine alles gefährlicher werden würde, die Ukrainer warnten eindringlich vor den Russen, die einen beim Überfall auch noch die Schuhe ausziehen würden, wobei die Russen uns wiederum vor den Kasachen warnten, denen man nur mit ganz besonderer Vorsicht begegnen dürfe. Und die Kasachen ließen natürlich kein gutes Haar an den Kirgisen, welche uns wiederum für lebensmüde erklärten, als wir erzählten, dass wir mir dem Rad nach China wollen&#8230;</p>
<p><strong>Vorurteile bilden Meinung</strong></p>
<p>Nichts von den Warnungen hat sich bestätigt. Das Meinungsbild über den Nachbarn oder generell anderen Kulturen gegenüber, beruht oftmals nicht auf eigenen Erfahrungen, sondern auf Vorurteilen und falschen Vorstellungen. Natürlich hatten auch wir vor dem Start der Radreise trotz Vorbereitung verzerrte Vorstellungen von den Ländern mit ihren Menschen und Kulturen. Doch durch die Erlebnisse während der Radreise konnten wir unsere Vorstellungen zurechtrücken &#8211; und hoffen gleichzeitig, dass wir dazu beitragen konnten, verzerrte Vorstellungen gegenüber Deutschland zu glätten.</p>
<p><strong>Vorurteilsfrei und gastfreundschaftlich</strong></p>
<p>Bewusst wurde uns dieser Aspekt, als Piet, der Vater von Ulfara aus Astrachan, der russischen Stadt an der Wolga-Mündung, zu uns im gebrochenem Englisch sagte: &#8220;Ich gehöre zur ersten Nachkriegsgeneration. Meine Vorstellungen von Deutschen sind natürlich auch von dem Geschichtsunterricht in der Schule geprägt worden. Wie die Deutschen sind, dass weiß ich erst jetzt. Denn ihr seid die einzigen Deutschen, die ich bisher persönlich kennen gelernt habe&#8230;“ Aber so unvoreingenommen, freundlich und aufgeschlossen, wie Piet uns trotz dessen begegnet ist, haben wir auch eine Vielzahl anderer Menschen vorurteilsfrei und gastfreundschaftlich kennen gelernt. Danke:</p>
<p><strong>Polen 1  (29.04 &#8211; 22.04.2009)</strong></p>
<p>Michal für die Übernachtung in seinem Ein-Zimmer-Appartement in der Stadt Kielce,</p>
<p>Violetta für den freundlichen Empfang in Lublin, der Partnerschaftstadt Münsters,</p>
<p>Marta für das Kennen lernen in Lublin und Wiedersehen in Warschau.</p>
<p><strong>Ukraine (22.04 &#8211; 22.05.2009)</strong></p>
<p>Oksana und ihre Lehrer Kollegen für die Spontaneinladung für das Grillfest im Wald,</p>
<p>Vitaly, dem Manager, für die Tage in Lutsk und für die Orga der Übernachtung in Rivne,</p>
<p>Oksana und Dan für die Übernachtung in Rivne bei der &#8220;alten Frau&#8221;, die erst ca. 50 war,</p>
<p>Ivan und Alexey für die Zeit in Zaporizhia inklu. Stadtrundfahrt, Schaschlik und Männerabend.</p>
<p><strong>Russland 1 (22.05 &#8211; 09.06.2009) </strong></p>
<p>Dem Major und seiner Frau aus Kroptokin für den ersten Bortsch auf russischem Boden,</p>
<p>Tseren, Bodma und Jevgeni für die tolle Zeit in der autonomen Republik Kalmückien, Elista,</p>
<p>Ulfara und ihren Eltern für die Übernachtungen in ihrer Datsche in Astrachan an der Wolga,</p>
<p>Michal aus der Tschechei und Michel aus den Niederlanden für die Reisebegleitung.</p>
<p><strong>Kasachstan</strong> <strong>(09.06 &#8211; 24.08.2009)</strong></p>
<p>Alisher und seinen Kollegen für die Einzelzimmer und den Umtausch von US-Dollar in Tenge,<strong> </strong></p>
<p>Marhaba für die Tage in Aktöbe und die Mühen zur Klärung unserer Aufenthaltsregistierung,</p>
<p>Anara und ihrer Familie aus Emba für die Einladung zum Beschbarmark essen,</p>
<p>Michael und Pascal aus der Schweiz für die gemeinsamen Kilometer durch die Steppe.</p>
<p><strong>Usbekistan (23.07 &#8211; 16.08.2009)</strong></p>
<p>Shersod und Igor für den Empfang unserer Zweitpässe in Taschkent,</p>
<p>Aybek für die spontane Einladung zu seinem 30. Geburtstag in Taschkent,</p>
<p>Shaban aus Pakistan für den halben Hahn in Taschkent und die Einladung zu sich nach Hause,</p>
<p>Henriette, Ludmilla und Sergei Bekker für die Gastfreundschaft in Samarkand,<strong> </strong></p>
<p>Kamalden aus Mundos für die &#8220;westfälischen Bratkartoffeln&#8221; und das Schlafen in seinen Betten.</p>
<p><strong>Kirgisien (16.08 &#8211; 24.08.2009)</strong></p>
<p>Muratbek für den Empfang an der Grenze und die gemeinsame Zeit in Osh,</p>
<p>Aytak mit seinem Esel und seinem Hund für die Motivation am Berg,<strong> </strong></p>
<p>Unbekannt für den Zeltplatz auf 3000 m Höhe neben seiner Jurte.</p>
<p><strong>China (24.08 &#8211; 16.11.2009)</strong></p>
<p>Alim aus Kashi für den &#8220;tollen&#8221; Versand unserer Fahrräder in Holzkisten,</p>
<p>Huang aus Yinchuan für die zahlreichen Telefonate zum Wiederfinden unserer Räder,<strong> </strong></p>
<p>Yuanyuan, Yoyo und deren Onkel für die schöne Zeit in Hefei, der Partnerstadt Osnabrücks.</p>
<p><strong>Russland 2 (16.11 &#8211; 17.12.2009)</strong></p>
<p>Anatoly aus Wladiwostok für die zehn WG &#8211; Tage in seiner 2ZKB Wohnung,</p>
<p>Sergei für den tollen russischen Abend in der Transsibirischen Eisenbahn,</p>
<p>Olga aus Rjasan, der Partnerstadt Münsters, für ihre Herzlichkeit,</p>
<p>Tanja und Andrej aus Rjasan für die Fahrten mit dem Lada.</p>
<p><strong>Polen 2  (17.12 bis 27.12.2009)</strong></p>
<p>Marta für das Kennen lernen in Lublin und Wiedersehen in Warschau,</p>
<p>Unbekannt für die kostenlosen Hot Dogs bei Schneeregen kurz vor Weihnachten,</p>
<p>Pater Jozef und dem Dominikaner Orden für das Weihnachtsfest in Poznan.<strong> </strong></p>
<p><strong>Deutsche im Ausland</strong></p>
<p>Immer mal wieder haben wir auf der Reise Deutsche im Ausland getroffen, die uns geholfen haben. Danke an:</p>
<p>Martin aus Koktebel für die Sichtweisen über&#8217;s Auswandern und die Packetsendung,</p>
<p>Andreas, Diana, Sina und Leo aus Peking für die Übernachtungen und Übersetzungshilfen,</p>
<p>Nicole und Tobias für die in China ausgesprochene Einladung zum Grillen,</p>
<p>Manfred aus Wladiwostok für die Moskauer Deutsche Zeitung und das Abendessen,</p>
<p>Thomas für die Tage in Irkutsk inklu. Schneefahrt, Kuhrettung und Kaffee trinken.</p>
<p><strong>Gastfreundschaft in Deutschland</strong></p>
<p>Und auch in Deutschland haben wir eine tolle Gastfreundschaft erlebt. Von Freunden und Menschen, die wir bisher nicht kannten. So sind wir z.B. von &#8220;Fremden&#8221; auf der Strasse angesprochen, die uns eine Übernachtungsmöglichkeit angeboten haben. Danke an: Lena aus Paderborn, Boris aus Göttingen, Rene und Nadine aus Elxleben, Guido, Kaplan Bock und die Pfarrjugend aus Mühlhausen, Rici und Matthias aus Dresden, Lena aus Leipzig, Daniel und Kathrin aus Görlitz, Ulli und Anita in Letschin, Eva und Christina aus Berlin, Eckhart aus Lehnin, Marc aus Magdeburg, Tobias aus Braunschweig, Matze und Janina aus Hildesheim, Rosemarie aus Hannover, Familie Hegemann aus Hameln, Torsten aus Bielefeld und Maria aus Warendorf.</p>
<p><strong>Keine Unterstützung = Keine Radreise</strong></p>
<p>All diese Gastfreundschaft während der Radreise hätten wir nie  erlebt, wären wir nicht losgefahren. Das wir es überhaupt geschafft haben loszufahren und die Radreise durchzuführen, liegt an der Unterstüzung, die wir von ganz vielen Seiten ab dem Beginn der Planung der Radreise und bis heute erfahren haben: Danke!</p>
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		<title>Nach 295 Tagen: Wieder zu Hause!</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Jan 2010 13:06:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joern</dc:creator>
				<category><![CDATA[Etappe 13 Russland - Deutschland (Moskau - Münster)]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir sind wieder zu Hause! Am 28.03.09 sind wir von unseren Familien und Freunden auf dem Prinzipalmarkt in Münster verabschiedet worden. Nach 295 Tagen oder 13.000 km später (16.01.2010) wurden wir dort wieder von ihnen begrüßt &#8211; mit Schwarzbrotschnittchen und Sekt. Was ist es für eine Freude, soviele bekannte Gesichter wieder zu sehen! Denn bis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir sind wieder zu Hause! Am 28.03.09 sind<img class="alignright size-full wp-image-1336" title="Nach 295 Tagen oder 13.000 Km: Wiederankunft auf dem Prinzipalmarkt in Münster." src="http://ammanu.de/wp-content/uploads/2010/01/ankunft_3.bmp" alt="ankunft_3" width="272" height="215" /> wir von unseren Familien und Freunden auf dem Prinzipalmarkt in Münster verabschiedet worden. Nach 295 Tagen oder 13.000 km später (16.01.2010) wurden wir dort wieder von ihnen begrüßt &#8211; mit Schwarzbrotschnittchen und Sekt. Was ist es für eine Freude, soviele bekannte Gesichter wieder zu sehen! Denn bis auf unsere Eltern, bei denen wir auf dem Weg nach Münster zuvor schon Station gemacht hatten, und unseren Freundinnen, sehen wir auf dem Prinzipalmarkt viele unserer Verwandten und Freunde seit dem Tourstart zum ersten Mal wieder. Und einige unserer Verwandten lernen wir sogar erst mit der Wiederankunft kennen: Klaus seine Nichte Julia, die kurz vor dem Tourende geboren wurde (07.01.10) und Jörn seinen Neffen Emil, der kurz nach dem Tourstart (31.03.09) auf die Welt kam und mittlerweile schon erste Zähne hat&#8230;<span id="more-1307"></span></p>
<p><strong>Vorfreunde und Bundesstraßen</strong></p>
<p>Trotz der Vorfreunde auf das Wiedersehen können wir die letzten Tage auf dem Rad von der Abfahrt aus Berlin (06.01.10) bis zur Ankunft in Münster genießen. Es ist eine gemütliche Fahrt durch das winterliche und schneebedeckte Deutschland. Wer von uns hätte &#8211; angesichts der vergangenen Winter &#8211; gedacht, dass wir bei solchen Temperaturen und Schneemassen durch Deutschland fahren würden. Wie zuvor in Polen benutzen wir, gekleidet in gelben Warnwesten, auch in Deutschland vornehmlich die vom Schnee geräumten Bundesstraßen. Und zwar auch dann, wenn der Radweg an der Bundesstraße entlang nur unzureichenend geräumt ist &#8211; wie leider all zu oft. Einige Autofahren sehen das zwar anders, obwohl es unter dieser Voraussetzung rechtens ist (StVO Fahrradnovelle 1997) auf der Bundesstraße zu radeln&#8230;</p>
<p><strong>Gemütlichkeit und Gastfreundschaft</strong></p>
<p>Dabei machen verschiedene Dinge die Fahrt durch Deutschland so gemütlich: z.B. gibt es &#8211; verständlicherweise &#8211; keine Sprachbarriere mehr.  Zudem radeln wir im Schnitt pro Tag &#8220;nur&#8221; 60 km. Und vor allem wissen wir morgens immer, wo wir abends übernachten werden. Darum hatten wir uns bereits vor unserer Abfahrt in Berlin gekümmert. Und sind von Verwandten, Freunden und couchsurfern/hospitalityclubbern eingeladen worden. Doch auch ohne diese organisierten Einladungen hätten wir wohl immer spontan einen Schlafplatz finden können. Mehrfach wurden wir von &#8220;Fremden&#8221; auf der Straße angesprochen, die uns spontan eine Übernachtungsmöglichkeit anboten, wenn wir noch keine haben sollten&#8230;</p>
<p><strong>Kunst und Radfahren</strong></p>
<p>Nur für eine Übernachtung konnten wir von Berlin aus keinen kostenlosen Schlafplatz finden. Im von Berlin knapp 60 km entfernten Ort Lehnin. Hier wollten wir in einer Pension übernachten. Doch wieder einmal kam es anders. Im Dunkeln verpassen wir die Abzweigung zur Pension. Im Dämmerlicht einer Tankstelle sehen wir zufällig das Schild des &#8220;Insituts für Kunst und Handwerk e.V.&#8221;, wo wir spontan hinfahren und eingeladen werden, im Gästehaus zu übernachten. Schwerpunkt des Vereins ist die Vermittlung von Kunst und Kultur. Hierzu finden Kunstausstellung statt und es werden Kurse zur Kunst, wie z.B. Malkurse, angeboten. Neben uns ist zeitgleich eine Gruppe zum &#8220;Neujahrsmalen&#8221; im Gästehaus. Schnell kommen wir in Kontakt und tauschen uns aus: übers Malen und Radfahren, nehmen am Kinoabend teil und schauen vor der Abfahrt am nächsten Morgen im Atelier beim Malen über die Schulter&#8230;</p>
<p><strong>Schritt für Schritt</strong></p>
<p>Vom Ort Lehnin geht es dann weiter quer durch Deutschland &#8211; über Magdeburg, Braunschweig, Hildesheim, Hannover, Hameln und Bielefeld nach Glane und Saerbeck, unseren Heimatorten. Schon bei der Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn haben wir festgestellt, dass es eine sehr gute Idee war, mit dem Zug und dem Rad zurück nach Hause zu fahren, und nicht das Flugzeug zu nehmen. Denn für das, wofür wir knapp acht Monate brauchten, benötigt das Flugzeug etwas mehr als acht Stunden. Und das würde für uns zu einem zu abrupten Ende der Radreise führen &#8211; inklusive Kulturschock. Mit Zug und Rad entschleunigt sich der Prozess des Wiederkommens dagegen sehr. Ganz bewusst und &#8220;Schritt für Schritt&#8221; kommen wir auf diese Weise unserem Zuhause näher: Mit dem Zug reisen wir zuerst von Asien nach Europa und dann in die EU. Von dort auf dem Fahrrad nach Deutschland und etwas später nach Niedersachen und Nordrhein-Westfalen, bis wir, nachdem wir auch noch unsere (Land-) Kreise Osnabrück und Steinfurt durchfahren haben, zu Hause vor dem jeweiligen Elternhaus stehen. Die Rückreise hat fast 50 Tage gedauert&#8230;</p>
<p><strong>Aktion Kleiner Prinz und Warendorf</strong></p>
<p>Neben dem Ankommen bei unseren Eltern werden wir auch in Osnabrück begrüßt. Die Fachhochschule an der Jörn studiert, hat unter den Professoren und Studenten für die Aktion Kleiner Prinz Spenden gesammelt, die uns im Anschluss an ein Pressegespräch übergeben werden. Genau passend, denn wir sind auf dem Weg zur Aktion Kleiner Prinz nach Warendorf. Überaus herzlich werden wir dort von der 1. Vorsitzenden Maria Mussaeus, dem Vorstand und einigen Mitgliedern bei Glühwein und Bretzel empfangen bevor wir mit der Fahrt am nächsten Morgen von Warendorf nach Münster die letzte Tagesetappe der Radreise Münster &#8211; Wladiwostok beginnt. Pünktlich um 12.00 kommen wir beim bekannten Mittagsgeläut von St. Lamberti auf dem Prinzipalmarkt an&#8230;</p>
<p><strong>Ende und Ausblick<br />
</strong></p>
<p>Die Radreise ist zu Ende &#8211; zumindest der Teil der Radreise, den wir mit dem Fahrrad zurückgelegt haben. In unseren Köpfen aber wohl noch lange nicht. Für uns gilt es jetzt, sich einerseits wieder an den Alltag zu gewöhnen, andererseits dort aber auch nicht zu schnell wieder einzutauchen. Wir sollten versuchen, uns genügend Zeit und Ruhe zu nehmen, wieder anzukommen und die Radreise mit all ihren Erlebnissen nachzubereiten, zu reflektieren und zu resümieren (Es gibt also noch einen Bericht). Einen Gneralplan gibt es für all das sicherlich nicht. Mal sehen, wie wir das hinbekommen. Aber egal, es ist schön wieder zu Hause angekommen zu sein &#8211; und zwar so wie wir losgefahren sind: gesund und als gute Freunde&#8230;</p>
<p><strong>Reisestatisik</strong></p>
<p>06.01 Berlin &#8211; Kloster Lehnin: 62 km</p>
<p>07.01 Kloster Lehnin &#8211; Magdeburg: 111 km</p>
<p>08.01 Magdeburg &#8211; Braunschweig: 91 km</p>
<p>09.01 Braunschweig &#8211; Hildesheim: 47 km</p>
<p>10.01 Hildesheim &#8211; Hannover: 39 km</p>
<p>11.01 Hannover &#8211; Hameln: 59 km</p>
<p>12.01 Hameln &#8211; Bielefeld: 84 km</p>
<p>13.01 Bielefeld &#8211; Glane: 42 km</p>
<p>14.01 Glane &#8211; Saerbeck: 58 km</p>
<p>15.01 Saerbeck &#8211; Warendorf: 49 km</p>
<p>16.01 Warendorf &#8211; Münster: 32 km</p>
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		<title>Startpunkt = Zielpunkt.</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Jan 2010 20:55:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joern</dc:creator>
				<category><![CDATA[Etappe 13 Russland - Deutschland (Moskau - Münster)]]></category>

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		<description><![CDATA[
Am 28. März 2009 sind wir mittags um 12.00 Uhr vom Prinzipalmarkt in Münster mit dem Rad gestartet. Nach knapp 10 Monaten und 13.000 km auf dem Rad werden wir am 16. Januar 2010 zurück in Münster sein &#8211; wieder mittags um 12.00 Uhr und wieder auf dem Prinzipalmarkt. Startpunkt = Zielpunkt. Und danach geht&#8217;s [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1300" title="...durch die Suppe zurück in die Heimat." src="http://ammanu.de/wp-content/uploads/2010/01/VonBraunschweiglos.png" alt="VonBraunschweiglos" width="540" height="212" /></p>
<p>Am 28. März 2009 sind wir mittags um 12.00 Uhr vom Prinzipalmarkt in Münster mit dem Rad gestartet. Nach knapp 10 Monaten und 13.000 km auf dem Rad werden wir am 16. Januar 2010 zurück in Münster sein &#8211; wieder mittags um 12.00 Uhr und wieder auf dem Prinzipalmarkt. Startpunkt = Zielpunkt. Und danach geht&#8217;s ab in Rick&#8217;s Cafe (Aegidiistr. 56)&#8230;</p>
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		<title>Moskau &#8211; Münster. Die letzte Etappe.</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jan 2010 13:53:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joern</dc:creator>
				<category><![CDATA[Etappe 13 Russland - Deutschland (Moskau - Münster)]]></category>

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		<description><![CDATA[Die letzte Etappe der Radreise hat begonnen: Moskau &#8211; Münster. Und obwohl die bisherigen Erlebnisse dieser Etappe von Moskau bis Berlin, wie der Besuch der münsterschen Partnerstadt Rjasan (RUS) oder die Tage des Weihnachtsfestes in Poznan (POL), für uns nochmal ganz besonders waren, ist die Freude auf Zuhause stärker als der Wehmut über das baldige [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die letzte Etappe der Radreise hat begonnen: Moskau &#8211; Münster. Und obwohl die bisherigen Erlebnisse dieser<img class="alignright size-medium wp-image-1281" title="58 km vor der Grenze zu Deutschland. 144 km vor Berlin." src="http://ammanu.de/wp-content/uploads/2010/01/IMG_5056-300x225.jpg" alt="IMG_5056" width="300" height="225" /> Etappe von Moskau bis Berlin, wie der Besuch der münsterschen Partnerstadt Rjasan (RUS) oder die Tage des Weihnachtsfestes in Poznan (POL), für uns nochmal ganz besonders waren, ist die Freude auf Zuhause stärker als der Wehmut über das baldige Ende der Radreise &#8211; allerspätestens seit dem Augenblick, als wir nach drei (Eva und Joern) bzw. zwölf (Kathrin und Klaus) Monaten unsere Freundinnen wiedersehen. Sie waren aus Münster mit dem Zug nach Berlin gereist. Wir mit dem Rad ab Warschau nach Berlin geradelt.Das wir erst ab Warschau wieder auf&#8217;s Rad gestiegen sind, und nicht wir ursprünglich geplant schon ab Moskau, war auch dahingehend die richtige Entscheidung, als dass wir am Tag unserer Zugfahrt von Moskau nach Warschau nicht haetten radeln koennen oder wollen &#8211; denn das Thermometer zeigte minus 27 Grad an&#8230;</p>
<p><span id="more-1253"></span></p>
<p><strong>Minusgrade und Nasenhaare</strong></p>
<p>Auch für die Region rund um Moskau &#8211; damit auch für Rjasan, das 200 km südöstlich von Moskau liegt, und das wir 6 Tage besuchen (11. &#8211; 16.12) &#8211; sind solche Temperaturen im Dezember außergewöhnlich niedrig. Keiner von uns beiden hatte schon einmal so eine Kälte erlebt. Nur ein Beispiel: Bei solchen Temperaturen gefrieren die Nasenhaare schnell zu festen Borsten, die dann in der Nase kitzeln&#8230;</p>
<p><strong>Münster und Rjasan</strong></p>
<p>Für uns sind die  Tage in Rjasan sehr kurzweilig. Parallel zu unserem Aufenthalt besucht anlässlich der 20 jährigen Städtepartnerschaft eine offizielle münsteraner Delegation unter Leitung der Bürgermeisterin Frau Vilhjalmsson Rjasan. Bei verschiedenen Programmpunkten, wie den Besuch einer rjasaner Schule, der Besichtigung einer Schuhfabrik oder der Teilnahme am offiziellen Festakt,  können wir die fünf Münsteraner begleiten. Daneben nehmen wir mehrmals an Germanistik Vorlesungen der Universität teil, um z.B. von der Radreise zu berichten&#8230;</p>
<p><strong>Sprache und Gastfreundschaft</strong></p>
<p>Oder wir treffen uns mit Frau Ossetrowa. Zu ihr hatten wir schon vor dem Start der Radreise Kontakt aufgenommen. Olga Ossetrowa ist die Leiterin des Sozialen Fonds, einem Zentrum in Rjasan, das u.a. durch Spendengelder aus Münster ambulante Pflege für Kranke oder Förderstunden für Kinder anbieten kann <a href="http://www.foerderverein-muenster-rjasan.de/" target="_blank">(www.foerderverein-muenster-rjasan.de)</a>. Olga hat sich &#8211; neben vielen anderen Dingen -  auch um unsere Übernachtungsmöglichkeit bei Tanja und Andrej gekümmert. Und da neben Olga auch Tanja und Andrej Deutsch sprechen, und wir das mit den Münsteranern und ebenso mit den Germanistik Studenten sowieso tun,  haben wir zusammen mit all der Gastfreundschaft die uns überall entgegengebracht wird, fast das Gefühl, wir wären schon wieder zuhause &#8211; nur eben, dass mit minus 27 Grad die Temperaturen noch nicht ganz so sind wie zuhause&#8230;</p>
<p><strong>Radreise und Weihnachten</strong></p>
<p>Mehrmals werden wir bei unserem Besuch in Rjasan gefragt, wo wir Weihnachten feiern werden. Es ist gar nicht so einfach die Frage klar zu beantworten. Aufgrund unserer Streckenplanung wissen wir zwar, dass wir Heilig Abend irgendwo in der Gegend um Poznan (POL) sind. Da wir jedoch niemanden in der Gegend kennen, wissen wir auch nicht, wie wir Weihnachten feiern werden. Zwar hatten wir gehofft, dass sich in Poznan vielleicht noch irgendetwas ergeben würde, uns ehrlich gesagt aber schon mit einem Hl. Abend in einem Hotelzimmer abgefunden.  Das unsere Weihnachtsgeschichte  schon in Rjasan anfängt, damit hätten wir nicht gerechnet. Denn als Frau Mirwa, eine der Delegationsteilnehmerinnen aus Münster, von unserem &#8220;Problem&#8221; erfährt, verspricht sie uns noch in Rjasan einen Hl. Abend für uns in Poznan zu organisieren&#8230;</p>
<p><strong>Akkuschrauber und Zigaretten</strong></p>
<p>Bereits vor unserem Besuch von Rjasan hatten wir uns um die Zugfahrkarten von Moskau nach Warschau gekümmert. Am  selben Tag, an dem die Münsteraner von Moskau aus zurückfliegen, fahren wir mit dem Zug vom so genannten Kiewer Bahnhof  von Moskau mit Umstieg in Kiew nach Warschau (16. &#8211; 18.12). Wir überfahren mit dem Zug also die Grenze von Russland zur Ukraine und von der Ukraine nach Polen, die gleichzeitig die EU &#8211; Außengrenze ist. Wahrscheinlich wird aus diesem Grund der halbe Zug von polnischen Zollbeamten mit Akkuschraubern bewaffnet auseinandergenommen &#8211; zum Vorschein kommen unzählige Stangen Zigaretten, die natürlich niemandem gehören&#8230;</p>
<p><strong>Drehgestell und Umspurung</strong></p>
<p>Bereits vor den Kontrollen der Grenzbeamten wurde unser Zug, in dem wir mit den Fahrrädern in einem kleinen dreier Abteil reisen, und wo wir die Räder gerade so eben verstauen können, &#8220;umgespurt&#8221;. Denn der Abstand zwischen den Schienenstränge &#8211; die Spurweite &#8211; unterscheidet sich zwischen den Ländern der GUS Staaten von denen in Europa. Einfach ausgedrückt: die Achsbreite des russischen Waggons ist zu groß für das Schienenbett in Europa. Ungefähr eineinhalb Stunden dauert die Umspurrung des gesamten Zuges. Jeder einzelne Waggon bzw. der Wagenkasten des Waggons wird angehoben um so den Austausch des Drehgestells, wie die Eisenbahner die Achsen nennen, durchführen zu können&#8230;</p>
<p><strong>Fahrrad und Gepäck</strong></p>
<p>Um 01.oo morgens erreichen wir den Hauptbahnhof von Warschau (18.12). Direkt am überdachten Gleis, schrauben wir die Fahrräder zusammen. Das dauert zwar seine Zeit &#8211; gegen 04.00 liegen wir in den Betten des Hostels &#8211; hat aber den Vorteil, dass wir unser Gepäck nicht bis zum ca. 2 km entfernten Hostel tragen müssen. Das hätte auch nicht wirklich Spass gemacht, denn zum einen wiegen Rad und Gepäck ca. 50 kg, und zum anderen ist alles so sperrig und unhandlich zu tragen, dass wir alle 50 m eine Pause einlegen müssten. Mehrmals hatten wir während unserer Rückreise ab Wladiwostok unser Gepäck und die Räder tragen müssen &#8211; und wenn uns jemand fragen würde, was das anstrengenste auf der Radreise war, dann würden wir wohl anworten: Das Tragen von Rad und Gepäck&#8230;</p>
<p><strong>Warschau und Altstadt</strong></p>
<p>Für uns beide ist es der erste Besuch in Warschau (18. &#8211; 20.12). Wir erkunden die schöne Altstadt, die nach der Zerstörung im zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut worden ist. Heute zählt sie zum UNESCO Weltkulturerbe. Wir besuchen das Museum des Warschauer Aufstandes, das an den größte Wiederstand gegen das Naziregiem in von Deutschland besetzten Gebieten während des zweiten Weltkrieges erinnert. Fast 200.000 polnische Soldaten und Zivilisten kamen bei dem 63 Tage dauernden Aufstand ums Leben. Als Repressalie wurden große Teile Warschaus planmäßig gesprengt und die überlebende Bevölkerung deportiert&#8230;</p>
<p><strong>Weihnachten und Hotelzimmer</strong></p>
<p>Bevor wir uns bei Minustemperaturen wieder auf&#8217;s Rad in Richtung Berlin schwingen, erhalten wir von Frau Mirwa die Nachricht, dass wir Weihnachten im Dominikaner &#8211; Kloster in Poznan willkommen sind, und dort zusammen mit den Mönchen die Weihnachtstage verbringen können. Was für eine gute Nachricht. Und damit zum Glück kein Weihnachten im Hotelzimmer!</p>
<p><strong>Weiterfahrt und Mantelriss</strong></p>
<p>Die Nebenstrassen sind so stark schneebedeckt, dass wir auf ihnen nicht fahren können. Widerwillig entscheiden wir uns für die Hauptstraßen, die in etwa den Bundesstraßen in Deutschland entsprechen &#8211; nur in der Regel ohne separaten Radweg. Für uns völlig ungewohnt haben wir nach ca. 10 km das erste technische Problem &#8211; Jörn hat einen Platten. Und nicht nur das,  der Mantel ist gerissen. Ersatzmäntel haben wir nicht mehr. Jeder von uns hat nach ungefähr 6000 km seine Mäntel wechseln müssen. Hierfür hatten wir jeder zwei Ersatz-Faltmäntel dabei. Was nun&#8230;</p>
<p><strong>26 x 2.0 und Hot Dog</strong></p>
<p>Wieder einmal haben wir Glück. Keine 500 m von uns entfernt ist ein grosser Supermarkt &#8211; und manchmal führen die in ihrem Sortiment auch Fahrradzubehör. Während Jörn also vor dem Eingang des Supermarktes das Hinterrad ausbaut, schaut Klaus im Supermarkt, ob es vielleicht einen passenden Fahrradmantel mit den Maßen &#8220;26 x 2.0&#8243; zu kaufen gibt. Der Supermarkt hat nur einen Mantel im Angebot &#8211; seine Maße: 26 x 2.0&#8230;Und während wir den Mantel auf die Felge ziehen, spricht uns ein Pole mit den Worten &#8220;Merry Christmas!&#8221; an und schenkt jedem von uns einen Hot Dog! Und bevor wir uns wirklich bedanken können ist der junge Mann auch schon wieder weg&#8230;</p>
<p><strong>Schneematsch und Streusalz</strong></p>
<p>Trotz all der glücklichen Umstände macht die Weiterfahrt nicht wirklich Spass. Es ist, wie man es kennt:  Durch das Streusalz ist der Schnee auf den Strassen geschmolzen und der Schneematsch hängt überall am Fahrrad.  Fette LKW fahren dicht an uns vorbei. Durch deren Spritzwasser ist unsere Kleidung total verschmutzt und voller Streusalzablagerungen. Immer wieder schneit es kurzzeitig recht heftig &#8211; natürlich kommt der Schnee dann auch noch von vorne. Zudem ist heute der kürzeste Tag des Jahres. So ist es schon stockdunkel als wir unsere Unterkunft, eine LKW Raste, erreichen. Wir sind total fertig. Anscheinend müssen wir uns wieder einmal an das Radfahren gewöhnen. Da sind wir froh, dass Poznan nur drei Tagesfahrten entfernt liegt&#8230;</p>
<p><strong>Poznan und Lubon</strong></p>
<p>Zwar kommen wir ohne Probleme nach Poznan (23.12), aber zum Kloster dann doch nicht ganz so einfach: Knappe 10 km vor der Kosciuszki 99, die Strasse, in der das Kloster liegt, hat auch Klaus einen Mantelriss. Wieder haben wir keinen Ersatzmantel dabei. Und diesmal ist kein Supermarkt in der Nähe. Wir schieben zur nächsten Tankstelle und telefonieren erstmal mit Frau Mirwa, damit sie die Mönche von unserer verspäteten Ankunft informieren kann. Da sie aber auch fließend polnisch spricht geben wir den Hörer mit den Worten: &#8220;It &#8217;s for you&#8221; (&#8220;Es ist für Dich&#8221;) an einen jungen Mann weiter, der zufällig neben dem Kaffee-Automaten steht. Nachdem er aufgelegt hat, kümmert er sich um alles weitere. Ein paar Sekunden später haben wir zur Orientierung einen Stadtplan, sodass Jörn mit dem Rad weiterfahren kann. Und Klaus sitzt im Taxi auf dem Weg zum Kloster, Gepäck und Rad im Kofferraum verstaut. Scheinbar alles gut&#8230; Nur leider fahren wir zur falschen Kosciuszki 99. Denn zum einen gibt es diese Straße in der Innenstadt von Poznan und zum anderen in der direkt an Poznan angrenzenden Ortschaft Lubon, die durch ihre Nähe zur Stadt für uns eben wie ein Stadtteil von Poznan aussieht. Ne Stunde später ist dann aber wirklich alles gut&#8230;</p>
<p><strong>Dominikaner-Kloster und Einzelzimmer</strong></p>
<p>Im Kloster werden wir von Pater Jozef begrüßt. Er hat zuvor 20 Jahre im polnischen Kloster der Dominikaner in München gelebt und spricht daher fließend deutsch. Und als er uns unsere Zimmer im Gästehaus zeigt, ist das schon unser erstes Weihnachtsgeschenk: Einzelzimmer! Denn seit unserem Start im März 2009 hat jeder von uns bisher nur einmal alleine übernachtet. Das war mitten in der Steppe von Kasachstan, als wir von Mitarbeitern einer Ölbohrfirma zur Übernachtung auf dem Betriebsgelände eingeladen worden sind und ebenfalls Einzelzimmer hatten&#8230;</p>
<p><strong>Tannebaum und Weihnachtsstimmung</strong></p>
<p>Der Prior des Kloster, Pater Jakub, empfängt uns, als wir zusammen mit Pater Jozef im Refektorium, dem Speiseraum, zu Abend essen, mit den für Polen typischen Worten der Gastfreundschaft: &#8220;Gast im Haus &#8211; Gott im Haus&#8221;. Und als wir im Anschluss an das Abendbrot noch beim Schmücken des Tannenbaumes mithelfen können, kommt auch für uns das erste Mal Weihnachtsstimmung auf&#8230;</p>
<p><strong>Hl. Abend und Weihnachtswünsche</strong></p>
<p>Den Hl. Abend verbringen wir zusammen mit den 21 Mönchen im Refektorium. Nach einer kurzen Ansprache des Priors und dem gemeinsamen Beten des Vaterunsers, werden Weihnachtswünsche ausgetauscht. Auch das hat in Polen eine lange Tradition: Jeder bekommt eine große Oblate. Bevor der Weihnachtswunsch mit anschließender Umarmung ausgetauscht wird, bricht man sich gegenseitig ein Stück aus der Oblate des anderen heraus und ißt es.</p>
<p><strong>Weihnachtsessen und Pasterka</strong></p>
<p>Etwas später serviert der Prior zusammen mit anderen Mönchen das Weihnachtsessen. Neben der typischen roten Beete Suppe mit Maultaschen gibt es eingelegten Fisch, Sauerkraut mit Pilzen, warm angemachte Karotten, gebratenen Fisch und zum Nachtisch eine Mohn-Süßspeise. Und um letzte Vorbereitungen für die ab Mitternacht in der Klosterkirche gefeierte Pasterka, wie die Christmette in Polen genannt wird, zu treffen, endet das Essen frühzeitig. Doch egal, denn für uns war es ein schöner und besonderer Hl. Abend, der mit dem Besuch der Pasterka seinen Abschluss findet&#8230;</p>
<p><strong>Weiterfahrt und Wiedersehen</strong></p>
<p>Bereits am 1. Weihnachtstag (25.12) fahren wir gegen Mittag weiter. Mittlerweile hat Tauwetter eingesetzt. Die Straßen sind naß. Es regnet immer mal wieder. Das ganze bei ungefähr plus 2 Grad. Kein tolles Radfahrwetter. Wir kommen dennoch gut voran. Denn bei einer Pause kühlen wir nur aus und frieren. Dann geht alles gefühlt doch sehr schnell. Zwei Tage später erreichen wir die Grenze zwischen Polen und Deutschland. In Kostrzyn nad Odra fahren wir an den leeren Grenzgebäuden vorbei über die Oderbrücke und sind ruck-zuck zurück in Deutschland. Bis Berlin sind es jetzt nur noch 80 km. Und so sind wir vier Tage vor Sylvester am Berliner Hauptbahnhof und sehen endlich unsere Freundinnen wieder&#8230;</p>
<p><strong>Reisestatistik</strong></p>
<p>13.12 Aufenthalt in Rjasan</p>
<p>14.12 Aufenthalt in Rjasan</p>
<p>15.12 Aufenthalt in Rjasan</p>
<p>16.12 Autofahrt von Rjasan nach Moskau / Abfahrt Moskau mit dem Zug</p>
<p>17.12 Zugfahrt Moskau &#8211; Kiew &#8211; Warschau</p>
<p>18.12 Ankunft Warschau mit dem Zug</p>
<p>19.12 Aufenthalt in Warschau</p>
<p>20.12 Aufenthalt in Warschau</p>
<p>21.12 Warschau &#8211; Lowicz: 88 km</p>
<p>22.12 Lowicz &#8211; Konin: 133 km</p>
<p>23.12 Konin &#8211; Poznan: 105 km</p>
<p>24.12 Hl. Abend</p>
<p>25.12 Poznan &#8211; Pniewy: 48 km</p>
<p>26.12 Pniewy &#8211; Slonsk: 113 km</p>
<p>27.12 Slonsk &#8211; Vogelsberg: 109 km</p>
<p>28.12 Vogelsberg &#8211; Berlin: 30 km</p>
<p>29.12.09 &#8211; 05.01.10 Aufenthalt in Berlin</p>
<p>06.01 Weiterfahrt in Richtung Münster</p>
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		<title>Transsibirische Eisenbahn &#8211; Abenteuer oder Langeweile?!</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Dec 2009 10:32:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joern</dc:creator>
				<category><![CDATA[Etappe 12 Russland (Wladiwostok - Moskau)]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Langsames Transportmittel von A nach B&#8221; oder &#8220;faszinierendes Abenteuer auf der Schiene&#8221;. Wie ein jeder die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn empfindet liegt wohl immer irgendwo zwischen diesen beiden Extremen&#8230;ganz davon abhaengig wie ein jeder sich auf die Reise einlaesst.  Ist z.B. der Weg das Ziel oder doch eher das Ziel das Ziel?! Fuer uns [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Langsames Transportmittel von A nach B&#8221; oder &#8220;faszinierendes Abenteuer auf der Schiene&#8221;. Wie ein jeder die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn empfindet liegt wohl immer irgendwo zwischen <img class="alignright size-medium wp-image-1217" title="Winterliche Eisenbahnromantik - Zugfenster der Transsib von Wladiwostok nach Irkutsk" src="http://ammanu.de/wp-content/uploads/2009/12/IMG_5054-300x225.jpg" alt="Winterliche Eisenbahnromantik" width="300" height="225" />diesen beiden Extremen&#8230;ganz davon abhaengig wie ein jeder sich auf die Reise einlaesst.  Ist z.B. der Weg das Ziel oder doch eher das Ziel das Ziel?! Fuer uns war es eine Mischung aus beiden, als wir in Wladiwostok in den Zug Nr 133 auf der laengste Eisenbahntrasse (9288km) der Welt einsteigen (27.11) . Zu einem wollen wir uns langsam zurueck in Richtung Europa bewegen &#8211; denn nachdem wir 8 Monate mit dem Rad nach Osten gefahren sind, um unser Ziel zu erreichen, wollen wir nicht nur 8 Stunden mit dem Flugzeug nach Westen fliegen, um &#8211; schwupps - wieder zu Hause zu sein. Der Weg ist also das Ziel! Zum anderen ist es aber auch so, dass mit der Abfahrt aus Wladiwostok &#8211; trotz Zwischenstationen in Irkutsk, Moskau, Rjasan, Warschau und noch 1000 auf dem Rad zurueckzulegende Kilometer &#8211; unsere Heimreise beginnt. Und bei einer Heimreise ist das Ziel immer das Ziel&#8230;!<span id="more-1206"></span></p>
<p><strong>Wladiwostok und Pastor Brockmann</strong></p>
<p>Bevor wir uns jedoch auf den ersten Teil unserer Heimreise machen, mit dem Zug nach Irkutsk, bleiben wir 10 Tage in Wladiwostok. Mehrmals treffen wir in diesen Tagen Manfred Brockmann, Pastor an der ev. Pauluskirche in Wladiwostok und Probst der Lutherischen Gemeinden im Russischen Fernen Osten. Schon vor Beginn der Radreise hatten wir ueber Herrn Schroeder von Starwind Reisen den Kontakt zu Manfred hergestellt. Er wohnt seit ueber 15 Jahren hier und hat nach dem Zerfall der Sowjetunion die evangelische Kirchengemeinde in Wladiwostok wiederaufgebaut &#8211; die bereits 1877 gegruendet wurde und zu der, mit der schoenen Pauluskirche aus dem Jahr 1907, die aelteste Kirche Wladiwostoks gehoert. Waehrend der Sowjet-Zeit wurde die Kirche, wie  in dieser Zeit ueblich, zweckentfremdet und als Museum der Pazifikflotte genutzt. Seit 1997 finden in ihr wieder regelmaessig Gottesdienste statt. Vieles von der Geschichte Wladiwostoks und den Lutheranern in Russland - so lebten vor dem 1.Weltkrieg 3,6 Millionen Lutheraner, vorallem Deutsche, aber aber auch Esten oder Finnen in Russland &#8211; erfahren wir von Manfred. Und da er uns auch mehrere Exemplaere der Moskauer Deutschen Zeitung schenkt, bekommen wir zudem einen Ueberblick von der gegenwaertigen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Russland&#8230; </p>
<p><strong>Lebensstandard und Studentenbude</strong></p>
<p>Uebernachten koennen wir beispielsweise waehrend der 10 Tage in Wladiwostok bei Anatoly &#8211; einem couchsurfer. Er ist Ingenieur fuer Elektrotechnik (Ph.D.), arbeitet in der Forschung fuer Medizintechnik und wohnt  im 11 Stock eines typischen Wohnblocks aus der Sowjetzeit etwas ausserhalb des Zentrums von Wladiwostok. Seine Wohnung ist nicht gerade das, was sich ein alleinstehender Ingenieur in Deutschland leisten koennte &#8211; es ist weit darunter. Das Treppenhaus sieht heruntergekommen aus und ist in einem seltsamen Blauton gestrichen. Die Haupteingangstuer schliesst nicht. Mehrmals uebernachtet ein Wohnungsloser im Flur vom 11. Stock. Von den beiden Aufzuegen funktioniert der eine ueberhaupt nicht und der andere nur unzuverlaessig. Und die Wohnung von Anatoly kann von Groesse und  Zuschnitt evtl. mit einer mittelmaessigen Studentenbude mithalten: Zwei Zimmer, Kueche/Bad/WC &#8211; auf ca. 35 qm. Sicherlich verdient Anatoly besser als viele andere, und sein Lebensstandard ist, verglichen mit vielen anderen Russen nicht der schlechteste &#8211; er entspricht aber nicht dem, was wir in Deutschland gewohnt sind&#8230;</p>
<p><strong>Couchsurfing und Wohngemeinschaft</strong></p>
<p>Mit jedem Tag, den wir laenger bei Anatoly wohnen, entwickelt sich das couchsurfing immer mehr zu einer Wohngemeinschaft. Wenn Anatoly morgens zu Arbeit geht, hat er fur uns schon einen Kaffee gekocht, wenn er abends von der Arbeit zurueck kommt, steht das Essen auf dem Tisch&#8230;Und da Anatoly das Aufraeumen nicht erfunden hat, putzen wir sogar einen Sonntag zusammen die Wohnung&#8230;Zuvor hat er uns Wladiwostok gezeigt &#8211; von verschiedenen Huegeln aus, kann man die Stadt ueberblicken. Gelegen auf einer sich ueber mehreren Landzungen ersteckende Huegelkette am Japanischen Meer, mit direktem Zugang zum Pazifischen Ozean, ist die Lage von Wladiwostok wunderschoen. Jedoch ist die Stadt abgesehen von verschiedenen Kleinoden wie die Gruenderzeitvillen im Innenstadtbereich oder angenehmen Parkanlagen eine hoffnungslos im Verkehrschaos versinkende Stadt. Die Stadtplaner aus dem vorletzten Jahrhundert haben niemals mit soviel Autoverkehr rechnen koennen, wie sich heute ueber die Strassen quaelt&#8230;</p>
<p><strong>Gepaeckwagen und Fahraeder</strong></p>
<p>Zusammen mit Anatoly ist der Kauf der Fahrkarten fuer die Transsibirische Eisenbahn nahezu problemlos. Schade nur, dass unsere Zuege keinen Gepaeckwagen haben. Wie einfach oder wie kompliziert es sein wird, die Raeder mit in den Zug nehmen zu koennen, haengt somit von dem Stauraum im Zugabteil und von der Laune des Zugbeleiters ab. Um alles so einfach wie moeglich zu machen, demontieren wir unsere Fahrraeder, schrauben den Lenker, das Vorder- und Hinterrad und das vordere Schutzblech ab und befestigen alles mit Klebeband seitlich an den Rahmen. Die Fahrraeder werden dadurch um einiges kompakter. Und es hat sich gelohnt. Von Wladiwostok nach Irkutskt reisen wir in einem Grossraumabteil. Jeweils 6 Schlafmoeglichkeiten oder besser Pritschen bilden eine Einheit. Vier davon befinden sich in einem zum Gang hin offenen Abteil. Die anderen zwei sind auf der andere Seite des Gangs und parallel zu diesem montiert. Und unsere Fahrraeder koennen wir quer auf der Ablage ueber den Pritschen im offenen Viererabteil dank ihrer kompakten Masse (Die Tastatur vor mir hat kein &#8220;SZ&#8221;) gut verstauen&#8230;</p>
<p><strong>Grossraumabteil und Vodka-Trick</strong></p>
<p>Fuer die Fahrt von Wladiwsotok nach Irkutskt &#8211; genau 4106 km - benoetigt die Transsibirische Eisenbahn etwas mehr als drei ganze Tage. Wir starten gut vorbereitet: 3 Brote, Butter, Kaese, Wurst, Kaffee, Tee und Aepfel haben wir im Gepaeck. Natuerlich ist vieles auch im Zug oder auf den Bahnhoefen zu kaufen, aber auch wie ueblich dementsprechend teurer. Zudem hat sich jeder von uns noch ein Buch extra fuer die Fahrt &#8220;aufgehoben&#8221; und noch nicht gelesen &#8211; denn drei Tage nur aus dem Fenster zu gucken geht auch nicht&#8230;Die Fahrt im Grossraumabteil, zusammen mit 52 Mitreisenden ist fuer uns sehr angenehm. Beim Gang durch die anderen Grossraumabteile faellt uns aber auf, dass wir zufaelliger Weise einen Platz in einem Waggon haben, in dem viele nur ein kurze Stueck &#8211; einen Tag oder so &#8211; mitreisen. Wer nur ein kurzes Stueck mitfaehrt, richtet sich scheinbar nicht so wohnlich ein. Einige Reisende spannen z.B. in den anderen Waggons ein Betttuch, um die zum Gang hin offene Seite des Vierabteils zumindest etwas zu verschliessen. Das Grossraumabteil wirkt dadurch wesentlich gedrungener und alles viel enger. Andere Reisende verkuerzen sich die Fahrt dadurch, dass sie die eine oder andere Flasche Vodka verhaften - vielleicht mit dem Plan, an einem Tag soviel zu trinken, um dann zwei Tage schlafen zu koennen, damit die Reise gefuehlt nur einen Tag lang war.Und wenn man da keine Lust hast, den einen oderen andere Vodka mitzutrinken, kann das Reisen im Grossraumabteil schon anstrengend sein&#8230;</p>
<p><strong>Kohlefeuerung und Biotoilette</strong></p>
<p>So gesehen haben wir also Glueck. Recht haeufig wechseln die Mitreisenden, die mit uns im offenen Vierabteil sind. Sie alle richten sich wenig wohnlich ein und wollen auch nicht ihre gefuehlte Fahrzeit mit dem &#8220;Vodka-Trick&#8221; verkuerzen. Die Fahrt von Wladiwostok nach Irkutsk ist fuer uns daher reine Entspannung. Wir denken nochmal darueber nach, was eine Reise mit der Transsibirisichen Eisenbahn eigentlich ist: &#8220;Transportmoeglichkeit von A nach B&#8221; oder &#8220;faszinierendes Abenteuer auf der Schiene&#8221;. Fuer viele Russen, die hier wohnen, und schon mehrmals mit dem Zug gefahren sind, ist es sicherlich nur eine &#8220;Transportmoeglichkeit von A nach B&#8221;. Und obwohl unsere Fahrt in einem wahrscheinlich ca. 30 bis 40 Jahren alten Waggon, mit holzgerahmten Fenstern, die auch schon mal auf der Innenseite mit einer Eissschicht ueberzogen sind, einer kohlebefeuerter Heizung in jedem Waggon fuer die an den Bahnhoefen Kohlenachschub geliefert wird oder einer Biotoilette mit direkt Entsorung im Gleisbett etwas archaisches hat, ist die Fahrt fuer uns kein &#8220;faszinierendes Abenteuer auf der Schiene&#8221;. Vielleicht sind wir dafuer, obwohl wir auch in Deutschland gerne mit dem Zug reisen, noch zu wenig zugbegeistert&#8230;</p>
<p><strong>Urlaub und Entspannung</strong></p>
<p>Fuer uns ist die Fahrt aber auch keine reine &#8220;Transportmoeglichkeit von A nach B&#8221;. Vielmehr erscheint uns eine so lange Fahrt als die perfekte Moeglichkeit zur Entspannung: Lesen, Schlafen, Essen, sich unterhalten, Karten spielen oder aus dem Fenster schauen. Das ist es, was man drei oder mehr Tage lang macht &#8211; und zwar alternativlos, weil es keine andere Moeglichkeit gibt. Man kann sich nicht von anderen Dingen ablenken lassen &#8211; es gibt sie einfach nicht. Uns kommt daher die Idee, dass eine lange Zugreise von mehr als zwei Tagen vielleicht die beste Moeglichkeit ist, um einen Urlaub zu beginnen. Denn sitzt man erstmal im Zug, faellt aller Stress von einem ab. Der Urlaub beginnt im Zug, und nicht erst in dem Augenblick, wenn man seinen Urlaubsort erreicht hat, und zwei Tage dafuer benoetigt, um vom beruflichen Alltag abzuschalten&#8230;</p>
<p><strong>Zeitzonen und Biorhythmus</strong></p>
<p>Ganz spannend ist, dass wir wahrend der Tage im Zug unser Zeitgefuehl verlieren. Einerseits haengt das sicherlich damit zusammen, dass wir &#8220;in den Tag hineinleben&#8221;. Andererseits aber auch damit, dass wir mehrere Zeitzonen durchfahren.  Da wir nach Westen unterwegs sind, werden die Tage laenger fuer uns. Unser Koerper scheint sich in dieser Konfusion an das Natuerlichste zu orientieren was es gibt: den Sonnenauf- und Untergang&#8230;</p>
<p><strong>Kiefern und Birken</strong></p>
<p>Die Landschaft auf den ersten 4000 km ist wenig abwechslungsreich. Hauptsaechlich durchfahren wir die suedlichen Auslaeufer der Taiga, die meistens flach ist. Verstaendlicherweise verlaeuft die Schienentrasse wo immer es geht auf flachen Abschnitten.  Der fuer die weiter noerdlich gelegenen zentrale Taiga typische boreale Nadelwald aus Kiefern, Tanne und Laerche ist entlang der Schienentrasse oftmals starkt mit Birken durchsetzt. Durchgehend liegt etwas Schnee und die Aussentemperaturen variieren zwischen ca. -5 und - 15 Grad. Doch da es sich aufgrund des Kontinentalklimas um eine trockene Kaelte handelt, kann man an den einzelnen Haltepunkten an den Bahnhoefen fuer eine kurze Zeit auch &#8220;eher leicht bekleidet&#8221; den Zug verlassen, sich etwas umschauen und ein paar Photos machen&#8230;</p>
<p><strong>Irkutskt und Hostel</strong></p>
<p>Irkutsk erreichen wir um 01.00 nachts. Die Raeder lassen wir in der Gepaeckaufbewahrung des Bahnhofs und uebernachten fuer vier Naechte in einem Hostel. Dafuer, dass wir schon seit ueber 8 Monaten unterwegs sind, haben wir auf unserer Reise verhaeltnismaessig wenig andere Reisende aus Europa, Amerika oder Australien getroffen &#8211; was auch damit zusammenhaengt, dass wir uns bisher selten in Hostels aufgehalten haben (Im Gegensatz zu einem Hotel, ist das Hostel eine preiswerte Unterkunft, da man i.d.R. in 8- oder 10-Bett Zimmer uebernachtet und sich eine Dusche und Toilette teilt. Daher treffen sich hier eher juengere Rucksackreisende, die eine guenstige Unterkunft suchen). Das aendert sich ab den Tagen in Irkutskt. Im Hostel treffen wir, obwohl Nebensaison ist, auf andere Reisende aus Frankreich, Canada und Neuseeland. Und zu unserer Ueberraschung ist Joern mit seinen 30 Jahren dabei der Juengste von allen&#8230;Wir uebernachten in einem Zimmer zusammen mit Fatima, einer Franzoesin algerischer Abstammung, die seit 3 Monaten herumreist. Sie ist 45 Jahre. Sowie mit Pierre und Trever, zwei Canadier, die mehrere Jahre in Bruessel gearbeitet haben und jetzt eine 5 monatige Reise unternehmen, bevor sie zurueck nach Canada ziehen. Beide sind Mitte 50. Und im Nebenzimmer schlafen Liz und Nel aus Neuseeland. Beide sind Anfang 60 und bereisen Russland per Zug. Zusammen mit ihnen verbringen wir sehr lustige und interessante Abende in der Kueche des Hostels&#8230;</p>
<p><strong>Schelechov und Pastor Grote</strong></p>
<p>Den Zwischenstopp in Irkutskt haben wir eingelegt, um einen Tag zum Baikalsee zu fahren. Bevor wir das machen, treffen wir uns aber mit Pastor Thomas Graf Grote von der evangelischen Kirche in Schelechov, einem Ort unweit von Irkutskt. Manfred hatte fuer uns den Kontakt zu Thomas hergestellt. Thomas kam vor ueber 10 Jahren &#8211; damals noch als Holzhaendler - nach Irkutsk und engagierte sich bald darauf in der oertlichen Pfadfindergruppe &#8211; aus dessen Strukturen sich die ev. Gemeinde in Schelechov gruendete. Heute hat er den Holzhandel an den Nagel gehangen und konnte sich nach einem Fernstudium der Theologie als Pastor ordinieren lassen&#8230;Waehrend der Gespraeche mit ihm stellen wir wieder einmal fest, was einer der spannensten Aspekte unserer Reise ist: der Austausch mit Menschen, die wir ohne die Radreise niemals getroffen haetten&#8230;</p>
<p><strong>Kuh und Eis</strong></p>
<p>Und sofort nach unserem ersten gemeinsamen Kaffee fahren mit ihm zu einem Bauernhof, der schwer zugaenglich auf einer Waldlichtung liegt, und im Sommer als Ferienlager fuer Jugendliche genutzt wird. Eine der 10 Kuehe des Bauernhofes steht kurz vor der Niederkunft - und kann aus eigener Kraft nicht mehr in den Stall gelangen. Zusammen mit Sascha, dem Bauern, Wladimir, einem Gemeindemitglied ist es also unsere Aufgabe, die &#8220;Kuh vom Eis&#8221; zu holen und in den Stall zu schleppen&#8230;mehrere Versuche waren bisher missglueck. Diesmal klappt es. Wir wuchten die Kuh auf eine alte LKW Plane und koennen sie dann auf Holzbohlen in den Stall ziehen. Die Rettungsaktion vergessen wir nicht so schnell &#8211; den Kuhgeruch an den Klamotten und Haenden allerdings auch nicht. Und mal sehen, vielleicht nennen sie das Kaelbchen ja auch Klaus Dieter&#8230;(Dieter ist der zweite Vorname von Joern)</p>
<p><strong>Baikalsee und Suesswasser</strong></p>
<p>Am naechsten Tag fahren wir zum Baikalsee. Wir sind schwer beeindruckt. Denn wie die Gebirgszuege in Kirgisien, verdient auch der Baikalsee die Bezeichnung: SPEKTAKULAER! Der strahlend blaue Himmel, durchzogen mit leichten Wolkenbaendern, die kraeftige Sonne, die sich auf der grunelich-blauen, unruhigen Wasseroberflache reflektiert, und die wunderschoene Umgebung, mit seinen mit Gras und versprengt mit Laerchen bewachsenen Steilhaengen und am Horizont zu sehenden schneebedeckten Berggipfeln, in die der Baikalsee eingebettet ist, ist einfach unbeschreiblich schoen! Und der Baikalsee ist riesig: Die Laenge (Mittellinie) betraegt 673 km, die durchschnittliche Breite 48 km und sein tiefster Punkt befindet sich unglaubliche 1,6 km unter der Wasseroberflaeche. Der Baikalsee ist damit 450 mal groesser als der Bodensee. Und seine Dimension und Schoenheit entsprechen seiner Bedeutung: Im Baikalsee befinden sich ein Fuenftel aller fluessigen Suesswasservorraete der Erde! Trotz dieser Groesse friert der See regelmaessig zu und wird von bis zu einer 1 m dicken Eisschicht ueberzogen &#8211; und dann ist er auch fuer den Autoverkehr freigegeben. Davon ist der See zur Zeit noch weit entfernt. Nur an den Ufern gefriert das Spritzwasser der Brandung zu Eis. Und die Sonne sorgt sogar dafuer, dass der Schnee schmilzt&#8230;</p>
<p><strong>Sergei und Aga</strong></p>
<p>Noch einen Tag spaeter sitzen wir wieder in der Bahn. Mit dem Zug Nr. 03, der aus Peking kommend ueber Ulan-Bator und Irkutskt nach Moskau faehrt, legen wir die noch fehlenden 5192 km bis zur Haupstadt Russlands zurueck. Wieder sind wir etwas mehr als 3 Tage unterwegs. Diesmal reisen wir aber nicht im Grossraumabteil, sondern in einem geschlossenen Viererabteil. Waehrend der gesamten Zeit begleitet uns Aga. Ein Medizinstudent aus Japan, der in drei Wochen Russland von Wladiwostok bis St. Petersburg bereisen will&#8230;Von Irkustk bis Novosibirsk faehrt auch Sergei mit uns im Abteil. Mit seinem kahl geschorenen Schaedel und der massigen ca. 150 kg Rundfigur sieht Sergei vielleicht nicht wie der nette Mann von nebenan aus &#8211; ist er aber. Sergei spricht ein paar Brocken deutsch und arbeitet als Ausbilder beim FSB, der Nachfolgeorganisation des KGB &#8211; der Geheimdienst der Sowjetunion. Dank Sergei wird die Zugfahrt ein Fest. Denn Sergei ist sehr gut vorbereitet und super gastfreundlich: 5 Minuten nach der Abfahrt stehen Brot, Wurst, Speck und Huehnchen auf dem kleinen Tisch &#8211; natuerlich zusammen mit der ersten Flasche Wodka. Diesmal fuehrt kein Weg am Nationalgetraenk Russlands vorbei - soll auch nicht, denn 8 Stunden nach der Abfahrt hat Joern Geburtstag (05.12) - und so feiern wir gemuetlich in unserem Viererabteil in den Geburtstag hinein. Okay, Aga verabschiedet sich um halb neun von der Party. Und auch fuer Joern ist das Fest um kurz nach Mitternacht zu Ende. Aber egal, denn schoen war&#8217;s&#8230;</p>
<p><strong>Schnee und Schneechaos</strong></p>
<p>Die naechsten Tage sind eigentlich nicht viel anders als die auf dem ersten Abschnitt der Zugfahrt von Irkutskt nach Wladiwostok. Die Landschaft ist aehnlich. Nur die Ortschaften an denen wir vorbeifahren und grosse Staedte werden haeufiger: Krasnojarsk, Novosibirsk, Omsk oder Jekaterinenburg. In den laendlich gelegenen Ortschaften liegt der Schnee oftmals ueber einen Meter hoch. Die Daecher der an uns vorbeiziehenden Holzhaeuser sind von einer dicken Schneeschicht bedeckt und es scheint so, als wuerden die Orte im Schnee versinken&#8230;Um so naeher wir jedoch auf Moskau zufahren, um so weniger wird der Schnee, bis er ganz verschwindet. Erst als wir in Moskau am Jaroslaver Bahnhof ankommen, faengt es hier zeitgleich zu schneien an. Auch fuer die Moskauer unerwartet. Der Autoverkehr kommt ziemlich schnell zum Erliegen und der erste richtige Schneefall in diesem Jahr legt den Strassenverkehr der Millonenstadt lahm. Nichts geht mehr. Und wir sind in Moskau angekommen. Die Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn ist zu Ende&#8230;</p>
<p><strong>Moskau und Rjasan</strong></p>
<p>Die drei  Tage in Moskau verbringen wir mit einem leichten Sightsee-Programm. Heute fahren wir schon weiter nach Rjasan, das ca. 200 km suedoestlich von Moskau liegt. Fast parallel zu unserer Ankunft kommt auch eine Delegation der Stadt Muenster nach Rjasan. Denn in den naechsten Tagen wird hier das 20 jaehrige Bestehen der Staedtepartnerschaft Muenster &#8211; Rjasan gefeiert! Wir freuen uns sehr auf die Tage in Rjasan, denn wir werden sicherlich neben einem interessante und abwechslungreichem Programm auch wieder eine Menge netter Menschen kennenlernen&#8230;</p>
<p> </p>
<p>Und noch was: Geplante Rueckkehr 16. Januar 2009 &#8211; 12.00 Prinzipalmarkt Muenster&#8230;</p>
<p><strong></strong> </p>
<p><strong>Reisestatistik</strong></p>
<p>27.11 Abfahrt Wladiwostok mit dem Zug</p>
<p>&#8230;. (tragen wir noch nach)</p>
<p>07.12 Ankunft Moskau mit dem Zug</p>
<p>&#8230; (tragen wir noch nach)</p>
<p>11.12 Fahrt nach Rjasan mit dem Auto</p>
<p>12.12 Aufenthalt Rjasan</p>
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		<title>Muenster &#8211; Wladiwostok. Wir sind am Ziel!</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Nov 2009 07:17:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joern</dc:creator>
				<category><![CDATA[Etappe 11 China - Russlan]]></category>
		<category><![CDATA[Etappe 11 China - Russland]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir haben es geschafft: Vorgestern (18.11) sind wir in Wladiwostok angekommen. Wir freuen uns! Unser Ziel, die russische Hafenstadt, gelegen am Pazifischen Ozean, haben wir erreicht. Das wir wirklich am Ziel sind und in ueber acht Monaten Eurasien auf dem Landweg - 12.000 km auf dem Fahrrad &#8211; durchquert haben, muessen wir aber erst noch verstehen &#8211; ganz angekommen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-medium wp-image-1175" title="Ziel erreicht - Stadtgrenze Wladiwostok!" src="http://ammanu.de/wp-content/uploads/2009/11/IMG_4800-300x225.jpg" alt="Ziel erreicht - Wladiwostok!" width="300" height="225" />Wir haben es geschafft: Vorgestern (18.11) sind wir in Wladiwostok angekommen. Wir freuen uns! Unser Ziel, die russische Hafenstadt, gelegen am Pazifischen Ozean, haben wir erreicht. Das wir wirklich am Ziel sind und in ueber acht Monaten Eurasien auf dem Landweg - 12.000 km auf dem Fahrrad &#8211; durchquert haben, muessen wir aber erst noch verstehen &#8211; ganz angekommen ist es bei uns noch nicht. Aber wir freuen uns nicht nur, dass wir am Ziel sind, wir sind auch schlichtweg sehr froh darueber: Denn seit unserer Abfahrt aus Beijing (Peking) hat sich das Wetter von einem goldenen chinesischen Herbst durch sibirische Winde hin zu einem fuer uns Europaeer kalten russischen Winter gewandelt. Mehr als einmal waren wir uns nicht sicher, ob wir es noch schaffen sollten, unser Ziel mit dem Fahrrad zu erreichen&#8230;<span id="more-1174"></span></p>
<p><strong>Der Herbst geht – der Winter kommt!</strong></p>
<p>Schon in den ersten Tagen nach unserer Abfahrt aus der chinesischen Haupstadt, stellten wir fest, dass das Gelingen unserer letzten Etappe  &#8211; so wie noch nie zu vor auf der Reise – extrem tageslicht- und wetterabhaengig sein wird. Es ist Herbst &#8211; fast schon Spaetherbst. Je weiter wir nach Nord-Osten fahren, um so wahrscheinlicher ist ein ploetzlicher Wintereinbruch. Natuerlich sind auch die Tage schon kuerzer geworden. Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang liegen nur noch ca. 10 bis 12 Stunden. Und diese verkuerzen sich nochmal, auf eine ganz eigene Weise…</p>
<p><strong>Ueberall in China – Beijing Zeit gilt!</strong></p>
<p>Obwohl sich China ueber mehrere Zeitzonen erstreckt, gilt im oeffentlichen Bereich, wie Abfahrtszeiten von Zuegen oder Oeffnungszeiten der Post, im gesamten Land, die Zeit, die in Beijing gilt – auch, wenn diese sich von der lokalen Zeitzone um bis zu zwei Stunden unterscheiden koennen. Diese Ausrichtung des oeffentlichen Lebens nach der Zeit in Beijing hat natuerlich auch  Auswirkungen auf den privaten Tagesrhythmus. Ist beispielsweise der Sonnenaufgang nach der lokalen Zeitzone um 5 Uhr, aufgrund der  in Beijing geltenden Zeitzone jedoch erst um 7 Uhr, orientiert sich auch der eigene Tagesbeginn nach der offiziellen Zeit: Denn wer steht schon um 5 Uhr morgens auf&#8230;Diese Orientierung fuehrt jedoch dazu, dass sich die knappen Stunden des Tageslichts nochmal um 2 Stunden verkuerzen: Bereits um 15 Uhr beginnt es zu daemmern, um 17 Uhr ist es stockdunkel…</p>
<p><strong>Beijing Zeit – auch unser Rhythmus!</strong></p>
<p>Auch wir orientieren uns, wie wohl alle anderen auch, an der Beijing Zeit. Trotzdem wollen wir gerne bei Tageslicht morgens abfahren und bei Tageslicht abends ankommen. Denn dann ist es einfacher, bei fehlender Strassenbeleuchtung den richtigen Weg zu finden, oder an geeigneter Stelle im besiedelten Gebiet das Zelt aufzuschlagen. Das fuehrt aber wiederum dazu, dass wir um spaetestens 18 Uhr im Schlafsack liegen. Muede sind wir da noch nicht so wirklich… Darueberhinaus wuerden wir gerne im Durchschnitt 100 km am Tag zurueckgelegen. Wir wollen zuegig nach Wladiwostok kommen, um so kurz wie moeglich im Winter radfahren zu muessen. Bei einer reinen Fahrzeit von fuenfeinhalb bis sechs Stunden, die wir fuer eine solche Distanz durchschnittlich benoetigen, wird das alles zeitlich sehr eng. Denn alleine fuer das morgendliche Zeltabbauen, das gemuetliche Fruehstuecken  und Zusammenpacken benoetigen wir ca. zwei Stunden. Wir koennetn natuerlich schon bei Sonnenaufgang aufstehen, doch die Waerme der Sonne ist schon nach unserer Abfahrt aus Beijing so schwach, dass sie es nicht schafft, uns aus den Schlafsaecken hervorzulocken…</p>
<p><strong>Raus aus dem Dilemma – Hotel gegen Zelt!</strong></p>
<p>Wir sind also in einem kleinen Dilemma, was sich bei jedem Kilometer, den wir weiter nach Nord-Osten fahren, verstaerkt – es wird immer kaelter. Wir loesen dies Dilemma ganz einfach. Wir uebernachten in Hotels oder Gasthaeusern. Diese sind so zahlreich und in jedweder Kategorien vorhanden, dass es kein Problem ist, ein geeignetes zu finden. Auf unserer letzten Etappe schlafen wir daher nur noch eine Nacht im Zelt.</p>
<p><strong>Der goldene Herbst – kurz und schoen!</strong></p>
<p>Die ersten Tage nach unserer Weiterfahrt aus Beijing (25. – 28.09) koennen wir noch den goldenen chinesichen Herbst geniessen. Helle, strahlend blaue Tage, an denen das schnell weniger werdende goldgelbe Laub der Baeume weithin sichtbar leuchtet. Beguenstigt durch einen leichten Suedwind, steigen die Temperaturen am Nachmittag sogar auf 10 bis 15 Grad an. Wir radeln im T-Shirt und in kurzer Hose. Laessig legen wir an diesen Tagen ueber 100km zurueck.</p>
<p><strong>Die sibirischen Winde – kalt und heftig!</strong></p>
<p>Dann ploetzlich dreht der Wind. Starke Winde aus Nordwest: Eiskalte Luft aus Sibirien und der Mongolei erreichen uns. Die Temperaturen pendeln sich um den Gefrierpunkt ein. Der stark boeige Wind, der uns fast  frontal erwischt, da wir nach Nord- Nord-Osten fahren, macht uns schwer zu schaffen – und drueckt unsere Geschwindigkeit auf flacher Strecke teilweise auf bis zu 9 km/h runter. Zudem sorgt der Wind dafuer, dass es eisig kalt ist. Am ehesten merken wir das an den Fuessen. Beim Radfahren bewegen sich die Zehe so gut wie ueberhaupt nicht und kuehlen schnell aus. Manchmal halten wir alle 10 bis 20 Kilometer an, um das Fahrrad einige hundert Meter zu schieben, damit die Zehe sich bewegen und wieder warm werden. An diesen Tagen (29.10 – 01.11) sind wir froh, wenn wir es schaffen 70 km zurueckzulegen, die naechste Stadt zu erreichen und abends im Hotel eine warme Dusche zu haben…</p>
<p><strong>Das China Restaurant: Tellergericht Fehlanzeige!</strong></p>
<p>Trotz der Kaelte treffen wir am Sonntag (01.11) auf zwei Rennradler, die eine kleine Tour machen. Obwohl wir uns nur sehr schwer miteinander verstaendigen koennen, rufen sie ein paar Freunde an, und laden uns zum Essen ein. Es geht so richtig rund: Es wird, wie in China ueblich unheimlich viel Essen bestellt. Dabei ist es nicht so, dass jeder, auch wie in China-Restaurants in Deutschland ueblich, ein Tellergericht bekommt. Vielmehr werden verschiedene Gerichte geordert, und beim Servieren auf einer runden, drehbare Platte abgestellt, die sich auf dem ebenfalls runden Tisch befindet, um den alle sitzten. Vor sich hat jeder einen kleinen Teller und waehrend des Essens nimmt man von den verschiedenen Gerichten. Und wer ein Gericht von der anderen Seite haben moechte, dreht einfach die Platte. Reis wird dabei immer gegen Ende des Essen serviert. Denn da Reis so billig ist, soll nicht der Eindruck entstehen, der Gastgeber waere nicht grosszuegig.</p>
<p><strong>Wie Chinesen essen: gewoehnungsbeduerftig!</strong></p>
<p>Wenn wir auf den Tisch vor uns blicken, kann von fehlender Grosszuegigkeit keine Rede sein: Es wird soviel bestellt, das nicht alles auf den Tisch passt, es muss gestapelt werden. Die Auswahl ist gross und spannend. Vor uns stehen u.a.: verschiedene gebratene, uns bekannte und  unbekannte Gemuesesorten, mehrere Variationen Fisch, eine Art Eisbein vom Schwein mit Sauerkraut und eine glibberige Paste, die sich als gelliertes Schweineblut entpuppt, und uns mehrfach als absolute Delikatesse angepriesen wird…Die Variationsbreite der Speisen ueberrascht uns nach fast drei Monaten in China nicht mehr. Aber an das “traditionelle Essverhalten” der Chinesen, koennen wir uns immer noch nicht gewoehnen – und heute erleben wir es hautnah: Rauchen waehrend des Essens, ist z.B. genauso selbstverstaendlich, wie das Entsorgen von Zigarettenkippen und Tischmuell aller Art auf den Fussboden: Knochen, Shrimpskoepfe, Graeten, Servietten usw. Zudem gelten lautes Schmatzen und Schluerfen beim Essen sowie das Nase Hochziehen und Ausspucken von Speichel auf den Fussboden nicht als unhoeflich, sondern – zumindest auf dem Land, weit entfernt von den Grossstaedten – als nicht ungewoehnlich&#8230;</p>
<p><strong>Was Chinesen essen: interessant!</strong></p>
<p>Als total normal sehen es die Chinesen auch an, so sagt ein Sprichwort, “alles zu essen, was vier Beine hat – ausser Tische”. Ja, auch Hunde werden in China gegessen, und sollen, wie uns z.B. Yuanyuan aus Hefei sagte, auch sehr schmackhaft sein. Es ist aber nicht so, dass ueberall Hundefleisch zu kaufen ist, denn wie so vieles von dem, was wir uns nicht vorstellen koennen zu essen, ist auch Hundefleisch kein Nahrungsmittel wie Kuh- oder Schweinefleisch, sondern eher ein selten serviertes Gericht. Im Supermarkt erhaelt man einen guten Eindruck darueber, welche Tiere die Chinesen gerne essen: Tiere mit zwei oder mehr Beinen (Froesche, Gefluegel, Shrimps, Krebse), sind dort genauso zu finden, wie Tiere ohne Beine (Schlangen, Maden, Fische)…</p>
<p><strong>Die Millionenstaedte Chinas: funktional und charakterlos?!</strong></p>
<p>Die Staedte, die auf unserer Route liegen und wir abends erreichen, sind oftmals Millionenstaedte oder knapp darunter: Shenyuang (6,5 Mio), Changchun (2,7 Mio), Jilin (2,1 Mio.) oder Mudanjiang (0,8 Mio). Grosse Unterschiede stellen wir in den verschiedenen Staedten nicht fest. Fast alle haben in den letzten Jahren massive Neubauten im Stile der – nennen wir sie &#8211; “chinesischen Moderne” erhalten. Oftmals haben die Haeuser eine mit schmucklosen Fliesen oder mit polierten Granitplatten verkleidete Aussenfassade. In den Vorstaedten werden viele Wohneinheiten in Hochhaeusern fuer den aufkommenden Mittelstand gebaut – riesige, am Reissbrett entworfende Areale. Hier jedoch oftmals in einer ansprechenderen Architektur. Ueberall geniesst die Verkehrsfuehrung eine absolute Prioritaet. Mehrspurige Strassen in jeder Richtung durchziehen die Staedte. Verkehrsstaus gibt es hier wenig. Dem Konsum sind auch keine Grenzen gesetzt. Verfuegbar ist alles – natuerlich auch Mc Donald und KFC oder Adidas und Nike… Das historische China ist nur noch selten zu sehen. Insgesamt wirken viele Staedte auf uns leider rein funktional ausgerichtet, gesichts- und charakterlos… Ein Tribut, das China an die rasante Entwicklung der letzten Jahre – die den Lebensstandard vieler verbessert hat &#8211; zahlen musste…?!</p>
<p><strong>Das  Stadt- und Landgefaelle: unuebersehbar!</strong></p>
<p>Demgegenueber scheinen viele kleine Ortschaften, die wir tagsueber durchfahren, von der rasanten Entwicklung kaum profitieren. Das Stadt- Landgefaelle ist unuebersehbar. Gerade die Landwirtschaft scheint davon betroffen zu sein. Der Einsatz von Kuehen als Zugtiere ist hier die Regel. Und auf den Feldern ist der Einsatz von technischem Geraet nur selten zu sehen. Die jetzt stattfindene Maisernte wird groesstenteils von Hand durchgefuehrt: Das Sensen der Maispflanze, das Ernten der Maiskolben, das Buendeln der Maispflanze zum Trocknen, sowie der spaetere Abtransport. Und das alles bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, eiskaltem Wind und wie wir spaeter noch sehen sollten, auch bei Schnee…</p>
<p><strong>Kein Witz: Das Amt fuer Wetterbeinflussung!</strong></p>
<p>Waehrend wir bei strahlend blauem Himmel frieren, haben die Menschen in der Hauptstadt Chinas zudem mit heftigen Schneefaellen zu kaempfen (04.11). Schon seit laengerem versuchen die Chinesen durch das Verspruehen von Chemikalien in der Atmosphaere lokale Wetterverndaerungen zu erzeugen. Zustaendig hierfuer ist das Amt fuer Wetterbeeinflussung. Auf diese Weise wurde sowohl bei der Eroeffnungsfeier der Olympischen Spielen 2008 als auch bei der Millitaerparade zum 60.  Gruendungstag der Volksrepublik China in diesem Jahr, fuer einen strahlend blauen Himmel gesorgt. Um der anhaltenden Trockenheit in der Region um Beijing etwas nachzuhelfen, hat das Amt fuer Wetterbeeinflussung versucht, Regen zu erzeugen. Durch die ploetzliche Kaltfront, verwandelte sich der Regen in Schnee &#8211; und die Hauptstadt im Chaos&#8230;</p>
<p><strong>Es hat geklappt: Die 200 Kilometer Marke ist geknackt!</strong></p>
<p>Mittlerweile hat der Wind wieder gedreht, und warmer Suedwind erreicht uns. Die Temperaturen steigen von heute auf morgen wieder auf +10 Grad Celsius an: Kommt der Wind aus Nord-Nord-West, bringt er die Kaelte Sibiriens zu uns: denn in der Mongolei und Sibieren ist es bereits weit unter 0 Grad. Kommt der Wind dagegen – wie jetzt &#8211; aus dem Sued-Sued-Westen, profitieren wir von den warmen Temperaturen von ueber + 20 Grad, die noch im Sueden herrschen. Zudem bedeutet Suedwind fuer uns Rueckenwind. Und es passiert das, was wir uns fuer die Radreise gewuenscht hatten: Wir schaffen es, an einem Tag (05.11) ueber 200 km zurueckzulegen…</p>
<p><strong>Internet I: Zugangskontrolle!</strong></p>
<p>In Changchun, der Hauptsstadt der Provinz Jilin, wo Volkswagen ein grosses Werk gebaut hat, legen wir einen Ruhetag ein. Einige Zeit verbringen wir im Internet Café. Weiterhin ungewoehnlich ist fuer uns die Zugangskontrolle zum Internet: Es herrscht Ausweispflicht. Daran hatten wir uns bereits in Beijing abfinden muessen. Dort wurde unser Reisepass eingescannt und ein Photo von uns gemacht, bevor es moeglich war, das Internet nutzen zu koennen. In Changchun funktioniert das erstmal nicht. Das Internet Café ist nicht auf Auslaender eingestellt. Wer hier ins Internet moechte muss einen chinesischen Personalausweiss haben. Aus diesem werden, aehnlich wie beim Bezahlen mit Kreditkarte, elektronisch die Daten ausgelesen und gespeichert. Unser Reisepass ist fuer dies Verfahren natuerlich nicht zu benutzen. Nach mehreren Anlaeufen, finden wir ein Internet Café, bei dem wir ueber die Personalausweise der Mitarbeiter die Zugangskontrolle ueberwinden koennen…</p>
<p><strong>Internet II: Informationskontrolle!</strong></p>
<p>Neben der Zugangskontrolle versucht die chinesische Regierung auch die Inhalte des Internets zu kontrollieren. So werden ueber 30.000 Beamte bei der Polizei damit beschaeftigt, um  Internetseiten zu kontrolllieren und durchaus auch abzuschalten, die sich z.B. kritisch ueber die Situation in China aeussern, wie Amnesty International oder zur Meinungsaeusserung genutzt werden koennen, wie www.blogger.com&#8230;</p>
<p><strong>Der Wind dreht erneut: Tagsueber minus 10 Grad!</strong></p>
<p>Changchun und Wladiwostok liegen nur noch knapp 550 km Luftlinie von einander entfernt. Da wir aber nur den noerdlich von Wladiwostok gelegenen Grenzuebergang Suifenhe – Pogranicnyi nutzen koennen, ist die tatsaechliche Fahrstrecke mit knapp 950 km um einiges laenger. Hinter Changchun dreht der Wind erneut und die Temperaturen fallen innerhalb von wenigen Tagen von + 10 Grad (mittags) auf – 10 Grad (morgens). Bei solchen Temperaturen faellt selten Schnee. Und so radeln wir dick eingepackt bei strahlend blauem Himmel, weiter in Richtung Wladiwostok. Da der Wind nicht boeig weht, sind diese Temperturen besser zu ertragen, als eiskalte Winde um den Gefrierpunkt.</p>
<p><strong>150 km noerdlich von Nordkorea: Sieht hier aus wie im Teuto!</strong></p>
<p>Hinter Changchun verlassen wir das dicht besiedelte Gebiet der frueheren Mandschurei und gelangen in den waldreichen und weniger bevoelkerten Teil von Chinas Nord-Osten. Von hier aus ist es – zur Orientierung &#8211; bis Nordkorea nicht mehr weit. Knapp 150 km suedlich verlaeuft die Grenze. Zusehends wird die Landschaft huegelig. Wir fahren auf 300 bis 600 m Hoehe. Die Gegend erinnert uns an zu Hause: es sieht aus wie im Teutoburger Wald bei Bad Iburg oder in den Baumbergen um Muenster…</p>
<p><strong>Es hat geschneit: Erster Sturz bei Tageskilometer Nr. 2!</strong></p>
<p>Mit der Hoehe steigt die Schneefallwahrscheinlichkeit. Und als wir in Mudanjiang morgens aus dem Fenster schauen, ist der Schnee da (12.11). Durch den massiven Autoverkehr ist dieser schnell festgefahren und in der Stadt ist es aeussert glatt. Das gleiche passiert mit dem Schnee durch die Fussgaenger auf den Buergersteigen. Erst mit einem Tag Verspaetung wird angefangen, die Strassen und Gehwege notduerftig von Schnee und Eis zu befreien. Vor Busshaltestellen wird anscheinend nicht geraeumt, denn genau hier legt sich Joern filmreif ab. Weder dem Fahrrad noch ihm passiert etwas. Die Ortlieb Radtaschen bilden eine Art Knautschzone, schuetzen ihn und das Rad &#8211; und tragen auch selber keinen Schaden davon…</p>
<p><strong>Trotz Schnee und Eis: Kaum Kriechetappen!</strong></p>
<p>Nach dem fruehen Sturz – wir waren gerade zwei Kilometer gefahren – hatten wir uns schon gedanklich auf eine Kriechetappe eingestellt. Doch ausserhalb der Stadt ist die Schneedecke von den Autos weitesgehend festgefahren und durch die Schneeketten der LKW so aufgerissen, dass das Profil unserer Reifen guten Halt im Schnee findet. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit betraegt an diesen Tagen ca. 16 km/h…Teilweise werden in den Aussenbereichen mit maechtigen Schneefahrzeugen in wenigen kurzen Abschnitten die Strassen sogar geraeumt. Hin und wieder schneit es. Je nach Hoehenlage liegen hier ca. 10 bis 30 cm Schnee. Die Bauern arbeiten auf den Feldern…</p>
<p><strong>Frostige Kaelte: Eiszapfen am Kinn!</strong></p>
<p>Es ist weiterhin sehr kalt, wir tragen ein Tuch vor dem Mund, das zusammen mit der Muetze nur noch ein kleiner Sehspalt im Gesicht frei bleibt.Unsere warme Ausatemluft kondensiert dabei im Gesichtsschutz. Die feuchten Stellen am Mundschutz gefrieren und unterhalb des Kinns bilden sich lustige Eiszapfen…</p>
<p><strong>Unsere Frage: Wladiwostok – eher europaeisch oder asiatisch?</strong></p>
<p>Tag fuer Tag kommen wir der Grenze zu Russland ein Stueck naeher. Und dann erreichen wir den Grenzort Suifenhe (15.11). Bei unserer Ankunft zeigt das ueberdimensionale Thermometer in der Mitte eines Kreisverkehres – 9 Grad an. Direkt am naechsten Tag wollen wir mit dem Rad ueber die Grenze nach Russland. Wir sind sehr gespannt, wie dieser Teil Russlands sein wird. Denn auf der einen Seite liegt Wladiwostok geographisch in Asien. Auf der anderen Seite wird es aber von Moskaus aus regiert, dass geographisch in Europa liegt…</p>
<p><strong>Stopp fuer Radfahrer: Das ist eine Bus-Grenze!</strong></p>
<p>Doch so einfach ist es nicht die Grenze zu passieren. Der Grenzbeamte erklaert uns, dass Einzelreisende wie wir nur im Bus ueber die Grenze kommen koennen. Es ist eben eine Bus-Grenze. Aha. Wieder was gelernt. Wir muessen also zurueck in die Innenstadt und ein Busticket kaufen, unsere Fahrraeder im Bus verstauen und mit dem Bus ueber die Grenze fahren.</p>
<p><strong>Unsere Antwort: Viiiiel mehr Europa und viiiiel weniger Asien!</strong></p>
<p>Und als wir am Busbahnhof auf andere Reisende in Richtung Russland treffen, beantwortet sich unsere Frage, wie asiatisch oder europaeisch Wladiwostok wohl seinen wird, ganz schnell. Wir blicken in europaeisch aussehende Gesichter mit gruenen und blauen Augen, sehen Frauen mit rot und blond gefaerbten Haaren und fast jeder zweite steckt in einem Pelzmantel. Es riecht kraeftig nach Parfuem (Zur Info: Die Chinesen benutzten so gut wie kein Parfuem, da es nur “stinkende Menschen” brauchen). Und sofort erklingt die fuer uns noch vertraute Frage: &#8220;Adkuda?&#8221; (Wo kommt hier her?). Wladiwostok ist viiiiil mehr Europa und viiiil weniger Asien&#8230;Und mit dem Wissen, das bis zum Jahr 1917 bereits ueber 250000 russische Siedler in den ab 1860 gegruendeten Staedten lebten, wie z.B. Wladiwostok, ist die Antwort auch ueberhaupt nicht verwunderlich&#8230;</p>
<p><strong>Was fuer ein Spass: Endlich wieder Quatschen!</strong></p>
<p>Bevor wir in den Bus einsteigen, werden unser Gepaeck und die Fahrraeder gewogen: alles zusammen weniger als 100 kg. Wer haette das gedacht. Der Bus ist voller Russen, die zum Einkaufen nach China fahren. Es macht Spass, sich wieder mit den Leuten zumindest etwas unterhalten zu koennen. Das Russisch, was wir bisher auf der Reise gelernt haben, ist sofort wieder praesent. Sobald es moeglich ist, sich mit den Menschen auch nur ein bisschen austauschen zu koennen, ist man ihnen sofort viel naeher. Aufgrund der grossen Sprachschwierigkeiten, hat das in China leider nur sehr selten geklappt…</p>
<p><strong>Was fuer ein Aerger: Alles wieder teurer!</strong></p>
<p>In Pogranicnyj, dem Grenzort auf russischer Seite muessen wir uebernachten, da die Grenzabfertigung recht lange gedauert hat. Ivan, der uns auf der Strasse anspricht, hilft uns ein fuer Russland guenstiges Hotel zu finden. Vieles ist in Russland so teuer wie in Deutschland. Der Standard oftmals darunter. Die Dusche im Hotelzimmer hat nicht wirklich warmes Wasser. Die Matratzen sind durchgelegen. Trotzdem kostet es pro Nase umgerechnet 18 Euro – ohne Fruehstueck&#8230;</p>
<p><strong>Was fuer ein Genuss: Endlich wieder Brot!</strong></p>
<p>Mit dem Grenzuebertritt haben wir Asien verlassen. Nur sehr wenig erinnert in Pogranicnyj daran, dass China nur wenige Kilometer entfernt liegt. So bieten die Geschaefte die Produkte an, die auch in Moskau oder bei uns zu bekommen sind &#8211; in China aber nur selten zu finden sind: Brot, Kaese und Wurst. Nach knapp 3 Monaten geniessen wir wieder ein Brot mit Wurst und Kaese. Man, was haben wir das vermisst…</p>
<p>Nicht nur wegen des Essens, auch wegen der europaeischen Gesichter, der geringeren Sprachbarriere, der kyrillischen Schrift und der typisch russischen und sowjetischen Architektur der Haeuser, fuehlen wir uns eher so, als waeren wir im europaeischen Teil Russlands, und nicht nur einen Katzensprung von China, Korea oder Japan entfernt…</p>
<p><strong>Muenster – Wladiwostok: Wir sind am Ziel!</strong></p>
<p>Wieder ist der Himmel strahlend blau, als wir zu unserer letzten Tageetappe von Ussurijsk nach Wladiwostok aufbrechen. Seit drei Tagen ist kein Schnee mehr gefallen. Um bei Tageslicht in Wladiwostok anzukommen, sitzen wir um 8 Uhr auf dem Fahrrad. Es ist bitter kalt. Die Displays unserer Fahrradtachometer sowie das des Holux verblassen und reagieren verlangsamt. Die Kaelte fuehlt sich am Koerper wir Nadelstiche an. An diesem Morgen ist es wohl unter – 10 Grad. Gegen Mittag fahren wir an einer Tankstelle vorbei. An der Preistafel ist eine Thermometer angebracht. Es zeigt – 13 Grad. Vor Wladiwostok verdichtet sich der Verkehr zusehends. Und dann, ca. 20 km vor dem eigentlichen Stadtzentrum ueberfahren wir gleichzeitig die Stadtgrenze von Wladiwostok: Wir haben unser Ziel erreicht (18.11)!</p>
<p><strong>Ausblick: Wie geht es weiter?</strong></p>
<p>Bis zum 27.11 werden wir in Wladiwostok bleiben, um dann mit der Transsibirischen Eisenbahn mit einem Zwischenstopp Irkutsk nach Moskau zu fahren. Die Fahrkarten haben wir bereits gekauft. Einen Gepaeckwagen gibt es nicht. Wir sind also sehr gespannt, wie wir unser Gepaeck und die Fahrraeder in den Zug bekommen…</p>
<p><strong>Reisestatistik</strong></p>
<p>25.10 Beijing &#8211; Jixian: 118 km</p>
<p>26.10 Jixian -  kurz hinter Zunhua: 102 km</p>
<p>27.10 k.v. Zuhuna &#8211; kurz vor Mutoudeng: 101 km</p>
<p>28.10 k.v. Mutoudeng &#8211; Suizhong: 135 km</p>
<p>29.10 Suizhong &#8211; Huludao: 75 km</p>
<p>30.10 Huludao &#8211; Linhai: 73 km</p>
<p>31.10 Linhai &#8211; Panshan: 77 km</p>
<p>01.11 Panshan &#8211; Liaozheng: 80 km</p>
<p>02.11 Liaozheng -  Shenyuang: 80 km</p>
<p>03.11 Ruhetag in Shenyuang</p>
<p>04.11 Shanyuang &#8211; Kaiyuan: 112 km</p>
<p>05.11 Kaiyuan &#8211; Changchun: 217 km</p>
<p>06.11 Ruhetag in Changchun</p>
<p>07.11 Changchun &#8211; Jilin: 125 km</p>
<p>08.11 Jilin &#8211; Jiahoe: 107 km</p>
<p>09.11 Ruhetag in Jiahoe</p>
<p>10.11 Jiahoe &#8211; Dunhua: 114 km</p>
<p>11.11 Dunhua &#8211; Jingpo: 89 km</p>
<p>12.11 Jingpo &#8211; Mudanjiang: 119 km</p>
<p>13.11 Ruhetag in Mudanjiang</p>
<p>14.11 Mudanjiang &#8211; Mulengzhen:  73 km</p>
<p>15.11 Mulengzhen &#8211; Suifenhe: 95 km</p>
<p>16.11 Suifenhe &#8211; Pochcranichni: 16 km (Grenzuebergang)</p>
<p>17.11 Pochcranichni &#8211; Ussurijsk: 99 km</p>
<p>18.11 Ussurijk &#8211; Wladiwostok: 106 km</p>
<p>19.11 Aufenthalt in Wladiwostok</p>
<p>20.11 Aufenthalt in Wladiwostok</p>
<p>21.11 Aufenthalt in Wladiwostok</p>
<p>22.11 Aufenthalt in Wladiwostok</p>
<p>23.11 Aufenthalt in Wladiwostok</p>
<p>24.11 Aufenthalt in Wladiwostok</p>
<p>25.11 Aufenthalt in Wladiwostok</p>
<p>26.11 Aufenthalt in Wladiwostok</p>
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		<title>Urlaub von der Radreise?!</title>
		<link>http://ammanu.de/2009/10/urlaub-von-der-radreise/</link>
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		<pubDate>Fri, 23 Oct 2009 10:41:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joern</dc:creator>
				<category><![CDATA[Etappe 10 China-Urlaub]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Urlaub von der Radreise&#8221;. Genau das ist es, was wir die letzten vier Wochen gemacht haben. Doch soll es sich dabei nicht so anhoeren, als haetten wir keine Lust mehr auf dem Rad in Richtung Wladiwostok zu fahren, und ein Urlaub waere notwendig gewesen. Es ist vielmehr so, dass das Radfahren fuer uns, nach ueber sechs Monaten im Sattel  &#8221;sowas [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-medium wp-image-1170" title="Die Urlaubsttruppe - Doro, Eva, Joern, Klaus und Dieter." src="http://ammanu.de/wp-content/uploads/2009/10/img_15711-300x225.jpg" alt="Die Urlaubsttruppe - Doro, Eva, Joern, Klaus und Dieter." width="300" height="225" />&#8220;Urlaub von der Radreise&#8221;. Genau das ist es, was wir die letzten vier Wochen gemacht haben. Doch soll es sich dabei nicht so anhoeren, als haetten wir keine Lust mehr auf dem Rad in Richtung Wladiwostok zu fahren, und ein Urlaub waere notwendig gewesen. Es ist vielmehr so, dass das Radfahren fuer uns, nach ueber sechs Monaten im Sattel  &#8221;sowas von Alltag geworden ist&#8221;, das mehrere Tage an denen wir nicht auf dem Fahrrad sitzen uns eben wie ein Urlaub erscheinen&#8230;Dieser Vergleich soll natuerlich nicht dazu verleiten, sich vorzustellen, das eine Radreise allmaehlich langweilig werden wuerde. Es ist eher so zu verstehen, dass &#8211; so unsere Erfahrungen - eine solche Radreise trotz aller neuen Erlebnisse irgendwann immer auch, und wenn auch nur zum Teil, als Alltag verstanden werden sollte. Warum? Um das Ziel der Radreise ueberhaupt erreichen zu koennen! Denn, wenn auf der Radreise Dinge wie das &#8220;grundsaetzliche Unterwegs sein mit dem Rad&#8221;, das &#8220;nicht immer bequeme Uebernachten im Zelt&#8221; oder die &#8220;oftmals anstrengenden Sprachbarrieren&#8221;,  nicht irgendwann als Alltag angesehen, sondern weiterhin als Herausforderung verstanden werden, wird die Radreise um einiges Anstrengender werden, als wenn man diese Dinge als ganz normalen Alltag versteht. Von daher ist es vielleicht nachvollziehbar, das die letzten vier Wochen, in denen wir ausschiesslich mit dem Zug in China herumgereist sind, nahezu ausnahmslos in Hotels geschlafen haben und uns fast immer auf Englisch oder Deutsch verstaendigen konnten, uns wie &#8221;Urlaub von der Radreise&#8221; vorgekommen sind. Eben, weil der Alltag auf dem Rad ein anderer ist&#8230;<span id="more-1082"></span></p>
<p><strong>3 x Urlaub in vier Wochen<br />
</strong></p>
<p>Und eigentlich waren es fuer uns sogar drei aufeinander folgende Urlaube: Denn von Beijing aus fuhren wir fuer knapp eine Woche nach Hong Kong (20.09 &#8211; 26.09), um unser auslaufendes Visum zu erneuern. Diesem Urlaub Nr. 1 schloss sich nach unserer Rueckkehr in Beijing direkt der Urlaub Nr. 2 an. Die fast dreiwoechige Reise (27.09 &#8211; 18.10) mit Doro, Eva und Dieter durch den Osten Chinas mit dem Endpunkt Shanghai. Und waehrend der Rueckfahrt nach Bejing folgte mit einem dreitaegigen Zwischenstopp in Hefei (19.10 -21.10), der Partnerstadt von Osnabrueck, unser Urlaub Nr. 3. Ein grober Blick auf die Landkarte genuegt, um festzustellen, dass die einzelnen &#8220;Urlaubsorte&#8221; weit verteilt im gesamten Osten Chinas liegen. So verwundert es nicht, dass wir in den vergangenen vier Wochen ca. 9600 Bahnkilometer zurueckgelegt haben&#8230;</p>
<p><strong>Urlaub Nr 1: Hong Kong</strong></p>
<p>Davon entfallen allein 4000 Kilometer auf die Strecke Beijing &#8211; Hong Kong &#8211; Beijing. Und spaetestens als wir aus dem klimatisierten Zug in Hong Kong ausgestiegen sind, merkten wir, dass sich Nord- und Suedchina extrem voneinander unterscheiden &#8211; was uns allerdings schon zuvor an der Landschaft aufgefallen war. Dennoch waren wir ueberrascht, dass aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit unsere T-Shirts bereits nach einigen Sekunden am Koerper klebten, und wir aussahen, als haetten wir einen Regenschauen abbekommen&#8230;Der Norden Chinas ist tendenziell eher trocken, bei dennoch starkt ausgepraegten Jahreszeiten. Der Sueden Chinas ist hingegen feucht, und Fruehling, Sommer, Herbst und Winter machen sich in einem viel geringerem Masse bemerkbar. Und neben dem Wetter ist vor allem das wirtschaftliche und politische System in Hong Kong &#8211; obwohl es zu China gehoert &#8211; anders als in Beijing und im uebrigen China: &#8220;Ein Land &#8211; zwei Systeme&#8221;. Dies ergibt sich aus der Folge, dass Hong Kong bis 1997 britische Kronkolonie war uns seit der Rueckgabe an China als Sonderverwaltungszone gefuehrt wird. So koennen wir nach Ablauf unseres 30 Tage Visums in China ohne Visum nach Hong Kong einreisen.</p>
<p><strong>Warum Hong Kong?</strong></p>
<p>Und machen das mit dem Vorhaben, hier ein 90 Tage Visum fuer China zu beantragen, um den zeitraubenden Verlaengerungsantraegen unseres Erstvisums entgehen zu koennen. Denn die Beschaffung eines 90 Tages Visums fuer China ist wahrscheinlich nirgendwo auf der Welt einfacher als in Hong Kong: Visaagentur aufsuchen, Visa-Formular unterschreiben, Reisepass und ein Passbild abgeben, Visa- und Bearbeitungsgebuehr bezahlen, 4 bis 24 Stunden warten, Visum abholen. Da wir wissen, wie aufwendig es sein kann, ein 90 Tage Visum von Deutschland aus zu beantragen &#8211; hierzu ist z.B. ein Einladungsschreiben aus China im Original dem Visaantrag beizulegen &#8211; stellen wir einmal mehr fest, wie unverstaendlich Politik sein kann &#8211; ueberall auf der Welt&#8230;</p>
<p><strong>Hong Kong &#8211; anders als gedacht!</strong></p>
<p>Auf der einen Seite ist Hong Kong so, wie wir uns es vorgestellt haben. Viele Menschen. Viele Hochhaeuser. Viel Verkehr. Viel Hektik. Doch auf der anderen Seite ist Hong Kong vor allem gruen, ruhig, angenehm. Denn zur Sonderverwaltungszone Hong Kong gehoeren insgesamt 256 kleine und mittelgrosse Inseln, mit einer Vielzahl an Wanderwegen, leeren Straenden und dichten Waeldern. Bei der kurzen Zeit, die wir in Hong Kong sind, koennen wir leider nur einen Bruchteil davon kennen lernen&#8230;Und so beschraenken sich unsere Wanderaktivitaeten mit dem Besuch des 552 m hohen Victoria Peak, um die Aussischt auf die Hong Konger Stadtteile Kowloon und Central zu geniessen, zwischen denen das suedchinesische Meer liegt.</p>
<p><strong>&#8220;Menschen fuehren &#8211; Leben wecken</strong>&#8221;</p>
<p>Ausserdem wollten wir uns mit einem anderen Deutschen &#8220;treffen&#8221;, der zur gleichen Zeit in Hong Kong war wie wir: Pater Anselm Gruen. Zufaelligerweise hatten wir bei der Besichtigung der St. John&#8217;s Cathedral, einem der letzten Kolonialbauten in Hong Kong, eine Plakatankuendigung ueber den Besuch von Anselm Gruen gesehen. Anselm Gruen ist ein Benediktinerpater vom Kloster Muensterschwarzach und Autor von ca. 300 Buechern mit einer Gesamtauflage von 15 Millionen Exemplaren. Er macht eine Autorenreise durch Asien fuer sein neues Buch: Menschen fuehren &#8211; Leben wecken. In Deutschland ist er vor allem dadurch bekannt, dass er eine Vielzahl von Seminaren fuer Manager grosser Unternehmen gibt, u.a. zu dem Thema, ueber das er auch in einem seiner Vortraege in Hong Kong spricht: &#8220;Unternehmensfuehrung mit Werten&#8221;. Da wir unter den geschaetzten 100 Zuhoerern neben Anselm Gruen die einzigen Deutschen sind, fallen wir auf und werden von verschiedener Seite angesprochen. Auch vom anglikanischen Priester, in dessen Kirche der Vortrag stattfindet. Uns so ergibt es sich, dass wir neben einer fuer uns sehr ueberraschenden Erwaehnung in der Begruessungsrede des Priesters, Anselm Gruen nach seinem Vortrag vorgestellt werden, und ein bisschen mit ihm ueber Hong Kong und die Radreise quatschen koennen&#8230;</p>
<p><strong>22. September &#8211; World Car Free Day</strong></p>
<p>In unseren Aufenthalt in Hong Kong faellt auch der 22. September &#8211; der WORLD CAR FREE DAY. Die Idee des &#8220;weltweiten autofreien Tags&#8221; ist es, dass Auto stehen zu lassen und Wege zur Arbeit, zum Einkaufen oder wohin auch immer zu Fuss, mit Bus und Bahn oder eben mit dem Fahrrad zurueckzulegen. Er soll u.a. zeigen, wie unsere Staedte ohne Autos aussehen wuerden und darauf hinweisen,das die Beruecksichtigung von alternativem Fortbewegungsmitteln gegenueber dem Auto, wie Radfahren oder Bus und Bahn, bei stadtplanerischen und politischen Entscheidungen gestaerkt werden sollte. Mit unterschiedlichen Aktionen beteilitgen sich Staedte auf der ganzen Welt am WORLD CAR FREE DAY. So wurden in New York ganze Strassezuege fur den Autoverkehr gespeert, so das die Menschen die Moeglichkeit hatten, den so frei werdenden oeffentlichen Raum fuer sich zu nutzen. Auch die Stadt Hong Kong und deren politische Vertreter unterstuetzten den WORLD CAR FREE DAY. Der Buergermeister der Stadt ging zu Fuss ins Rathaus. Einige Beamte der Stadt kamen mit dem Fahrrad. Im hektischen Alltag Hong Kongs war der autofreie Tag fuer uns jedoch nicht wahrnehmbar. Auch in Deutschland steckt die Umsetzung des WORLD CAR FREE DAY noch in den Kinderschuhen. Sogar die Fahrradstadt Muenster veranstaltet keinerlei Aktionen zum weltweiten autofreien Tag. Der WORLD CAR FREE DAY braucht Unterstuetzung: Ein grosser Unterstuetzer ist unserer Freund Patrick. Im April 2010 startet er von Muenster aus eine Weltumradelung, um fuer die Etablierung eines autofreien Tags in Muenster zu werben. Alle Infos gibt es unter: <a href="http://www.leezenpower.de" target="_blank">www.leezenpower.de</a></p>
<p><strong>Urlaub Nr. 2: Beijing &#8211; Xian &#8211; Chengdu&#8230;</strong></p>
<p>Nach der 25 Stunden dauernden Zugfahrt zurueck von Hong Kong nach Beijing, haben wir nur wenig Zeit, die Erlebnisse in Hong Kong sacken zu lassen. Eva, Dieter und Doro landen um 7.00 Uhr am Flughafen. Der wirkliche Urlaub fuer uns fuenf beginnt. Ein engagiertes Programm haben wir uns fuer die drei Wochen vorgenommen. Peking &#8211; Xian &#8211; Chengdu &#8211; Guilin &#8211; Yungshuo &#8211; Hangzhou &#8211; Shanghai: diese Staedte liegen auf unserer Reiseroute. Wir besichtigen u.a. die Verbotene Stadt in Beijing, machen einen Spaziergang auf der Verbotenen Mauer, beobachten Pandabaeren der Aufzuchtsstation Chengdu, bestaunen die Terra-Kotta-Armee in Xian, machen eine Bootstour auf dem Fluss Li und erleben die Vorbereitungen zur EXPO 2010 in Shanghai&#8230;Natuerlich ist die Rundreise eine ganz andere Art des Unterwegs seins als die Radreise. Fuer uns (Klaus und Joern) ist es so z.B. richtig entspannend drei Wochen lang dem Reisefuehrer nur hinterherlaufen zu koennen, und nicht selber nach dem Weg fragen zu muessen, nicht jeden Abend einen Zeltplatz suchen zu muessen oder Essen zu bestellen, in einer Garkueche, in der wir uns nur schwer verstaendlich machen koennen&#8230; Die Rundreise ist eben kein Alltag fuer uns &#8211; sondern Urlaub!</p>
<p>Und noch etwas ist ganz anders als auf der Radreise. Viele Sehenwuerdigkeiten liegen in China weit auseinander, und nur sehr selten direkt an den Strassen, auf denen wir mit dem Rad unterwegs sind oder direkt in den Staedten, durch die wir fahren. Und bei den immensen Entfernungen in China faehrt man nicht mal eben zu dieser oder jener Sehenswuerdigkeit &#8211; obwohl sie zwar in der Naehe ist, aber einen Umweg von zwei oder mehr Tagen fuer uns auf dem Rad bedeuten wuerde&#8230;Unterwegs mit Zug, Bus und Taxi ist das natuerlich ganz anders. Und so ist es fuer uns perfekt, durch die Rundreise eine Vielzahl an Sehenswuerdigkeiten entdecken zu koennen&#8230;</p>
<p><strong>Urlaub Nr. 3: Hefei</strong></p>
<p>Gefuehlt vergingen die drei Wochen der Rundreise viel zu schnell. Und nachdem wir Eva, Doro und Dieter in der Magnetschwebebahn mit Tempo 431 km/h zum Flughafen Pudong in Shanghai gebracht hatten, fuhren wir auch schon am selben Tag mit einem anderen Schnellzug weiter in Richtung Hefei, der Partnterstadt Osnabruecks (18.10). Dort angekommen wurden wir von Yuanyuan schon erwartet. Sie war im Rahmen eines Austauschprogramms zwischen der FH Osnabrueck und der Anhui Medical University fuer ein Jahr in Osnabrueck gewesen. Aus dieser Zeit kennen sich auch Yuanyuan und Joern. Beide studieren Management im Gesundheitswesen. Schon im Vorfeld hatte Yuanyuan gefragt, ob Joern nicht einen Vortrag ueber das Gesundheitssystem in Deutschland machen koennte: und knapp 40 Studenten haben sich den Vortrag dann auch sogar angehoert&#8230;</p>
<p><strong>Weltrekord &#8211; Glueckwunsch Guido!</strong></p>
<p>Seit gestern sind wir jetzt wieder zurueck in Beijing bei Diana und Andreas, waschen nochmal die Klamotten durch, checken die Fahrraeder und packen die Radtaschen. Hier hat uns auch die Nachricht erreicht, dass Gudio Kunze, den wir beim Besuch von Muensters Partnerstadt Muehlhausen zu Beginn unserer Radreise kennen lernen durften, einen neuen Weltrekord mit dem Rennrad aufgestellt hat. Er hat in nur 8 Tagen und 10 Stunden den australischen Kontinent von Sydney nach Perth durchquert. Bei einer Gesamtdistanz von 4500 km sind das mehr als 500 km pro Tag: <a href="http://www.guido-kunze.de" target="_blank">www.guido-kunze.de</a>. Glueckwunsch Guido!</p>
<p><strong>Kein Schnee und Regen bis Mitte/ Ende November</strong></p>
<p>Nicht ganz so schnell wie Guido aber doch recht zuegig wollen und muessen wir auch wieder auf die Strasse und Wladiwostok erreichen &#8211; denn der Winter kommt! Zwar sind in Beijing noch angenehme 18 bis 20 Grad, aber die oestlich der Hauptstadt gelegenen Provinzen melden fuer tagsueber teilweise schon einstellige Temperaturen. Wir muessen uns also etwas beeilen und hoffen, dass wir unser Ziel noch vor dem richtigen Wintereinbruch erreichen. Knapp 1600 km sind es &#8220;nach Karte&#8221; noch bis zur Hafenstadt am Japanischen Merr. Und auf dem Weg dorthin kommen wir laut unserem Reisefuehrer noch an mehreren Skigebieten vorbei &#8211; was wohl ein klarer Hinweis darauf ist, das es in dieser Ecke Chinas ne Menge Schnee geben koennte. Wir hoffen, Mitte/Ende November in Wladiwostok anzukommen. Mal sehen, was passiert, denn nochmal in den Zug einsteigen, wollen wir eigentlich nicht&#8230;</p>
<p><strong>Reisestatistik &#8211; diesmal eher eine Urlaubsstatistik</strong></p>
<p>21.09 Ankunft in Hong Kong</p>
<p>22.09 Aufenthalt in Hong Kong</p>
<p>23.09 Aufenthalt in Hong Kong</p>
<p>24.09 Aufenthalt in Hong Kong</p>
<p>25.09 Zugfahrt Hong Kong &#8211; Beijing</p>
<p>26.09 Ankunft in Beijing</p>
<p>27.09 Ankunft Eva, Doro, Dieter / Aufenthalt in Beijing / Start der Rundreise</p>
<p>28.09 Aufenthalt in Beijing</p>
<p>29.09 Aufenthalt in Beijing</p>
<p>30.09 Zugfahrt Beijing &#8211; Xian</p>
<p>01.10 Aufenthalt in Xian</p>
<p>02.10 Aufenthalt in Xian</p>
<p>03.10 Zugfahrt Xian &#8211; Chengdu</p>
<p>04.10 Ankunft in Chendgu</p>
<p>05.10 Zugfahrt Chengdu &#8211; Guilin</p>
<p>06.10 Ankunft in Guilin</p>
<p>07.10 Aufenthalt in Guilin</p>
<p>08.10 Bootsfahrt Guilin &#8211; Yuangshuo / Ankunft in Yuangshuo</p>
<p>09.10 Aufenthalt in Yuangshuo</p>
<p>10.10 Aufenthalt in Yuangshou</p>
<p>11.10 Zugfahrt Yuangshou &#8211; Hangzhou</p>
<p>12.10 Aufenthalt in Hangzhou</p>
<p>13.10 Zugfahrt Hangzhou &#8211; Shanghai / Ankunft in Shanghai</p>
<p>14.10 Aufenthalt in Shanghai</p>
<p>15.10 Aufenthalt in Shanghai</p>
<p>16.10 Aufenthalt in Shanghai</p>
<p>17.10 Aufenthalt in Shanghai</p>
<p>18.10 Abreise Eva, Doro, Dieter / Ende der Rundreise / Zugfahrt nach Hefei / Ankunft in Hefei</p>
<p>19.10 Aufenthalt in Hefei</p>
<p>20.10 Aufenthalt in Hefei</p>
<p>21.10 Zugfahrt Hefei &#8211; Beijing</p>
<p>22.10 Ankunft in Beijing</p>
<p>23.10 Aufenthalt in Beijing</p>
<p>24.10 Weiterfahrt in Richtung Wladiwostok</p>
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		<title>Ankunft bei Nacht: &#8220;Der Platz des Himmlischen Friedens&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Sep 2009 14:03:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joern</dc:creator>
				<category><![CDATA[Etappe 09 China (Erduosi - Beijing)]]></category>

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		<description><![CDATA[Es war schon dunkel als wir letzten Donnerstag (17.09) am symbolischen Mittelpunkt Chinas angekommen sind: Dem Platz des Himmlischen Friedens in Beijing (Peking)! Bei Einbruch der Dunkelheit &#8211; Tageskilometer 150 &#8211; hatten wir die 6. Ringstrasse, die wir als Stadtgrenze Beijing bezeichnen wuerden, gerade ueberquert. Bis zum Tian&#8217;anmen Platz, wie der Platz des Himmlischen Friedens auch genannt wird, lagen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-medium wp-image-1067" title="Nach 10.000 km: Naechtliche Ankunft auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Beijing (Peking / China)." src="http://ammanu.de/wp-content/uploads/2009/09/IMG_11102-300x225.jpg" alt="Nach 10.000 km: Naechtliche Ankunft auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Beijing (Peking / China)." width="300" height="225" />Es war schon dunkel als wir letzten Donnerstag (17.09) am symbolischen Mittelpunkt Chinas angekommen sind: Dem Platz des Himmlischen Friedens in Beijing (Peking)! Bei Einbruch der Dunkelheit &#8211; Tageskilometer 150 &#8211; hatten wir die 6. Ringstrasse, die wir als Stadtgrenze Beijing bezeichnen wuerden, gerade ueberquert. Bis zum Tian&#8217;anmen Platz, wie der Platz des Himmlischen Friedens auch genannt wird, lagen noch 30 km vor uns. In der Hoehe der 6. Ringstrasse, zeugt noch nicht viel von der Dimension der 15 Millionen Einwohner Stadt. Hier werden noch Kuehe in Hinterhoefen gehalten, wird Mais angebaut und die Haeuser sind selten hoeher als drei Stockwerke. Jedoch aendert sich das mit jedem Kilometer, den wir weiter in Richtung Innenstadt vordringen. Dabei folgen wir dem Strassenverlauf der G 109, die direkt zum Tian&#8217;anmen Platz fuehrt. Noch nie war die Einfahrt in eine Grossstadt mit dem Fahrrad fuer uns so einfach. Nicht nur, weil wir der G 109 folgend, ohne auf die Karte zu schauen, unser Ziel erreichen.  Sondern auch, weil parallel zum Fahrweg fuer Autos und Busse, oftmals getrennt durch eine Baumreihe, ein ca. 2,5 m breiter Radweg vorhanden ist&#8230; Und selten ist eine Stadteinfahrt so spannend. Denn mittlerweile ist es dunkel geworden und Beijing verschafft sich sein eigenes Licht: durch ausgeleuchtet Parkanlagen, angestrahlte Hausfassaden oder blinkende Reklametafeln&#8230;<span id="more-1060"></span></p>
<p><strong>Der Platz des Himmlischen Friedens!</strong></p>
<p>Dann liegt er vor uns: Der Platz des Himmlischen Friedens. Der Platz, an dessen noerdlichem Ende die &#8220;Verbotenen Stadt&#8221;, der bis 1911 genutzte Kaiserpalast, liegt. Der Platz, auf dem sich seit 1976 das gewaltige Mao Mausoleum befindet. Der Platz, der mit einem Fassungsvermoegen von 1 Millionen Menschen als groesster befestigter Platz der Welt bezeichnet wird. Und der Platz, der durch die Niederschlagung der Demokratiebewegung Chinas am 4. Juni 1989 den Menschen im Gedaechtnis bleiben wird&#8230; Leider koennen wir den Platz des Himmlischen Friedens nicht betreten. Gegenwaertig befindet sich ganz China in den Vorbereitungen zur 60 Jahrfeier der Gruendung der Volksrepublik China.  Ein Mittelpunkt der Feierlichkeiten ist dabei der Platz des Himmlischen Friedens. U.a. soll eine Parade aus 200.000 Teilnehmern auf der Strasse zwischen &#8220;Verbotener Stadt&#8221; und &#8220;Platz des Himmlischen Friedens&#8221; vorbeiziehen. Von den immensen Vorbereitungen haben wir auch an anderer Stelle einiges mitbekommen&#8230;</p>
<p><strong>Paradeprobe - Das Hotel darf nicht verlassen werden. </strong></p>
<p>So konnten wir unser Hostel, dass sich in der Naehe vom Hauptbahnhof befindet, am Freitag (18.09) in der Zeit von 16.00 Uhr nachmittags bis zum naechsten Morgen um 6.00 nicht verlassen. Verschiedene Strassenabschnitte und Plaetze waren gesperrt worden, um fuer die Feierlichkeiten am 01. Oktober zu proben. Und wenn nicht gerade winkende Kinder als Teil der Parade auf den gesperrten Strassen vorbeizogen, wirkte die sonst so uebervolle Stadt an diesen Stellen wie ausgestorben. Alle Geschaefte waren geschlossen. Die Buergersteige waren leergefegt. Es gab kein Durchkommen durch die Strassensperren: Wer nicht um 16.00 Uhr im Hotel war, musste die Nacht woanders verbringen. Wer nach 16.00 das Hotel verlassen wollte, hatte keine Chance dies zu tun. Wieder einmal lernten wir einen Eingriff des Staates kennen, der fuer uns in Deutschland unvorstellbar ist. Denn wer kann sich schon vorstellen, dass der Rosenmontagsumzug in Koeln einen Probelauf macht, und wahrenddessen niemand fuer 14 Std. sein Haus verlassen oder aufsuchen darf&#8230;Fuer uns war das an diesem Tag aber kein Problem. Wir haben uns ein wenig ausgeruht, denn nach den zurueckliegenden sportlichen Tagen des Radfahrens - wir hatten waehrend der letzten sechs Radeltage mehr als 800 Kilometer zurueck gelegt und so einen Tagesdurchschnitt von knapp 140 km in den Beinen - war das doch mal wieder notwendig geworden&#8230;</p>
<p><strong>G 109 &#8211; Durch die Provinz in die Hauptstadt.</strong></p>
<p>Dabei waren die letzten sechs Radeltagen (12.09 &#8211; 17.09) nach den ganzen Quaelereien um die verschwundenen Fahrraeder unsere ersten richtigen Radeltage in China.  Und diese fuehrten sprichwoertlich mitten durch die Provinz in die Hauptstadt.  Denn auf unserem Weg nach Beijing entlang der G 109 lag neben einer Vielzahl an kleineren Doerfern als einzig groesserer Ort die Stadt Datong. Dennoch war die Fahrt von Erdusoi, die Stadt, die wir von Yinchuan aus mit dem Bus angesteuert hatten, nach Beijing aeussert abwechslungsreich &#8211; dafuer sorgten nicht nur die vielen Hoehenmeter, die wir erneut zu ueberwinden hatten. Denn fuer uns schien es, als waere die G 109 so gebaut worden, dass man auf ihr eine verkuerzte Reise durch verschiedene Abschnitte des facettenreichen Nord-Chinas unternehmen kann:</p>
<p><strong>Wer nicht auf die Grosse Mauer gestiegen ist, ist kein wahrer Mann!</strong></p>
<p>So durchbricht die G 109 an einer Stelle die  Chinesische Mauer oder verlaeuft teilweise parallel dazu: Ziel der Chinesischen Mauer war es, das Kaiserreich China vor Angriffen nomadischer Reitervoelker aus dem Norden zu schuetzen. Insgesamt hat die Mauer eine Gesamtlaenge von ueber 8000 km - besteht aber aus verschiedenen, nicht miteinander verbundenen Mauerabschnitten, die aus verschiedenen Epochen (von 200 v. Chr bis 1600 n. Chr.)  stammen und in denen unterschiedliche Baumaterialien benutzt wurden. Mit ihrer Laenge und ihrem Volumen ist die Chinesische Mauer jedoch das groesste Bauwerk der Erde. Der Abschnitt der Mauer, an dem wir entlang gefahren sind, war allerdings in einem aeusserst schlechten Zustand: Nur an einigen Stellen war ein maueraehnliches Bauwerk zu vermuten. Die Wachtuerme, die urspruenglich in regelmaessigen Abstaenden entlang der Mauer erreichtet worden waren, sahen dabei eher aus wir groessere Termitenhuegel &#8211; so unkenntlich waren sie in ihrer aeusseren Form. Da diese Mauerabschnitte aus Lehm bestanden, und nicht wie die bekannten Abschnitte der Postkartenmotive aus massivem Stein, sind wir wahrscheinlich an einem relativ alten Teil der Mauer entlang gefahren. Insgesamt war die Mauer in einem so schlechten Zustand, dass wir nicht einmal Mao Zedongs Ausspruch: &#8220;Wer nicht auf die Grosse Mauer gestiegen ist, ist kein wahrer Mann&#8221; nachkommen konnten. Wir muessen also noch etwas nachholen&#8230;</p>
<p>Uebrigens kann die Grosse Mauer nicht, wie lange Zeit erzaehlt worden ist, &#8220;mit blossem Auge&#8221; vom Mond aus gesehen werden. Als das auch der erste chinesische Raumfahrer Chinas im Jahr 2003 bestaetigte, wurde dies in Schulbuecher korrigiert&#8230;</p>
<p><strong>Unterwegs auf der Kohleroute.</strong></p>
<p>Zudem ist die G 109 auf verschiedenen Abschnitten Hauptverbindungsroute zwischen Kohlebergwerken und Kohlekraftwerken: Ohne Unterbrechung sind hunderte, vielleicht sogar tausende dieselbetriebene Lkw im Einsatz, um die westlich von der Stadt Datong abgebaute Kohl zu den Kraftwerken zu transportieren. Abgase und Kohlenstaub liegen in der Luft. Immer wieder kommt es an Verkehrsknotenpunkten zu kilometernlangen Staus. Die Lkw Lawine steht. Mit den Fahrraedern schaffen wir es meistens, uns zwischen den Lkw durchzuschlaengeln. Abends haben wir eine schwarze Russschicht auf unserer Haut. Dies ist vor allem im Gesicht und an den Augen zu erkennen. Auch fuer die Umwelt und die Ortschaften durch die wir fahren, bleibt dies nicht ohne Folgen. Viele Pflanzen, die parallel zur Strasse wachsen, sind mit einer dicken Russschicht belegt. Nahezu jede Ortschaft hat sich auf die Lkw Lawine eingestellt. Jeder zweite Betrieb ist ein KFZ Betrieb oder eine Tankstelle. Ueberall in den Orten stehen Lkw zur Wartung oder Reparatur. In den Wassenpfuetzen spiegeln sich die Altoelreste. Zwischen den Lkw spielen Kinder oder waschen Frauen die Waesche. Und ueberall liegt Muell. Vielfach Plastiktueten &#8211; Plastiktueten sind die Pest. Nicht nur in China! Auch, wenn in China die kostenlose Abgabe von Plastiktueten in Supermaerkten seit dem Jahr 2008 verboten ist, werden schaetzungweise taeglich 3 Milliarden Kunststofftueten verbraucht&#8230;</p>
<p><strong>Der Herbst klopft an&#8230;</strong></p>
<p>Aber abseits der &#8220;Kohleroute&#8221; fahren wir einsam auf der G 109 durch wunderschoene Landschaften: Anfaenglich radeln wir immer wieder zwischen 1200 und 1700 Hoehenmetern ueber nicht enden wollende Huegelketten. Wir geniessen den Blick in die sanft abfallenden Taeler, die ueber weite Strecken von Menschenhand bearbeitet worden sind - zu gleichfoermigen terassenaehnlichen Feldern. Dabei stellen wir fest, dass der Herbst kommt.  Denn zum einen haben sich in den Hoehenlagen ueber 1300 m die Blaetter der Baeume bereits gelblich verfaerbt. Und zum anderen werden die Tage immer kuerzer. So ist es bereits gegen 19.00 Uhr dunkel, sodass wir unseren Tagesrhythmus anpassen: Morgens Aufstehen gegen 6.00 Uhr. Abends im Zelt liegen gegen 19.00 Uhr. Bei solch kurzen Tagen und dennoch recht langen Tagesetappen von ca. 140 km  schaffen wir es nicht, selber mittags &#8220;warm&#8221; zu kochen&#8230;muessen wir auch nicht, denn ueberall in China gibt es Garkuechen &#8211; aber diese zu finden, ist manchmal garnicht so einfach&#8230;</p>
<p><strong>Chinesisch I - Woran erkenne ich eine Garkueche, wenn ich keine Schriftzeichen lesen kann?</strong></p>
<p>&#8230;sehen doch nicht alle Garkuechen auf den erst Blick aus wie eine Garkueche. Und sich vorzustellen, dass alle Garkuechen ueber den Eingang diesselbe Beschriftung stehen haben, und wir uns somit nur zwei oder drei Schriftzeichen zu merken brauchen, geht so auch nicht auf. Auf der Suche nach einer Garkueche haben wir in den letzten Tagen jedoch festgestellt, dass Garkuechen und Restaurants aller Art in der Regel durch einen oder mehrere rote Laternen ueber dem Eingang zu erkennen sind. Pedalieren wir also zur Mittagszeit durch eine Ortschaft muessen wir nur nach roten Laternen Ausschau halten&#8230;Okay, manchmal stehen wir dann auch in einer KFZ Werkstatt &#8211; aber insgesamt liegt die Trefferquote bei ueber 90 Prozent&#8230;</p>
<p><strong>Chinesisch II - Wie wir der Name der Stadt Datong ausgesprochen?</strong></p>
<p>Neben der Suche nach einer Garkueche, ist auch das &#8220;Nach dem Weg fragen&#8221; manchmal nicht ganz so einfach, sind doch die chinesische und die deutsche Sprache soweit von einander entfernt wie Himmel und Hoelle&#8230;Wir haben keine Chance, auch nur ein Wort zu verstehen oder auch nur ein Wort lesen zu koennen. Wir radeln sozusagen als Analphabeten durch die Provinz. Oftmals schaffen wir es sogar nicht mal nach einer Ortschaft zu fragen, da wir den Namen anscheinend falsch aussprechen. Natuerlich haben wir uns gefragt, was an der Aussprache der Stadt &#8220;Datong&#8221; falsch gemacht werden kann, wenn wir nach dem Weg gefragt hatten, und unser Gegenueber wieder einmal nur mit den Schultern zucken konnte&#8230;Vielleicht liegt des Raetsels Loesung darin, dass das Chinesische eine Tonsprache ist. Die Veraenderung der Tonhoehe ein und desselben Wortes fuehrt zu einer anderen Wortbedeutung. Insgesamt gibt es im Chinesischen 4 Tonhoehen. Veranschaulicht wird dies oftmals am Wort &#8220;ma&#8221;. In der ersten Tonhoehe bedeutet es &#8220;Mutter&#8221;. In der zweiten Tonhoehe &#8220;Hanf&#8221;, in der dritten &#8220;Pferd&#8221;, und in der vierten &#8221;schimpfen&#8221;. Das ist natuerlich nun schoen zu wissen, hilft uns an der Strassenkreuzung aber nicht wirklich weiter&#8230;</p>
<p><strong>Freundlichkeit hat einen Namen &#8211; China!</strong></p>
<p>Ueber die Chinesen wird gesagt, dass sie zu fremden Auslaendern grundsaetzlich freundlicher sind als zu fremden Landsleuten. Wie sich Chinesen gegenueber fremden Landsleuten verhalten, wissen wir nicht &#8211; wie sie sich gegenueber fremden Auslaendern verhalten um so besser &#8211; naemlich sehr freundlich und vor allem interessiert. Dies merken wir bei fast jedem Besuch einer Garkueche oder eines Restaurants. Schon bei der Bestellung werden wir vom gesamten Personal unterstuetzt &#8211; inklusive aller Koeche. Das Interesse begleitet uns auch waehrend des Essens &#8211; stehen doch oftmals verschiedene Personen &#8211; vom Gast bis zum Kellner - an unserem Tisch, und schauen einfach nur zu, wie wir essen&#8230;Da ergibt es sich auch hin und wieder, dass sich kurz vor unserer Weiterfahrt das gesamte Personal, einige Gaeste und verschiedene Dorfbewohner bei unseren Fahrraedern versammeln und wir &#8211; zur Freude aller &#8211; ein Gruppenphoto machen. Solche Dinge erleben wir natuerlich nur in der Provinz. Im Strassenbild der Millionenstadt Beijing gehoeren Auslaender zum Alltag und sind daher nicht mehr so interessant &#8211; aber freundlich sind die Chinesen auch in Beijing&#8230;</p>
<p><strong>Auf zum &#8220;Visum-Urlaub&#8221; nach Hong Kong!</strong></p>
<p>Mittlerweile sind wir schon in Hong Kong (21.09). Ein Highlight jagt hier also gerade das naecheste. Aber nicht mit dem Fahrrad haben wir die 2500 km zurueckgelegt, sondern mit dem Zug. Hierher mussten wir aussreisen, da unser 30 Tage Visum abgelaufen war. Grundsaetzlich haetten wir unser Visum auch in Beijing verlaengern koennnen. Wie gesagt: &#8220;grundsaetzlich&#8221; ist das moeglich. Jedoch ist das in Beijing aufwendiger als in anderen Staedten Chinas &#8211; und herum um die Tage der Feierlichkeiten zum 60. Gruendungsjubilaeum der Volksrepublik China nochmals ne Schueppe komplizierter. Aber egal, denn eine Reise nach Hong Kong ist wohl auch ganz spannend&#8230;</p>
<p><strong>Reisestatistik &#8211; diesmal eher eine Sprintstatistik&#8230;</strong></p>
<p>12.09 Erduosi &#8211; : 111 km</p>
<p>13.09 wird nachgetragen: 113 km</p>
<p>14.09 wird nachgetragen: 114 km</p>
<p>15.09 wird nachgetragen: 139 km</p>
<p>16.09 wird nachgetragen: 154 km</p>
<p>17.09 Ankunft in Beijing: 180 km</p>
<p>18.09 Aufenthalt in Beijing</p>
<p>19.09 Aufenthalt in Beijing</p>
<p>20.09 Zugfahrt Beijing &#8211; Hong Kong</p>
<p>21.09 Ankunft Hong Kong</p>
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		<title>Alptraum in China: Wo sind unsere Fahrraeder?!</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Sep 2009 00:22:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Joern</dc:creator>
				<category><![CDATA[Etappe 8 China (Kashi - Erduosi)]]></category>
		<category><![CDATA[Etappe 08 China (Kashi - Erduosi)]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Wir wissen nicht, wo unsere Fahrraeder sind!&#8221; Diesen quaelenden Satz haben wir in der vorletzten Woche (03. &#8211; 11.09) leider all zu oft sagen muessen. Denn nachdem wir ohne Probleme mit Zug und Bus von Kashi nach Yinchuan (29.08 &#8211; 02.09) gereist sind, um u.a. so die &#8220;Wartezeit von Taschkent&#8221; ausgleichen zu koennen, wurden unsere Fahrraeder nicht wie geplant [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-medium wp-image-1045" title="Nicht wie auf unserem Transportschein angegeben beim Hauptbahnhof von Yinchuan, sondern bei dieser Garagenfirma konnten wir die Fahrraeder nach &quot;langen Tagen des Wartens&quot; abholen." src="http://ammanu.de/wp-content/uploads/2009/09/IMG_0828-300x225.jpg" alt="Nicht zur Stueckgutausgabe von China Railway Express, sondern zu dieser Garagenfirma wurden unserer Fahrraeder transportiert..." width="300" height="225" />&#8220;Wir wissen nicht, wo unsere Fahrraeder sind!&#8221; Diesen quaelenden Satz haben wir in der vorletzten Woche (03. &#8211; 11.09) leider all zu oft sagen muessen. Denn nachdem wir ohne Probleme mit Zug und Bus von Kashi nach Yinchuan (29.08 &#8211; 02.09) gereist sind, um u.a. so die &#8220;Wartezeit von Taschkent&#8221; ausgleichen zu koennen, wurden unsere Fahrraeder nicht wie geplant in der vorgesehenen Zeit nach Yinchuan transportiert&#8230; Es war ein Alptraum, der nicht enden wollte. Ueber eine Woche lang, wussten wir nicht, wo unsere Fahrraeder sind. Alle Informationen, die wir anfangs bekommen hatten, waren zueinander widerspruechlich. Die Situation war wirklich zum Verzweifeln. Gefuehlt war das Ende der Radreise schon gekommen&#8230; Mittlerweile sind wir unterwegs in Richtung Beijing (Peking) - mit dem Fahrrad! Von hier aus werden wir sofort (20.09) mit dem Zug nach Hong Kong fahren, um dort unser neues Visum zu beantragen, da unser jetziges in drei Tagen (22.08) auslaeuft. Und auch in Hong Kong werden wir uns nicht lange aufhalten, startet doch in einer Woche (27.09) unsere gemeinsame Rundreise mit Eva, Dieter und Doro ab Beijing. Leider ist durch die &#8220;Wartezeit in Taschkent&#8221; und dem &#8220;Verlust unserer Fahrraeder&#8221; alles ein wenig komplizierter, anstrengender und vor allem zeitlich knapper geworden als urspruenglich geplant. Doch wie sagt der chinesiche Volksmund, wenn es mal unverschuldet anders kommt als gedacht: &#8221;Mei Fan Ba&#8221; (Da kann man eben nichts machen)! Einfach ist es fuer uns nicht, nach den letzten Wochen diesen Worten zu folgen. Doch was koennen wir ueberhaupt machen &#8211; &#8220;uns aergern&#8221;, dass die Fahrraeder verschollen waren, und unentspannt in die Rundreise starten, oder &#8220;uns freuen&#8221;, dass die Fahrraeder wieder da sind und die Rundreise geniessen. Fuer uns ist die Antwort klar! Doch bevor wir entspannt in die Rundreise starten, noch einmal kurz die Ereignisse der letzten Wochen&#8230; <span id="more-1036"></span></p>
<p><strong>Mit dem Schwarzmarktticket nach Ueruemqi!</strong></p>
<p>Einer der groessten Arbeitgeber der Welt soll die chinesiche Bahn sein. Gut vorstellbar, sind doch schaetzungsweise permanent ca. 10.000.000 Chinesen mit dem Zug unterwegs. Dementsprechend gross ist auch die Nachfrage nach Zugtickets, und diese nicht immer einfach zu bekommen. Da groessere Gepaeckstuecke, wie auch Fahrraeder nicht wie in Deutschland mit in den  Personenzug genommen werden koennen, sondern gesondert transportiert werden muessen, haben wir in Kashi ein Reisebuero &#8221;beauftragt&#8221;, uns Zugtickets zu besorgen und den Transport der Fahrraeder zu organisieren. Selber haetten wir es in Kashi wohl nicht geschafft ein Zugticket zu bekommen. Fahrkarten waren wegen der grossen Nachfrage zum Beginn der Vorlesungszeiten an Hochschulen nur noch auf dem Schwarzmarkt erhaeltlich. Und Englisch oder Deutsch spricht dort niemand&#8230;</p>
<p><strong>Warum sollte es bei uns Probleme geben?</strong></p>
<p>Die Fahrraeder wurden also von unserem Hotel, in dem sich auch das Reisebuero befindet, abgeholt, und sollten in Holzkisten per Zug nach Yinchuan transportiert werden. Natuerlich war es nicht einfach, sich von den Fahrraedern zu trennen. Aber wir hatten zuvor zwei Radler aus Spanien getroffen, die mehrfach mit dem Zug gereist waren. Ihre Fahrraeder waren immer  puenktlich und unversehrt am Zielort angekommen. Und ausserdem hatten wir einen Frachtzettel mit den typischen Informationen: Frachtnummer nebst Strichcode, Durchwahl zum Transportunternehmen sowie der Ort, an dem wir die Fahrraeder abholen koennen &#8211; die 24 h geoffnete Stueckgutausgabe von China Railway Express in Yinchuan. Darueber hinaus war das Reisebuero sogar von unserem Reisefuehrer, wie auch das Hotel, empfohlen worden. Warum sollte es nun gerade bei uns Probleme geben. Entspannt freuten wir uns also auf die Zug- und Busreise nach Yinchuan&#8230;</p>
<p><strong>Ein Schlafplatz in 2,50 m Hoehe.</strong></p>
<p>Fuer die 2500 km mussten wir mehrere Tage einplanen. Am ersten Tag (29.08) fuhren wir mit dem vom Reisebuero organisierten Ticket von Kashi nach Ueruemqi. Fahrzeit: 24 Stunden. Wir hatten ein Ticket fuer den Liegewagen der 2. Klasse. Die Liegewagen bestehen i.d.R. aus zum Gang hin offenen sechser Abteilen. Jeweils drei Betten befinden sich uebereinander. Wer unten schlaeft zahlt mehr als der, der ueber ihm oder ganz oben schlaeft. Warum: Unten ist es moeglich, aufrecht im Bett zu sitzen, in der Mitte schaffen das kleiner Leute auch noch, und oben, in ca. 2.50 m Hoehe, klappt das definitv nicht mehr. Wir hatten eine Fahrkarte fuer ganz oben. Klaus Fuesse gucken bei diesem Platzangebot natuerlich auch ueber die Liegeflaeche hinaus in den Gang. Und kurzzeitig kam auch jedem von uns der Gedanken, was wohl passiert, wenn man sich nachts mal ueber das kleine Bettgitter hinaus drehen wuerde&#8230;</p>
<p><strong>Dreimal taeglich Nudelsuppe. </strong></p>
<p>Aber obwohl in einem Waggon fuer 24 Stunden mehr ca. 60 Menschen auf engstem Raum zusammen sind, ist diese Form des Reisens noch recht angenehm. Ein Grund dafuer ist wohl, dass das Zugpersonal den Tagesablauf regelt: Puenktlich um 22.00 wird das Licht ausgemacht: Schlafenszeit. Und ebenso puenktlich um 6.00 wieder angestellt: Aufstehen! Ab dann sind auch die Toiletten wieder geoeffnet und es steht der Heisswasserboiler bereit, den ALLE nutzen, die nicht in den Speisewagen gehen, um sich eine Instantnudelsuppe zum Fruehstueck, zum Mittagessen oder/und zum Abendbrot zuzubereiten, die zuvor vom Zugpersonal zusammen mit anderen Leckereien wie Tofu-Scheiben oder Huehnerfuessen verkauft worden sind. Ein anderer Grund ist wahrscheinlich auch schlichtweg die Tatsache, dass die Chinesen ruecksichtsvoll reisen. Es scheint hier einfach keine lauten Reisenden zu geben&#8230;</p>
<p><strong>Haben wir schon Entzugerscheinungen?</strong></p>
<p>Aber natuerlich haben wir auf der ca. 60 cm bereiten Liegeflaeche nicht sooo super geschlafen. Wir waeren ausgeruhter gewesen, wenn wir in einem Viererabteil im Schlafwagen der 1.Klasse gereist waeren. Diese liegen im Vergleich irgendwo zwischen dem Standard der Schlafwagen der 1. und 2. Klasse der Deutschen Bahn. Wir waren aber sicherlich viel ausgeruhter als diejenigen, die sich nur einen Sitzplatz in der 1. oder 2. Klasse, oder sogar nur einen Stehplatz leisten konnten. Naja, jedenfalls haben wir nach 24 Stunden Ueruemqi erreicht. Dort gelingt es uns auch, mit einem vom Reisebuero in Kashi vorbereiteten Schreiben sofort ein Zugticket fuer die Weiterfahrt nach Lanzhou zu organisieren. Das Schreiben war absolut notwendig. Niemand spricht englisch oder deutsch. Wir kein Wort chinesich. Fahrzeit nach Lanzhou: 20 Stunden. Abfahrt leider erst nachmittags am Tag darauf (31.09). Wir muessen also fuer eine Nacht in Ueruemqi bleiben. Schade, wir wollen doch so schnell wie moeglich zureuck auf das Fahrrad. Das wir schon wieder ein paar Tage nicht auf dem Sattel gesessen haben, und dass das lange Liegen waehrend der Zugfahrt fuer uns eher ungewohnt ist, merken wir, als wir im Hotel sind . Wir beide haben total unruhige Beine. Koennen kaum einschlafen. Stellen die Beine hoch an die Wand oder wippen mit den Fuessen lange Zeit auf und ab. Haben wir etwa schon Entzugserscheinungen, weil wir kein Radfahren?</p>
<p><strong>2. September &#8211; Der Alptraum beginnt!</strong></p>
<p>Nach weiteren 20 Stunden im Zug sind wir also am naechsten Tag (01.09) in Lanzhou. Dort organisieren wir uns ein Busticket nach Yinchuan, dass wir nach weiteren 6 Stunden Fahrzeit noch am selben Tag erreichen. Mit etwas Aufwand und der Hilfe eines Taxifahrers finden wir ein Hotel, in dem wir &#8211; so denken wir zu diesen Zeitpunkt - uns nur kurz aufhalten muessen und zuerst nur eine Nacht einchecken. Am naechsten Morgen (02.09) fahren wir direkt nach dem chinesischen Fruehtstueck, das i.d.R. vegetarisch ist, aus gedaempften Teigrollen, verschiedenen Salaten und abgekochtem Griesswasser besteht, zur Stueckgutausgabe von China Railway Express (CRE). Diese befindet sich im Bahnhof, der ca. 15 km ausserhalb der Innenstadt, wo sich unser Hotel befindet, liegt. Wir zeigen einem Polizisten unserem Frachtzettel. Er gibt uns die Richtung zu verstehen.  Zuegig finden wir die Stueckgutausgabe. Da wir die die einzigen Auslaender sind, werden wir sofort von mehreren Maenner, die entweder bei CRE arbeiten, oder mit ihren Kleintransportern an der Ausgaberampe auf Kundschaft warten, umringt. Alle schauen sich den Zettel an und winken ab. Aber zuvor hatte uns doch ein Polizist eindeutig angezeigt, dass wir hier richtig sind&#8230;</p>
<p><strong>Durchwahl des Transportunternehmens: Nur eine Bandansage!</strong></p>
<p>Der Alptraum beginnt: Niemand spricht englisch oder deutsch. Wir kein chinesich. Die Sprachen sind so unterschiedlich, dass keiner erahnen kann, was der andere auch nur annaehernd meint, wenn er etwas gesagt hat. Irgendwann ruft jemand mit seinem Handy die Durchwahl des Transportunternehmens an: Wohl nur eine Bandansage, wie wir verstehen. Wir haben zwar eine chinesische Telefonkarte aus Kashi. Doch die funktioniert in Yinchuan nicht mehr. Wir suchen haenderingend nach jemandem, der etwas englich spricht und werden in der Post fuendig. Der nette Beamte ruft nochmal die Durchwahl an &#8211; ja, es ist eine Bandansage. Wir beschliessen darauf hin, erstmal eine neue Telefonkarte zu organisieren, um Alim, den Chef des Reisebueros in Kashi anzurufen. Er muss uns weiterhelfen. Die Organisation der Telefonkarte ist auch nicht ganz so einfach. Wie sollen wir der Verkaeuferin im Telefonshop sagen, was wir wollen? Doch im Geschaeft befindet sich ein Internetzugang. So nutzten wir ein Uebersetzungsprogramm aus dem Internet: Wir stellen unsere Fragen auf englisch. Diese werden ins chinesische uebersetzt. Und umgekehrt. Alles dauert wahnsinnig lange. Nach ca. 2,5 Stunden haben wir endlich eine neue Telefonkarte&#8230;</p>
<p><strong>Sind wir ueberhaupt in der richtigen Stadt? Ja, natuerlich!</strong></p>
<p>Zurueck bei der Stueckgutausgabe rufen wir Alim an. Erklaeren im die Situation. Sind wir richtig oder sind wir falsch. Die Verbindung ist nicht immer rauschfrei. Alims Englisch nicht perfekt. Er ist Uigure, seine Muttersprache somit arabisch und nicht chinesich. Von dem Chinesich in Yinchuan versteht er nicht alles. Wir muessen aber anscheinend erstmal die Frage klaeren, ob wir in der richtigen Stadt sind, oder ob die Fahrraeder zu einer anderen Stadt geschickt worden sind, und es ein Missverstaendnis zwischen Alim und uns gegeben hat. Wir sind in der richtigen Stadt und es scheint auch so, als waren wir am richtigen Ort. Aber warum kennt hier dann  keiner diesen Transportschein? Alim will herumtelefonieren und sich dann bei uns melden.  Wir fahren zurueck zum Hotel und bezahlen die zweite Nacht&#8230;</p>
<p><strong>Die Fahrraeder kommen erst &#8220;morgen&#8221; - kein Problem!</strong></p>
<p>Gut, denken wir. Alles wir sich wohl heute klaeren. Wir telefonieren mit Alim. Er hat erste Informationen. Die Fahrraeder sind auf dem Weg und kommen morgen an. Die Stueckgutausgabe von CRE am Bahnhof von Yinchuan ist der richtige Abholungsort. Er ruft uns an, wenn die Fahrraeder eingetroffen sind. Mit diesen Informationen im Hinterkopf sind wir erstmal recht entspannt und gehen in ein Internet-Cafe. Stellen den in Kashi geschriebenen Bericht auf die Homepage, schreiben E-Mails und so weiter. Am naechsten morgen besichtigen wir die wenigen Sehenwuerdigkeiten der Stadt: verschiedene Stadttore und das Provinzmuseum. Alim meldet sich nicht. Wir rufen ihn an. Er ist nicht zu erreichen. Anscheinend ein Funkloch, wie uns sein Bruder sagt, den wir ueber das Festnetz im Reisebuero erreichen. Spaeter meldet sich Alim. Die Fahrraeder sind noch nicht da. Er will nochmal bei dem Transportunternehmen anrufen, und sich spaeter melden&#8230;</p>
<p><strong>Unruhen in Ueruemqi der Grund fuer die Verzoegerungen?</strong></p>
<p>Wir telefonieren erst am naechsten Morgen wieder. In Ueruemqi, wo ploetzlich die Fahrraeder noch sind &#8211; sie sind also doch noch ca. 1500 km von Yinchuan entfernt - hat es erneute Unruehen gegeben. Die Situation scheint schwierig zu sein. Aber morgen faehrt der LKW dann in Richtung Yinchuan. Wieso sind die Fahrraeder jetzt auf dem LKW fragen wir uns? Am naechsten Tag das gleiche Spielchen. Ja, die Fahrraeder sind auf dem Weg. Der LKW schon in der Provinz von Yinchuan. Die Fahrraeder werden aber erst morgen da sein. Wegen der Unruehen gibt es viele Strassensperren, der LKW kommt nur langsam voran. Aber morgen ist er da. Ganz sicher. Wir checken also am naechsten Tag aus dem Hotel aus. Fahren mit unserem Gepaeck zur Stueckgutausgabe im Bahnhof von Yinchuan. Als wir dort ankommen, werden wir wieder von Leuten umringt. Wieder wird uns erklaert, dass wir am falschen Ort sind. Die Fahrraeder sind hier nicht. Wir versuchen Alim anzurufen. Kommen nicht durch. Der Akku vom Handy ist zudem leer. Da wir unser Gepaeck mithaben, haben wir das Ladegeraet dabei. Als wir eine Steckdose finden, ist diese kaputt. Klappt den gar nichts mehr? Die naechste Steckdose funktioniert. Wir erreichen Alim. Wir geben wie schon so oft zuvor den Hoerer an einen der Mitarbeiter von CRE, damit dieser mit Alim auf Chinesisch spricht, der uns im Anschluss dann auf Englisch informiert. Es bringt nichts, die Raeder sind nicht da. Klaus versucht, sich in das Lager von CRE zu schleichen, um nach den Raeder zu suchen. Wie soll er dem Mitarbeiter an der Pforte erklaeren, dass er sich &#8220;nur mal umschauen&#8221; will? Reinschleichen klappt erstmal nicht. Irgendwann schafft es Klaus, durch das Lager zu gehen: Keine Spur von unseren Fahrraedern&#8230;</p>
<p><strong>Warum stimmt unserer Frachtnummer nicht mehr?</strong></p>
<p>Wir telefonieren nochmal mit Alim. Natuerlich fragen wir uns so langsam, ob alles stimmt, was er uns an Informationen liefert. Denn diesmal sagt er, er muesse nur noch die neue Frachtnummer organisieren. Dir Fahrraeder sind zu 100% im Bahnhofsgebaeude von Yinchuan. Da aber die Fahrraeder vom Zug auf den LKW umgeladen wurden, gibt es eine neue Frachtnummer. Wenn wir die haben, muessen wir nur unsere Paesse vorzeigen, die Nummer sagen und schon haben wir die Fahrraeder. Die Nummer bekommt er morgen. Dann koennen wir die Fahrraeder abholen. Ganz sicher morgen! Wir fahren zurueck zum Hotel. Beim naechsten Telefonat mit Alim ist die neue Frachtnummer nicht mehr aktuell. Alim sagt nur, dass das Transportunternehmen gerade checkt, wo die Fahrraeder sind. Aber sie werden wohl morgen ankommen. Wir geben Alim zu verstehen, dass er uns die Telefonnummer vom LKW Fahrer besorgen soll, da wir genau wissen wollen, wo die Fahrraeder jetzt im Augenblick sind.</p>
<p><strong>Hat Herr Wang die Fahrraeder auf seinem LKW?</strong></p>
<p>Wir bekommen die Nummer vom Fahrer: Herr Wang. Wir koennen ihn aber nicht anrufen. Er spricht kein englisch oder deutsch. Wir keine chinesich. Er hat aber Alim gesagt, der er die Fahrraeder auf seinem LKW habe. Koennen wir das glauben? Wir rufen Andreas an. Er wohnt in Beijing (Peking), und spricht fliessend Chinesisch. Ueber seinen ehemaligen Arbeitskollegen, Georg, hat Joern vor Beginn der Reise, die Telefonnummer von Andreas bekommen. Wir rufen ihn an. Er ruft Herrn Wang, den Fahrer an und meldet sich dann bei uns. Herr  Wang hat die Fahrraeder geladen. Er weiss aber nicht, wo er die Fahrraeder hinbringen soll. Er weiss nur, dass er nach Yinchuan fahren muss. Er sagt, dass er nur langsam vorankomme. Wir sind etwas erleichtert, wissen wir doch jetzt ungefaehr wo die Raeder sind.</p>
<p><strong>Wem koennen wir glauben? Was ist richtig &#8211; was ist falsch?</strong></p>
<p>Am naechsten Tag telefonieren wir wieder mit Alim. Er meint, dass Herr Wang die Fahrraeder vom LKW in Lanzhou abgeladen und auf den Zug umgeladen hat. Morgen sind die Fahrraeder dann in Yinchuan. Warum sind die Fahrraeder jetzt wieder auf der Schiene? Andreas telefoniert nochmal mit Herrn Wang. Ihm sagt er, dass er die Fahrraeder nicht mehr habe. Ein anderer Fahrer bringt sie mit dem LKW nach Yinchuan. Dieser kommt heute Nacht an. Morgen frueh werden die Fahrraeder dann abgeladen. Wir fragen uns nur noch, was richtig und was falsch ist. LKW &#8211; Schiene &#8211; Raumschiff&#8230; Wir wissen wirklich nicht mehr weiter.</p>
<p><strong>Urploetzlich ein neuer Ort, wo wir die Fahrraeder abholen koennen!</strong></p>
<p>Dann meldet sich Alim nochmal. Er hat jetzt einen neuen Ort, wo wir die Fahrraeder abholen koennen. Natuerlich kann er uns den nicht auf chinesich durch das Telefon ansagen. Die Rezeptionistin des Hotels telefoniert mit Alim, erhaelt eine Telefonnummer, ruft dort an und laesst sich die Adresse geben. Wir fahren hin. Es ist ein Gewerbegebiet, auf dem sich eine Vielzahl von Transportunternehmen angesiedelt haben. Die Strassen sind nicht geteert, durch den Regen der letzten Tage alles schlammig. In einer Nebenstrasse soll sich in einer Garagenspedition der Ort befinden, wo unsere Fahrraeder heute Nacht ankommen und morgen frueh abgeladen werden. Zwar handelt es sich bei der Adresse um eine Transportunternehmen, aber warum sollten gerade hierher unserer Fahrraeder geliefert werden weit weg vom urspruenglichen Abholungsort. Wir rufen Alim an, geben den Hoerer weiter, er soll fragen, ob wir richtig sind. Wir sind richtig. Wir rufen Andreas an. Er ruft den Fahrer Herrn Wang an. Erhaelt urploetzlich von diesem eine Telefonnummer. Ruft diese an und es klingelt tatsaechlich in der Garage, in der wir gerade stehen&#8230;</p>
<p><strong>Zu frueh gefreut? Wieder eine Sackkasse?</strong></p>
<p>Wir sind wieder zuversichtlicht, dass die Fahrraeder morgen in Yinchuan angkommen &#8211; werden aber enttaeuscht, als es am naechsten morgen wieder nichts wird&#8230;Mittlerweile mussten wir auch nach unserer siebten Nacht in Yinchuan das Hotel wechseln, da es durch vorherige Reservierungen ausgebucht war. Mit der Hilfe des Hotel-Managers gelingt es uns aber noch, einen englisch-chinesischen Dolmetscherdienst in Yinchuan ausfindig zu machen. An den wenden wir uns jetzt. Wir hatten schon laenger vermutet, das Alim, der sich anscheinend engagiert um das Wiederfinden der Fahrraeder kuemmert, nur widerspruechliche und hinhaltende Informationen wie Puzzelteile von der Transportfirma erhaelt. Nach der neuerlichen Enttaeuschung sagt er uns auch, dass die Transportfirma ihn wohl die ganze Zeit &#8220;beschissen haette&#8221;.</p>
<p><strong>Alleine kommen wir nicht weiter &#8211; Wir schalten eine Dolmetscherin ein.</strong></p>
<p>Wir benoetigen also jemanden, mit dem wir vor Ort die Informationen sammeln und einschaetzen koennen, was wahr uns was falsch ist um dann zu ueberlegen, was zu tun ist. Waehrend der letzten Tage hat Alim fuer uns verschiedene Telefonnummer organisiert: Von der Transportgesellschaft in Kashi, vom Umschlagsplatz in Uruemqi und Lanzhou, vom LKW Fahrer Herrn Wang sowie vom LKW Fahrer, an den Herr Wang die Fahrraeder angeblich uebergeben haben soll. Von der Stueckgutausgabe in Yinchuan, vom &#8220;neuen Ausgabeort&#8221; im Gewerbegebiet usw. Die Telefonnummer sind unsere Ansatzpunkte. Direkt nach der letzten Enttaeuschung fahren wir zum Uebersetzungsbuero. Da die Situation recht kompliziert ist, fahren wir mit Frau Huang zurueck ins Hotel. Dort erklaeren wir ihr die mittlerweile recht komplexe Situation. Wir legen dazu sozusagen die Telefonnummern der verschiedenen Beteiligten auf eine Landkarte, so dass sie die einzelenen Beteiligten besser zuordnen kann. Ca. 45 Minuten erklaeren wir ihr die Situation und ueberlegen uns ein gemeinsames Vorgehen&#8230;</p>
<p><strong>Die Fahrraeder stehen noch in Lanzhou &#8211; und sollen &#8220;morgen&#8221; ankommen&#8230;</strong></p>
<p>Dann telefonieren wir mit den verschiedenen Beteiligten&#8230;Langsam klaert sich, dass der neue Ausgabeort richtig ist. Jedoch stehen unsere Fahrraeder zu diesem Zeitpunkt noch in Lanzhou. Sie werden auch nicht mit dem Zug weiter transportiert, sondern mit dem LKW nach Yinchuan gebracht. Ein Fahrer ist von der Transportfirma noch nicht bestimmt worden &#8211; obwohl wir schon einen Tag zuvor die Telefonnummer des Fahrer, an den Herr Wang die Landung angeblich uebergeben hat, bekommen haben. Jedoch, so wird von der Verantwortlichen in Lanzhou gesagt, &#8220;stimmt es diesmal, das die Fahrraeder morgen in Yinchuan eintreffen werden&#8221;, womit sie sich gleichzeitig eingesteht, dass sie Alim die letzten Tagen wohl mehrmals nicht die Wahrheit gesagt hat. Sie kann auch unsere Fahrrader beschreiben: &#8220;schwarzer Rahmen mit rotem Sattel&#8221;. Wir verabreden uns mit Frau Huang fuer den naechsten morgen um 8.30 um direkt zur Transportfirma zu fahren. Ganz glauben, koennen wir es jedoch nicht, dass die Raeder morgen in Yinchuan eintreffen sollen&#8230;</p>
<p><strong>Die Fahrraeder sind endlich da &#8211; aber die Lampen sind verbogen.</strong></p>
<p>Tatsaechlich: Als wir am naechsten morgen (11.09) beim Transportunternehmen eintreffen, wird dort gerade ein LKW von mehreren Maennern entladen. Ganz oben, zwischen verschiedenen Saecken und Kisten entdecken wir eingeklemmt und ineinander verkeilt unsere Fahrraeder. Bei diesem Anblick werden wir ganz nervoes. Zwar sind wir &#8220;maximal  erleichtert&#8221;, dass die Fahrraeder wieder da sind,  aber wir durchleiden noch bange Minuten, bis wir feststellen, dass die Fahrraeden den Transport ohne groesseren Schaden ueberstanden haben &#8211; obwohl es zunaechst schlimmer ausgesehen hatten: Die Frontstrahler waren zur Seite abgeknickt, weil die Lenker nach innen geschlagen waren. Dadurch hatte sich wohl auch an Klaus Fahrrad der Schnellspanner der Vorderradbremse geloest und baumelte lose am Bautenzug. Und durch die Verkeilung der Fahrraeder waehrend des Transportes mussten die Getraenkehalter weichen und hatten sich zu den Seiten hin verbogen. Ehrlich gesagt, waren wir bei diesem Anblick  unserer Fahrraeder kurzzeitig wirklich sehr schlecht gelaunt&#8230;</p>
<p><strong>Keine Zeit fuer schlechte Laune &#8211; auch, wenn wir nochmal  mit dem Bus fahren muessen&#8230;</strong></p>
<p>Fuer die schlechte Laune bleibt aber keine Zeit. Wir muessen schnellstens zum Busbahnhof. Dadurch, dass wir ueber eine Woche in Yinchuan auf unsere Fahrraeder warten mussten, waren wir leider gezwungen, nochmal in den Bus einzusteigen. Ansonsten koennen wir es nicht schaffen, puenktlich Beijing mit dem Fahrrad zu erreichen, um von dort mit dem Zug nach Hong Kong zu reisen und das neue Visum zu beantragen. Und daher sitzen wir, obwohl wir um 9.15 noch den Empfang der Fahrraeder quittieren mussten, eine Stunde spaeter im Bus, der uns ins ca. 500 km entfernte Erudosi bringt. Mit dabei unsere Fahrraeder &#8211; gut verstaut im Laderaum des Busses&#8230; </p>
<p><strong>Die Transportfirma  meldet sich: Wieso? Holzboxen waren nicht bestellt!</strong></p>
<p>Noch waehrend der Busfahrt meldet sich auf unserer chinesischen Handynummer die Transportfirma. Ueber diesen Anruf sind wir ueberrascht. Nicht zuletzt, weil sich ein Mitarbeiter aus der Hauptgeschaeftsstelle in Ueruemqi bei uns anruft, und sich auf englisch fuer alle vorgefallenen Unannehmlichkeiten mehrfach entschuldigt. Natuerlich sind wir neugierig und wollen wissen, warum es so lange gedauert hat, warum wir die Fahrraeder nicht an der Stueckgutausgabe  am Hauptbahnhof von Yinchuan abholen konnten, warum die Fahrraeder anscheinend spontan mit dem LKW transportiert worden sind, warum wir selbststaendig den neuen Abholungsort herausfinden mussten, warum wir so viele Falschinformationen erhalten haben und warum unsere Fahrraeder nicht wie vereinbart in einer Holzbox, sondern achtlos eingeklemmt zwischen Saecken und Kisten transportiert worden sind. Alles kann uns auch Doerat, der Mitarbeiter der Transportfirma, anscheinend nicht erklaeren. Nur soviel sagt er uns: Wegen neuerlicher Ausschreitungen in Uruemqi &#8211; es hat Attacken gegeben, bei denen verschiedene Personen mit angeblich infizierten Spritzennadeln andere Personen verletzt haben &#8211; standen die Fahrraeder zwei Tage in Ureumqi  und wurden auf den LKW verladen. Durch heftigste,  sintflutartige Regenfaelle kam der LKW jedoch nur langsam voran und musste sogar fuer zwei Tage komplett die Weiterfahrt unterbrechen. Und das die Fahrraeder nicht in Holzboxen transportiert worden sind, laege schlichtweg einzig und allein daran, dass dieser Service nicht bestellt und dementsprechend dafuer auch nicht bezahlt worden sei&#8230;</p>
<p><strong>12. September &#8211; Alles ist wieder gut! Wir sind zurueck auf der Strasse.</strong></p>
<p>Und da stehen wir wieder vor der Frage, welche Informationen richtig und welche falsch sind. Denn, wie es sich nach Doerat anhoert, hat Alim uns den Transport der Fahrraeder in Holzkisten zwar bezahlen lassen, aber nur den einfachen Transport der Fahrraeder als &#8220;lose Ware&#8221; beauftragt&#8230;Auf diese Frage ein Antwort zu bekommen, wird nur schwerlich moeglich  sein&#8230;Naja, egal, denn obwohl wir genau wissen, dass das &#8220;Verschwinden der Fahrraeder&#8221; neben dem gewaltigen Telefon- und Organisationsaufwand und neben den zusaetzlichen Kosten fuer Hotel und Dolmetscher-Service uns vor allem wieder &#8220;Fahr-Zeit&#8221; auf dem Fahrrad gekostet hat, koennen wir die Tage in Yinchuan am besten auf die chinesiche Weise nehmen: &#8220;Mei Fan Ba&#8221; (Da kann man eben nichts machen)&#8230;</p>
<p>Und wenn wir wirklich ehrlich sind, sind die Tage in Yinchuan vergessen, als wir nach der Ankunft in Erduosi am naechsten morgen (12.09) aus dem Zelt krabbeln, und nach einem typischen Radler-Fruehstueck aus Instandnudeln, Plaetzchen und Kaffee oder Tee wieder auf dem Fahrrad sitzen und gen Osten der gerade aufgegangenen Sonne entgegenradeln, die uns den Weg zu unserem knapp 1000 km entfernten naechsten Etappenziel weisst: Beijing &#8211; die Hauptstadt Chinas&#8230;</p>
<p><strong>Reisestatistik &#8211; diesmal eher eine Wartezeitenstatistik&#8230;</strong></p>
<p>30.08 Zugfahrt Kashi &#8211; Ueruemqi</p>
<p>31.08 Ankunft Ueruemqi / Uebernachtung Ueruemqi</p>
<p>01.09 Zugfahrt Ueruemqi &#8211; Lanzhou</p>
<p>02.09 Ankunft Lanzhou / Busfahrt Lanzhou &#8211; Yinchuan / Ankunft Yinchuan</p>
<p>03.09 Warten auf die Fahrraeder in Yinchuan</p>
<p>04.09 Warten auf die Fahrraeder in Yinchuan</p>
<p>05.09 Warten auf die Fahrraeder in Yinchuan</p>
<p>06.09 Warten auf die Fahrraeder in Yinchuan</p>
<p>07.09 Warten auf die Fahrraeder in Yinchuan</p>
<p>08.09 Warten auf die Fahrraeder in Yinchuan</p>
<p>09.09 Warten auf die Fahrraeder in Yinchuan</p>
<p>10.09 Warten auf die Fahrraeder in Yinchuan</p>
<p>11.09 Busfahrt Yinchuan &#8211; Erduosi / Ankunft Erduosi</p>
<p>12.09 Weiterfahrt Richtung Beijing auf dem Fahrrad</p>
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