Ukraine: Gegenwind und Gastfreundschaft


img_1081…Lublin hinter uns gelassen, die letzten Kilometer in Polen schnell wegpedaliert… noch die “Warnungen” im Ohr, dass wir jetzt doch die EU verlassen und alles ganz anders und vor allem schrecklicher werden würde; dass die Grenzüberquerung in die Ukraine mindestens nen halben Tag dauern würde… aber als wir mit unseren Rädern an den Schlagbaum der ukrainischen Grenzer rollten, grinsten uns vereinzelt Glodzähne entgegen und wir mussten zig mal erzähle wos denn hingeht. Trotz nicht vorhandener Sprachkenntnisse unsererseits sorgten wir doch für einige Verwunderung…

Die Begegnung mit den ukrainischen Grenzbeamten – teilweise mit riesigen Offiziershüten auf dem Kopf – verlief also alles andere als unheimlich und wir merkten schnell, dass wir in der Ukraine zwar auch beguckt werden, aber - anders als in Polen - werden wir gegrüßt, Jungs auf Mopeds hupten und johlten, Bauern hielten ihre Pferdewagen an um uns zu fragen wos denn hingeht. Auch die Hunde schienen wesentlich mehr Interesse an uns zu haben. Jörn entwickelte die Idee der “anti-dog-stones” und hatte immer schnell ein paar kleine Steine zur Hand wenn mal eine “Straßentöhle” zu nah kam. Klaus hingegen bellte meistens ziemlich lautstark zurück.

Nach Turii`sk mit ukrainischem Whiskey

Der erste Streckenabschnitt führte uns erst über die noch ganz gute Grenzstraße, mit leider viel Verkehr und auch immer größeren Schlaglöchern. Also runter von der Straße und ab auf die Feldwege und Kopfsteinpflaster der Ukraine, dachten wir uns. Allerdings sind die Straßen abseits der Nationalrouten oft wesentlich besser und gut zum Radeln geeignet.

Als erstes steueren wir die Stadt Turii`sk an. Auf dem Weg dorthin wurden wir mitten im Wald, an einer kleinen Hütte von einer feierfreudigen Gruppe Lehrer angehalten. Es wurde Geburtstag gefeiert und natürlich mussten wir mitfeiern und vor allem auch mittrinken. Leckers Essen gabs – wir hatten noch kein Geld getauscht und waren ziemlich froh darüber: Fischsuppe, Kartoffelsalat, gefüllten Fisch, gefüllte Pfannekuchen, … und natürlich Vodka. Besonders warm machte dabei der selbstgebrannte “ukrainische Whiskey”. Am Besten hat uns aber die selbstgemachte Birkensaft-Limo geschmeckt. Dafür wird im Frühling Birkensaft gezapft und mit Wasser, Zucker und geheimen Zutaten (fast wie bei CocaCola) ein super Säftchen hergestellt - alkfrei versteht sich. Gut gestärkt konnten wir uns auf den Patt machen und uns ein schönes idyllisches Plätzchen in einem ukrainischen Fichtenwald suchen, um unser Zelt aufzuschlagen. Allerdings stand noch unerwartete Arbeit auf dem Plan: Wir wurden unterwegs von einem jungen Burschen angehalten, der sein Trabbi-ähnliches Auto in einer total verschlammten Wiese festgefahren hatte. Mit vereinten Kräften und einem anderen Auto davor, hats dann geklappt. Wie matschverschmiert Klaus danach ausgesehen hat, soll hier nicht  mehr beschrieben werden.

Von Turii`sk nach Lutsk

Weiter ging es dann nach Lutsk. Dort hatten wir schon durch Marta aus Lublin einen Kontakt und so wurden wir bereits erwartet. Vitaliy und Marta kennen sich durch ihre Arbeit und kooperieren mit dem Benno-Haus in Münster. Wir konnten eine kleine Wohnung im Stadtzentrum beziehen. Eigentlich gehört die Wohnung Vitaliys Tante, aber weil Sanierungsbedarf besteht, war sie komplett leergeraumt und wir hatten Badewanne und Gasherd für uns! Echt super um nen bisschen zu relaxen. Relaxen war auch notwendig, da wir seit einigen Tagen ständigen Gegenwind (Ost/Süd-Ost) hatten, und krampfhaft überlegten, wer uns in Münster denn erzählt hatte, dass wir nur Westwind haben müssten und quasi nicht trampeln bräuchten - ist nicht so… Wir waren zwei Tage in Lutsk, haben uns zusammen mit Vitaliy die Stadt beguckt, uns mit einigen seiner Freunde auf ein gemütliches Bier in einer Kneipe getroffen und die Badewanne mehrmals genutzt. Zum Schluss ließ es sich Vitaliy dann nicht nehmen uns der städtischen Ressortleiterin für Auslandsbeziehungen vorzustellen. Danach wurden wir dann noch in der stadtischen Kantine verköstigt – die Köchin rief laut “Schnaps Schnaps” als sie mitbekam das wir aus Deutschland kommen.

Vitaly der Manager

Vitaly hatte dann schon das nächste Quartier für uns klar gemacht. Wir fuhren nach Rivne wo uns Oksana empfing. Nach einer heißen und hügeligen Etappe, konnten wir es uns im Wohnzimmer einer Bekannten von Oksana bequem mahen. Die Gastfreundchaft in der Ukraine ist einfach super! Oksana und ihr Freund Den bekochten uns und servierten uns dann am anderen Morgen ein kräftiges Frühstück, bestehend aus Pelmini (gefüllte Teigtaschen), Salat und Brot. Gern wären wir länger geblieben, aber irgendwie rief uns Kiew.

Zwei Tagesetappen machten wir dann auf der Nationalstraße, die glücklicherweise momentan erneuert wird. So konnten wir kilometerlang auf gesperrten, nagelneuen Trassen fahren, zwar mit Gegenwind, aber dennoch kilometerfressend. Der 2000senste Tour-Kilometer waren somit schon kurz hinter Rivne abpedaliert und nach sage und schreibe 2171 km hatten wir dann unseren ersten Platten. Muss man sich mal vorstellen: über 2000 km ohne einen Defekt am Rad oder irgendein Problem. Der Platten war natürlich auch kein Problem und war schnell geflickt. Es ging dann in einer “Nachfahrt” bis nach Kiew. Vitaly, der irgendwie unser ukrainischer Reisemanager geworden ist, hatte in Kiew auch schon ein Quartier ausgemacht. Wir wurden von Andriy und Alla erwartet, bekocht und feinst untergebracht.

Wir sind jetzt also in Kiew, machen nen bisschen Touri-Programm, schlafen, essen… Mehr über Kiew und uns dann bald wieder hier!

Etappe 2/1: Statistik

21.04. 09 Lublin – Chlem: 93 km

22.04.09 Chlem – Turii`sk: 114 km

23.04.09 Turii`sk – Lutsk: 73 km

24.04.09 Tag in Lutsk

25.04.09 Lutsk – Rivne: 105 km

26.04.09 Rivne – Wald kurz vor Zhytomyr: 151 km

27.04.09 Wald - Kiew: 187 km

28.04.09 Kiew

29.04.09 Kiew

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Artikel vom 29. April 2009 | Klaus | Nachricht an Klaus schreiben